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Medienrummel um 22-jährigen Hersfelder: Jonathan Kehl rettet kanadischem Politiker das Leben

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Jonathan Kehl aus Bad Hersfeld hat Stammzellen für Dominic LeBlanc gespendet.
Dank der Stammzellenspende von Jonathan Kehl hat der kanadische Minister Dominic LeBlanc seine Krebserkrankung überwunden. © Kim Hornickel

Jonathan Kehl aus dem Bad Hersfelder Stadtteil Hohe Luft ist 22 Jahre alt und schon weltberühmt: In seinem Garten sind regelmäßig Journalisten aus aller Welt zu Gast. Jonathan hat dem namhaften kanadischen Politiker Dominic LeBlanc das Leben gerettet – er ist Stammzellenspender.

Bad Hersfeld - Seit seiner Entscheidung, sich bei der Typisierung im Jahr 2018 an der Modellschule Obersberg registrieren zu lassen, hat sich einiges im Leben des jungen Mannes verändert. Seitdem hat er engen Kontakt zu dem Mann, dem er das Leben gerettet hat. Dominic LeBlanc ist Mitglied des Kabinetts von Kanadas Regierungschef Justin Trudeau.

Hessen: 22-Jähriger rettet mit Stammzellenspende kanadischen Politiker

Mittlerweile wird Jonathan immer wieder von Journalisten interviewt; an das Interesse an seiner Geschichte und die dutzenden Fragen hat sich der 22-Jährige schon gewöhnt. „Da kommen ja oft die gleichen Fragen und man weiß schon, was man antwortet“, sagt Jonathan in einem Interview mit der „Hersfelder Zeitung“.

Der Lehramtsstudent aus Hessen pendelt in der Semesterzeit jeden Tag nach Kassel und verdient sich nebenbei an der Konrad-Duden-Schule etwas dazu. An der Alten Klosterschule unterrichtet er Ethik, an der Uni studiert er Religion und Biologie.

„Die Schüler, die ich unterrichte, kommen meist aus verschiedenen Kulturkreisen und haben Vorurteile, die von den Eltern kommen“, sagt er. „Ich möchte sie dazu bringen, selbst zu denken, und viele sagen auf Nachfrage dann ‚ach dazu habe ich mir noch nie Gedanken gemacht’“, berichtet Jonathan und zuckt die Achseln.

Stammzellenspende für krebskranken Politiker - Fernsehteam aus Kanada verfilmt Geschichte

Seine Arme hat der Hersfelder beim Erzählen um den Bauch gelegt. Während er erzählt, schaut er zurückhaltend nach links, nach rechts, oder zur Pavillondecke. Als Jonathan Kehl davon erzählt, wie ihn die ausländischen Journalisten in dem kleinen Haus mit Garten auf der Hohen Luft besuchen, strahlen seine Augen und er muss grinsen. „Meine Eltern waren zuerst ganz baff und dann aufgeregt“, erzählt er.

Seine Eltern, Andreas und Andrea Kehl und die Schwestern Johanna und Julia standen zum ersten Mal vor Kameras. Gleich ein ganzes Fernsehteam reiste aus Kanada an, um seine Geschichte zu filmen. (Lesen Sie auch: Paulin Kalkofen aus Fulda hat mit 19 Jahren Knochenmark gespendet)

Dass er einmal Stammzellen spenden wird, hätte sich Jonathan auch bei der ersten Anfrage der Stammzellendatenbank nicht vorstellen können. „Selbst als ich den Brief bekommen habe, dass ich im engeren Spenderkreis für einen Empfänger bin, habe ich nicht geglaubt, dass es etwas wird.“

Nachdem er im August 2019 die Nachricht bekommen hatte, dass er als Spender ausgewählt wurde, folgten Gesundheitstests, Vorbereitungen auf den Eingriff, dann war es so weit. „Ich wurde an eine Maschine angeschlossen und die Stammzellen wurden aus meinem Blut gefiltert“, erklärt Jonathan. Wenn er über die Stammzellenspende spricht, hebt er den linken Arm und macht mit der Hand eine fließende Bewegung, als könnte er den Stammzellenfluss damit beschreiben.

Video: Kampf gegen Krebs - wird Bereitschaft zur Spende weniger?

Während des fünfstündigen Eingriffs (Apherese) in einem Frankfurter Blutspendezentrum, schaute Kehl Fernsehen. „Zwei Stunden danach habe ich mich schon wieder fit gefühlt“, erinnert er sich. (Lesen Sie auch: Blutvorräte für den Sommer gebraucht: In der Reisezeit rücken Spenden in den Hintergrund)

„Dann kam das große Unbekannte“, fügt der Lehramtsstudent hinzu. Nach dem Eingriff muss er warten. Erst zwei Jahre später dürfen sich Spender und Empfänger kennenlernen. Der Student, der im Dachgeschoss seiner Eltern wohnt und dieses bald in eine WG für sich und seine Schwester umbauen möchte, hat seit der Spende einen prominenten Freund.

Jonathan Kehl aus Hessen spendet Stammzellen für kanadischen Politiker

Im Herbst 2021 ist Stichtag, und Dominic LeBlanc nimmt Kontakt zu Jonathan auf. Der heute 54-Jährige hat eine gute Nachricht, er hat seinen Blutkrebs dank Jonathans Spende überwunden.

Kurze Zeit nach dem ersten Kontakt telefonieren die beiden zum ersten Mal. Man spricht Englisch. „Er hat von sich erzählt, ich von mir. Ich saß in meinem Zimmer, er in seinem Büro“, sagte Jonathan. Aus Dank hat der kanadische Politiker Jonathan zu sich nach Ottawa eingeladen. „Ich hoffe, dass es bald mit einem Besuch klappt“, sagt der Lebensretter aus Waldhessen. (Von Kim Hornickel)

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