Der Verein „Pro Lebensarum Kiebitzgrund“ warnt vor Überbündelung.
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Windkraft, Bahn- und Stromtrassenplanung – diese Themen hatte der Verein „Pro Lebensraum Kiebitzgrund“ zur Diskussion gestellt. Die Initiative warnt vor einer „Überbündelung“. Übrigens: Nicht alle Schilder verkünden Wahres: Weder Langenschwarz noch Burghaun insgesamt gehören zum Biosphärenreservat Rhön.

Verein weist auf „Überbündelung“ hin

Bahn, Windkraft, Stromtrassen - Wird der Kiebitzgrund überlastet?

  • Hartmut Zimmermann
    VonHartmut Zimmermann
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„Es ist genug!“ – diese Feststellung stand als Dauerüberschrift über einer Gesprächsrunde mit Politik-Vertretern, zu der der Verein Pro Lebensraum Kiebitzgrund eingeladen hatte. Der Satz bezog sich auf die Belastung der Dörfer aufgrund aktueller und künftiger Infrastrukturprojekte durch Bahn, Windkraft und Stromtrassen.

Langenschwarz - Im Langenschwarzer Dorfgemeinschaftshaus (Hessen) hieß am Donnerstagabend Vereinsvorsitzender Ernst Pfingstgräff den Landtagsabgeordneten Jürgen Lenders (FDP), dessen Parlamentskollegen Thomas Hering, den Bundestagsabgeordneten Michael Brand und Landrat Bernd Woide sowie Bürgermeister Dieter Hornung (alle CDU) willkommen. Gleichfalls geladene Vertreter der Grünen und der SPD waren der Einladung nicht gefolgt.

Pfingstgräff und sein Vorstandskollege Hans-Helmut Maul stellten den rund 120 Zuhörerinnen und Zuhörern die Vorgeschichte und den aktuellen Planungsstand für die Bereiche Windkraft, Bahntrasse Fulda–Gerstungen sowie Stromtrasse Mecklar–Dipperz („Fulda–Main-Leitung“) vor.

Pfingstgräff berichtete, dass neben den vier neuen Rotoren unmittelbar an der Langenschwarzer Gemarkungsgrenze aktuell sowohl in den Vorrangflächen FD 16 (Güntherswald) als auch FD 29 (zwischen Schlotzau und den Herbertshöfen) Projektierer aktiv seien. Hinzu kämen die konkreten Planungen bei Queck, wo eine neue Bürgerinitiative entstanden sei.

Hessen: Bahn, Windkraft, Stromtrassen - Wird der Kiebitzgrund überlastet?

Pfingstgräff unterstrich, man bestreite nicht den Klimawandel und die Notwendigkeit, Veränderungen auf den Weg zu bringen. Dazu gehöre auch Windkraft, aber letztlich ein guter Strommix und ein dezentraler Ansatz – bei einer gerechten Verteilung der Lasten. Die Prämien für Kommunen mit Windkraftstandorten, die das geänderte Einspeisungsgesetz vorsieht, nannte er „legalisierte Bestechung“. Er kritisierte die flächendeckende Befreiung des Biosphärenreservats von Windkraftvorrangflächen sowie die „schleichende Herausnahme“ des Gieseler Forsts und verwies darauf, dass mit den riesigen Dächern der Logistiker an der A 7 bei Michelsrombach ein enormes Potenzial für Fotovoltaikflächen bestehe. Das „Bündelungsgebot“ in der Planung erweise sich für die Kiebitzgrund-Dörfer als verhängnisvoll.

