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Vier Festnahmen bei bundesweiten Razzien gegen Rechtsextreme - eine davon in Osthessen

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Von: Sebastian Reichert

Ermittler gehen seit dem Morgen mit einer großen Aktion in elf Bundesländern gegen mutmaßliche Rechtsextremisten vor. Vier Personen aus dem Umfeld einer Kampfsportgruppe aus Eisenach (Thüringen) seien festgenommen worden - eine davon in Rotenburg/Fulda (Hessen).

Rotenburg/Eisenach - Das teilte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe am Mittwoch mit. Es bestehe der Verdacht der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung. Bundesweit gebe es 50 Beschuldigte. 800 Polizisten sind seit dem frühen Mittwochmorgen bei den bundesweiten Razzien gegen Rechtsextreme im Einsatz.

Wie Dr. Ines Peterson, Sprecherin der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe, informierte, stammen die vier Festgenommenen aus dem Umfeld der Eisenacher Kampfsportgruppe „Knockout 51“. Drei von ihnen wurden in Eisenach gefasst und ein weiterer Mann - Bastian A. - in Rotenburg an der Fulda im Kreis Hersfeld-Rotenburg (Hessen).

Hessen: Vier Festnahmen - 800 Polizisten bei Razzien gegen Rechtsextreme im Einsatz

Zuvor hatten der „Spiegel“ und andere Medien berichtet. Bei der Kampfsportgruppe handelt es sich demnach um „Knockout 51“. Die Gruppe habe vom thüringischen Eisenach aus agiert. Von den Durchsuchungen ist den Informationen zufolge unter anderem das „Flieder Volkshaus“ in Eisenach betroffen.

Dort befindet sich die Landeszentrale der rechtsextremen NPD. In dem Haus sollen Trainings der Kampfsportgruppe stattgefunden haben. Bei den Vorwürfen gegen „Knockout 51“ gehe es um Körperverletzung, vor allem gegen Menschen aus der linken Szene, hieß es.

Die Beschuldigten sollen versucht haben, mit Kiezstreifen „für Ordnung“ zu sorgen. Außerdem sollen Mitglieder von „Knockout 51“ auch an Protesten gegen die Corona-Maßnahmen teilgenommen haben, um dort Gewalt zu provozieren - auch gegen Polizeibeamte. Das sei beispielsweise in in Leipzig und in Kassel geschehen.

Bei bundesweiten Razzien gegen Rechtsextreme, wie hier im „Flieder Volkshaus“ in Eisenach, gab es vier Festnahmen. 800 Polizisten sind im Einsatz.
Bei bundesweiten Razzien gegen Rechtsextreme, wie hier im „Flieder Volkshaus“ in Eisenach, gab es vier Festnahmen. 800 Polizisten sind im Einsatz. © Martin Wichmann TV/dpa

Laut Bundesanwaltschaft waren dem Einsatz Ermittlungen seit 2019 vorausgegangen, besonders gegen die „Atomwaffen Division“ (AWD), den deutschen Ableger einer in den USA gegründeten rechtsextremistischen Gruppierung. Auch die Anfang 2020 verbotene rechtsextreme Gruppierung „Combat 18“ ist nach Angaben der Bundesanwaltschaft von den Razzien betroffen.

Dabei gehe es um Verstöße gegen das Vereinigungsverbot. Laut Dr. Ines Peterson, Staatsanwältin beim Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe, handelt es sich bei den vier auf Grundlage von Haftbefehlen des Ermittlungsrichters beim Bundesgerichtshof festgenommenen Personen um deutsche Staatsangehörige

Zeitgleich mit den Festnahmen hätten richterlich angeordnete Durchsuchungsmaßnahmen in 61 Objekten begonnen. Diese Maßnahmen dauern derzeit an und finden in elf Bundesländern statt, auch in Hessen. Der örtliche Schwerpunkt liege in Thüringen, besonders in Eisenach. Die Durchsuchungen richten sich auch gegen weitere 46 Beschuldigte.

800 Polizisten bei Razzien gegen Rechtsextreme im Einsatz

Für die Festnahmen und Durchsuchungsmaßnahmen sind laut BGH über 800 Polizeibeamte des Bundeskriminalamts, der GSG9 der Bundespolizei, der Landeskriminalämter der Länder Bayern, Berlin, Baden-Württemberg, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Schleswig-Holstein und Thüringen sowie Einsatzhundertschaften aus Nordrhein-Westfalen und Bayern im Einsatz.

Die vier Festgenommenen sind laut BGH der Mitgliedschaft in einer rechtsextremistischen kriminellen Vereinigung dringend verdächtig. Ihnen wird zudem gefährliche Körperverletzung, Landfriedensbruch und tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte vorgeworfen. Andere Personen seien durch die Festgenommenen auch schwer verletzt worden.

Der in Osthessen festgenommene Bastian A. soll eine Führungsposition in der von Eisenach aus agierenden Gruppierung „Knockout 51“ bekleiden - eine „rechtsextremistische Kampfsportgruppe, die unter dem Deckmantel des gemeinsamen körperlichen Trainings junge, nationalistisch gesinnte Männer anlockt, diese bewusst mit rechtsextremem Gedankengut indoktriniert und für Straßenkämpfe ausbildet“.

Die vier Festgenommen sollen am Mittwoch oder Donnerstag dem Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof vorgeführt werden. Dieser wird ihnen den abschließenden Angaben zufolge die Haftbefehle eröffnen und über den Vollzug der Untersuchungshaft entscheiden.

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