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Für Frauenarzt-Praxis: Katholische Gemeinde verzichtet auf Pfarrheim

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Von: Hartmut Zimmermann

Das Rasdorfer Pfarrheim wird Standort der Frauenarzt-Praxis von Franziska Gerstung. Bald beginnt der Umbau.
Das Rasdorfer Pfarrheim wird Standort der Frauenarzt-Praxis von Franziska Gerstung. © Hartmut Zimmermann

Rasdorf bekommt eine Frauenarzt-Praxis – und die katholische Gemeinde verzichtet – zumindest befristet – auf ihr Pfarrheim. So stellt sich die Situation dar, nachdem Bürgermeister Jürgen Hahn und die Medizinerin Franziska Gerstung ihre Pläne vorstellten.

Rasdorf - „Könnten Sie sich vorstellen, auf die Nutzung des Pfarrheims zu verzichten, damit Rasdorf Standort einer Facharztpraxis wird?“ Für die Pfarrgemeinde im Ortsteil von Hünfeld war es eine Überraschung, als der Rathauschef mit einer solchen Anfrage auf die Gremien zukam.

Letztlich gelang es Hahn, die Verantwortlichen zu überzeugen und deren Zustimmung für seine Idee zu bekommen. „Es ist ein ungewöhnlicher Schritt, aber es ist eine Entscheidung, von der letztlich alle im Ort etwas haben“, sagt Dechant Markus Blümel (Eiterfeld). Er ist der Pfarrer der Rasdorfer Gemeinde und unterstützt die Entscheidung, die Umnutzung der Räume möglich zu machen.

Hessen: Katholische Gemeinde verzichtet für Frauenarztpraxis auf Pfarrheim

Hahns Anfrage habe im Verwaltungsrat ein positives Echo gefunden. Man sei übereingekommen, dass ein Team des Pfarrgemeinderats sich auf die Suche mache, um zu klären, welche Räumlichkeiten ersatzweise genutzt werden könnten. Allerdings habe er sich schon gewundert, dass die Gemeinde dann sehr rasch mit dem Schritt an die Öffentlichkeit gegangen sei – es habe im Dorf wohl viele überrascht, die Entscheidung in der Zeitung zu lesen. 

Der Prozess des Suchens und Abstimmens mit noch nicht abgeschlossen. „Wir führen derzeit mit verschiedenen Stellen Gespräche und suchen nach Möglichkeiten“, erläutert die Sprecherin des Pfarrgemeinderats, Ursula Veltum. Aufgrund der Corona-Pandemie sei es ja so, dass aktuell kaum Veranstaltungsräume benötigt würden. Infolgedessen sei der Handlungsdruck etwas geringer. „Es geht aber darum dass wir Klarheit darüber erlangen, wo wir nach dem 1. April mit unseren Gremien tagen oder als Pfarrgemeinde Veranstaltungen anbieten können“, betont sie.

Die Bereitschaft zum Miteinander pflegen

Dazu gebe es einen engen Kontakt mit der Gemeinde. Dort habe man signalisiert, dass der sogenannte „Rot-kreuz-Raum“ im Rathaus für die Vereine verfügbar sein könne. Zudem sei es ja so, dass es auch andere Vereinsräume gebe, die man möglicherweise mit nutzen könne, sagt sie und verweist auf das Sportlerheim und das „Tennishaus“. 

Größere Aktionen – in den Räumen am Heileweg organisierte das DRK seine Blutspendetermine – könnten sicherlich ins Grüsselbacher Dorfgemeinschaftshaus verlegt werden. Veltum verhehlt nicht, dass es im Dorf kritische Äußerungen zu der Entscheidung gegeben habe, das Pfarrheim für die Arztpraxis zur Verfügung zu stellen. Aber es sei grundsätzlich gut, der Ärztin hier keine Steine in den Weg zu legen. (Lesen Sie auch: Nur noch neun Pfarreien im Kreis Fulda? Bistum plant drastische Veränderungen)

Um in der Sache weiter zu kommen, sei es wichtig, die Bereitschaft zum Miteinander zu pflegen und zu stärken. Ob das Pfarrheim nach dem Auszug der Praxis – geplant für das Jahr 2023 – wieder von der Gemeinde genutzt werde, sei noch offen, sagt Veltum. Sie gibt auch zu bedenken, dass das Pfarrheim, auch wenn dessen Verfügbarkeit viele Annehmlichkeiten mit sich bringe, der Pfarrgemeinde auch beträchtliche Kosten beschert habe. 

Das ist möglicherweise auch ein Grund dafür, dass man, wie Markus Blümel berichtet, in der Fuldaer Bistumszentrale keine Einwände gegen da Vorgehen der Pfarrgemeinde hat. 

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