Kritik übte Pfingstgräff auch an den Suedlink-Nutzern im Süden der Republik: Wer durch Bayern und Baden-Württemberg fahre, der werde nicht auf solche Windrad-Wälder stoßen, wie es sie in Hessen inzwischen gebe. Winfried Kretschmann und Markus Söder machten es sich zu Lasten anderer leicht. (Lesen Sie auch: Protest gegen Windkraftanlagen im Vogelsberg)

Seitens der Politik kritisierte der FDP-Abgeordnete Lenders, dass Hessen sich enorm eng an dem Ziel orientiere, zwei Prozent der Landesfläche zu Windkraft-Vorrangflächen zu machen und dafür notfalls andere Regeln wie den Naturschutz aufweiche. Ein Problem sei auch die fehlende Abstimmung zwischen den Regierungspräsidien. Das führe gerade in Grenzbereichen wie hier zwischen Mittel-, Nord- und Osthessen zu zusätzlichen Belastungen. Der CDU-Abgeordnete Hering erklärte, bei allen persönlichen Vorbehalten sei er als Mitglied in der schwarz-grünen Koalition einer Loyalitätspflicht. Um aus den Zwängen der Zwei-Prozent-Vorgabe herauszukommen, müsse man „Angebote“ machen. Hering verwies auf die Chancen der Geothermie zur Energiegewinnung. Landrat Woide stimmte Lenders bei, dass die Regionalplanung erheblich bessererer Abstimmungen und einer Gesamtschau bedürfe. Extrem zeige sich dies im Drei-RP-Eck zwischen Süd-, Mittel- und Nordhessen bei Flieden und Hauswurz.

Auch Fulda-Main-Leitung könnte Belastungen für den Kiebitzgrund bringen

Zur Fulda–Main-Leitung merkte Pfingstgräff an, dass sie, was noch nicht ausgeschlossen sei, den Kiebitzgrund berühre, eine 80-Meter-Schneise parallel zur Autobahn bringen würde. Hier sei die Erdverkabelung ein Kompromiss-Weg. Woide betonte, er werde den Hinweis auf die Vielfach-Belastung des Kiebitzgrunds in die Beratungen mitnehmen. Michael Brand erinnerte an die Erfolge bei Suedlink. Beharrlichkeit und gute Abstimmung seien wichtig. Jürgen Lenders ermutigte dazu, immer wieder kritische Fragen zu stellen und nichts als „alternativlos“ zu akzeptieren. Politische Vorgaben könnten auch in den Parlamenten geändert werden. (Lesen Sie hier: Widerstand gegen Fulda-Main-Leitung aus Petersberg und Nüsttal)

In der Diskussion gab es beim Stichwort Erdverkabelung auch Vorbehalte, weil damit eine bedenkliche Erwärmung des Bodens verursacht werde.

Die Ausfädelpunkte von der bestehenden ICE-Trasse stellte Hans-Helmut Maul vor. Er verwies auf die drohende Belastung besonders des Schwarzbachtals und der historischen Mühlen dort. Der Vorschlag des Vereins sei ein alternativer Trassenverlauf bis Hersfeld im Fuldatal. Sowohl Landrat Woide als auch Michael Brand betonten, ein ICE-Halt in Bad Hersfeld sei kein „Automatismus“. „Für die Bahn zählen die Kosten und die Geschwindigkeit“, so der Landrat. Jeder Halt bedeute eine Verzögerung. Lenders riet, grundsätzlich zu fragen, ob man diese Strecke benötigt. Die Bahn müsse klären, was ihr eigentliches Geschäftsmodell sei.

Diskussionen und kritische Fragen - Verein „Pro Lebensraum Kiebitzgrund“

Woide und Brand machten sich dafür stark, erst nördlich des Kiebitzgrunds von der Fulda–Hannover-Trasse auszufädeln. Wenn Hersfeld den ICE wolle, müsse man dort auch Lasten tragen.

Kritische Fragen gab es in der Diskussionsrunde zur Bedeutung des Naturschutzes in den Genehmigungsverfahren. „Man macht im Naturschutz Strukturen platt und sorgt dafür, dass unbequeme Leute den Mund halten“, beklagte Hartmut Kiel. Ziel sei offenbar, möglichst alle Hemmnisse für den Windkraftausbau aus dem Weg zu räumen. „Ich kann die CDU nicht mehr wählen, wenn sie so mit den Grünen kuschelt, so Kiel.

Burghauns Bürgermeister Dieter Hornung dankte dem Verein für seine Initiative und sicherte zu, den Stammtisch mit den Bürgerinitiativen fortzusetzen und die Aktiven mit Informationen zu versorgen.

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