Kinder vor der Tafel mit einer Lehrerin, die etwas an die Tafel schreibt.
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Die Kinder der 1 b werden wohl im nächsten Schuljahr getrennte Wege gehen müssen.

Kultusministerium in Wiesbaden

Schulamt besteht auf Klassen-Teilung in Burghaun - Einsatz von Eltern scheitert

  • Hartmut Zimmermann
    VonHartmut Zimmermann
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1 a, 1 b, 1 c: Mit drei ersten Klassen war die Ritter-von-Haune-Schule in das Corona- Schuljahr 20/21 gestartet. Doch weil Kinder weggezogen sind, soll nun die 1 b aufgeteilt werden. Bitten der Eltern, anders vorzugehen, weist man im Kultusministerium und im Fuldaer Schulamt zurück.

Burghaun/Fulda/Wiesbaden - Im Sommer 2020 waren die Zahlen eindeutig: 52 Erstklässler wurden eingeschult, und da die maximale Klassengröße bei 25 liegt, wurden drei Eingangsklassen gebildet. Doch inzwischen gehören noch 49 Mädchen und Jungen zu der Jahrgangsstufe, denn einige sind mit ihren Eltern weggezogen.

Daher droht der 1 b das Aus: Mit 13 Kindern ist sie die kleinste Klasse, daher sollen die Kinder auf die verbleibenden Klassen aufgeteilt werden. Gerade mit Blick auf den holprigen Schulstart in Corona-Zeiten wollten die Eltern ihren Kindern diesen harten Schritt ersparen: Gemeinsam verfassten sie einen Brief an das Kultusministerium, in dem sie darlegten, warum aus ihrer Sicht ein Beibehalten der Dreizügigkeit angesagt sei.

Hessen: Schulamt Fulda und Kultusministerium bestehen auf Klassen-Teilung

Der Schritt sei eine „Zumutung für die schulische Lernfreude der Kinder“, stellen die Eltern der 1 b dar. Die Entscheidung stehe in krassem Widerspruch zu der immer wieder getroffenen Feststellung, dass es die Kinder seien, die am meisten unter der Corona-Pandemie leiden würden und dass ihnen nun besondere Fürsorge gelten müsse. „Unsere Kinder brauchen keine Ferienkurse, kein zusätzliches Material oder eine Sozialpädagogin. Sie brauchen jetzt ganz konkret ihre Klassenlehrerin, die sie gut und zuverlässig durch diese schwierige Zeit gelotst hat und die für sie zur einzigen schulischen Bezugsperson geworden ist“, heißt es in dem Schreiben.

Die Eltern blicken mit Sorge in das kommende Schuljahr und fragen, wie dann in Klassen mit Maximalgröße Corona-Rückstände aufgeholt werden sollen und ob, wenn Kinder aus oberen Klassen wiederholen sollten, dann eine erneute Dreiteilung des Jahrgangs anstünde. Angesichts der Gelder, die für den Bildungsbereich bereitgestellt würden, sei eine Aufteilung der Klasse daher weder pädagogisch noch psychologisch zu vertreten, argumentieren die Eltern.

Eltern setzen sich für die Dreizügigkeit der ersten Klasse an Ritter-von-Haune-Schule ein

Doch das klare Nein der Eltern zur Aufteilung der 1b hat weder im Kultusministerium noch im Schulamt Fulda zu einem Sinneswandel geführt. „Es ist richtig, dass nach dem derzeitigen Stand der Schülerzahlen nur zwei Klassen in der Klassenstufe zwei zugewiesen können“, schreibt Harald Persch, der stellvertretende Leiter des Staatlichen Schulamts, in einer Mail an die Redaktion. Er beantwortete damit auf Bitten des Kultusministeriums eine entsprechende Anfrage unserer Zeitung.

Die Festlegung zu den Maximalgrößen der Klassen sei bindend, unterstreicht er. Entsprechend müsse man auch in Burghaun eine Klasse teilen. Grundsätzlich sei das eine Entscheidung „im Spannungsfeld zwischen dem vielleicht Wünschenswerten und den fiskalischen, aber auch pädagogischen Erfordernissen“.

Eltern-Reaktion

Die Eltern der 1 b reagieren mit einer kurzen Stellungnahme auf die Schulamts-Post. Wir veröffentlichen Auszüge:
„Wir sind enttäuscht über die Situation, denn gerade in der jetzigen Zeit wäre es nur von Vorteil, die Klassen nicht maximal zu füllen. Die Kinder hatten während des Homeschoolings so eine tolle Klassenlehrerin an ihrer Seite, die uns immer mit Rat und Tat zur Seite stand. Dafür hat es sich auf jeden Fall gelohnt, sich zu Wort zu melden. Es war nicht selbstverständlich mit wie viel Herzblut und Engagement wir von Frau Helmke begleitet worden sind.

Umso trauriger und enttäuscht sind wir nun, dass unsere Kinder in maximalgroßen Klassen ins neue Schuljahr starten sollen. Wie Abstände hier eingehalten oder einzelne Kinder gut gefördert werden sollen, ist uns nicht klar. Wir haben kein Verständnis dafür, dass man in Anbetracht dieses absoluten Ausnahmejahres nicht auch mal eine Ausnahme machen kann, unabhängig von Verordnungen und Verfügungen, die grundsätzlich gelten. Wir haben jetzt so lange erlebt, dass fast wöchentlich neue Verfügungen und Gesetze herauskamen, in Reaktion auf die aktuelle Situation. Warum geht das jetzt nicht?“ (zi)

Allerdings sieht Persch die Ritter-von-Haune-Schule personell gut aufgestellt, um die Kinder auch in der künftigen Konstellation gut zu fördern: Durch Maßnahmen zur Unterstützung der Integrationsarbeit und den Einsatz sozialpädagogischer Fachkräfte verfüge die Schule über eine Stellenzuweisung von 120 Prozent. Hinzu könne die Schule, wie andere auch, ein mit rund 160 Millionen Euro ausgestattetes Förderprogramm des Landes nutzen, aus dem beispielsweise Sommerferiencamps finanziert würden.

Parallel hatte Alexandra Seidel als Ansprechpartnerin für die Elternschaft der 1 b von der zuständigen Dezernentin im Staatlichen Schulamt, Marion Vancuylenburg, die Nachricht erhalten, dass die Aufteilung der Klasse nicht zu verhindern sei. (Lesen Sie hier: Distanzunterricht nach positivem Corona-Test: Zwei Klassen an Ulstertalschule in Quarantäne)

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