Als die Welt noch in Ordnung war: Bei der Skandinavischen Landpartie auf Schloss Büdingen im Jahr 2019 zeigten die Nässetaler Schwedentänze auf einer Mittsommernachtsfeier.
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Als die Welt noch in Ordnung war: Bei der Skandinavischen Landpartie auf Schloss Büdingen im Jahr 2019 zeigten die Nässetaler Schwedentänze auf einer Mittsommernachtsfeier.

Kindergruppe aufgelöst

Corona ging an die Kondition: Silgeser Volkstanzgruppe freut sich über jedes neue Mitglied

Es wird geprobt, über Schrittreihenfolgen gegrübelt und ganz viel gelacht: In den Proben der Nässetaler Volkstanzgruppe geht es immer vergnügt her und Gemeinschaft wird hier groß geschrieben.

Silges - Zuerst wird sich richtig aufgewärmt. Die Knie und Füße seien dabei besonders wichtig. „Das übernimmt Tanzleiterin Regina Balzer. Dann wird Musik aufgelegt und ab geht die wilde Fahrt“, lacht Gebhardt Vieth, ebenfalls Tanzleiter der Nässetaler. Dann werden neue Tänze ausgearbeitet, gewohnte Schritte ausgefeilt und Schrittübungen gemacht.

Was mit einer Idee begann, entwickelte sich über die Jahre zu einer erfolgsträchtigen Volkstanzgruppe. „Der Männergesangverein Rhöngruß Silges hat 1974 alles ins Rollen gebracht, denn der hat einen mehrwöchigen Volkshochschulkurs angeboten, in dem die Grundschritte traditioneller Tänze gelernt wurden“, erklärte Vieth. Seitdem trafen sich viele tanz- und bewegungsbegeisterte Menschen, ob klein oder groß, im Dorfgemeinschaftshaus in Silges (Hessen) – die Volkstanzgruppe „Die Nässetaler“ war geboren. 1976 erfolgte die Aufnahme in die Hessische Vereinigung für Tanz- und Trachtenpflege (HVT).

Hessen: Silgeser Volkstanzgruppe freut sich über jedes neue Mitglied

Da es zu dieser Zeit keine Trachtenträger gab, wurde eine einheitliche Tracht beschafft, die an die Rhöner Bauerntracht angelehnt war. „Mittlerweile haben wir historisch besser angepasste Trachten. Fundstücke oder nach alten Mustern hergestellte Schürzen und Schultertücher machen die Trachten der Frauen bunter und individueller“, erklärt Lea Gatterdam, Vorsitzende der Volkstanzgruppe. Die Männer sind nach wie vor an ihren roten Westen und Trachtenstrümpfen sowie den gestickten Hosenträgern zu erkennen.

Viele Auftritte und gemeinsame Aktivitäten prägen das Vereinsbild. „In einem normalen Jahr tanzen wir auf dem Hessentag, in Altenheimen und auf diversen Festen oder für Geburtstage von Mitgliedern. Das Schlitzerländer Trachtenfest darf auch nicht fehlen, ebenso ein Besuch auf dem Internationalen Trachtenfest oder das Treffen und Tanzen mit befreundeten Tanzgruppen“, erklärte Vieth. (Lesen Sie hier: Lateintänze auf Weltklasseniveau: Fünf Paare bezaubern bei Herbstball in Hünfeld)

Doch das kam plötzlich alles zum Erliegen. „Wir zählen zum Kontaktsport, und so durften wir uns in der ersten Pandemiewelle nicht treffen“, erinnert sich Gatterdam. Als allerdings die ersten Proben wieder angesetzt wurden, waren innerhalb von drei Wochen wieder alle im Training und alles war so, als hätte es keine Unterbrechung gegeben. „Grundschritte und Tänze wie eine Polka und einen Walzer vergisst man nicht. Auch welche Figuren in welchem Tanz an welcher Stelle kommen, hat man im Hinterkopf.“ Mit Einsetzen der Musik lege man los, ohne groß darüber nachzudenken.

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Nach der zweiten Corona-Welle fiel es den meisten freilich nicht mehr so leicht. „Die Tänze waren zwar alle im Kopf, doch konditionell konnten wir nicht, wie beim ersten Mal, an das ‚Vorher‘ anknüpfen. Es haben sich richtige Lücken aufgetan und dass wir dann noch um den Proberaum kämpfen mussten, hat es nicht erleichtert“, bedauerte Balzer. Denn die DGHs waren zu dem Zeitpunkt geschlossen.

Das Auflösen der Kindertanzgruppe sorgte zusätzlich für Wehmut. „Die Tanzleiterin ist für ihr Studium umgezogen und stand uns leider nicht mehr zur Verfügung. Wir haben alles getan, die Gruppe von 15 Kindern zu erhalten, doch es hat sich kein Trainer gefunden. Diese Aufgabe muss eben auch mit Herzblut übernommen werden“, so Vieth, der mit seinen 57 Jahren ältestes Mitglied ist.

Vieth tanzt seit seinem 13. Lebensjahr bei den Nässetalern und ist seit 21 Jahren Tanzleiter. Die jüngsten Tänzer sind unter 18. Doch von einst 16 Paaren tanzt aktuell nur noch die Hälfe. „Wir wünschen uns mehr Mitglieder und freuen uns auf jeden, der Spaß an Bewegung hat und seinen Platz in unserer geselligen Runde findet“, freut sich Gatterdam. Auch kleine körperliche Gebrechen oder fehlende Tanzerfahrung seien keine Gründe, nicht bei der Volkstanzgruppe mitzuwirken. „Keine falsche Angst haben und einfach vorbeikommen“ rät Vieth. Die Nässetaler treffen sich jeden Mittwoch um 19.30 Uhr im DGH. (von Alisa Kim Göbel)

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