Gruppenbild vor der Verlegung der Stolpersteine (von links): Thorsten Nuhn, Kurt Bolender, Timo Lübeck, Hans-Jürgen Nemluvil, Nelli Michels und Thomas Funk.
+
Gruppenbild vor der Verlegung der Stolpersteine (von links): Thorsten Nuhn, Kurt Bolender, Timo Lübeck, Hans-Jürgen Nemluvil, Nelli Michels und Thomas Funk.

In Rhina verlegt

20 Stolpersteine gegen das Vergessen - Lübeck: Zivilgesellschaft und Rechtsstaat sind gefordert

Zum zweiten Mal hat die Marktgemeinde Haunetal in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Heimatverein im Ortsteil Rhina Stolpersteine verlegt, um dem Schicksal ehemaliger jüdischer Mitbürger zu gedenken.

Rhina - Bürgermeister Timo Lübeck (CDU) erinnerte daran, dass auch Jüdinnen und Juden aus Rhina im Kreis Fulda während der Zeit des Nationalsozialismus entrechtet, verfolgt und ermordet wurden. „Sie kamen aus Familien, die hier zum Teil seit Generationen zu Hause waren. Sie hatten hier die Schule besucht und ihren Beruf ausgeübt, sie waren Teil des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens. Sie gehörten dazu, bis die Nazis die Macht übernahmen.“

Kurt Bolender vom Heimatverein Rhina, der sich seit vielen Jahren für die Erinnerung an das jüdische Leben in Rhina engagiert, hatte die biografischen Daten von 20 Opfern aus sechs Familien recherchiert. Jugendliche aus Rhina – Ina Becker, Samuel Grobek, Morris Bolender, Luka und Julius Nuhn – verlasen diese vor den jeweiligen Häusern und legten an den neu verlegten Stolpersteinen Nelken zum Gedenken ab. Die evangelischen Pfarrer Nelli Michels und Thomas Funk sprachen kurze Worte des Gedenkens und brachten ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass die Stolpersteine tatsächlich die Gedanken zum Stolpern bringen. Während der würdevollen musikalischen Darbietungen von Elena Töws (Akkordeon) und Eckhard Möbius (Geige) verlegte Heino Katzer vom gemeindlichen Bauhof die Steine, die vom Künstler Gunter Demnig gestaltet wurden.

Rhina: 20 Stolpersteine verlegt - Gedenken an ehemalige jüdische Mitbürger

Bevor die Veranstaltung bei einem Empfang im Dorfgemeinschaftshaus ausklang, mahnte Lübeck, dass Gedenken immer auch zum Nachdenken führen müsse. „Antisemitismus hat heute viele Ausprägungen. Es gibt den bekannten Antisemitismus alter und neuer Nazis, es gibt linken Antisemitismus und mittlerweile haben wir es auch zunehmend mit einem muslimischen Antisemitismus zu tun. Das ist eine gewaltige Herausforderung für die Integrationspolitik. Der schreckliche Anschlag auf die Synagoge in Halle vor zwei Jahren und der vor wenigen Tagen nur knapp vereitelte Terrorversuch auf ein jüdisches Gotteshaus in Hagen zeigen die erschreckende Aktualität.“ Dem müssten der Rechtsstaat, vor allem aber die Zivilgesellschaft, entschlossen entgegentreten, unterstrich er. (Lesen Sie auch: Erinnerung an das jüdische Leben: Ab November sollen Stolpersteine in Wüstensachsen verlegt werden)

Ihrer wird gedacht

Stolpersteine verlegt wurden zur Erinnerung an: Josef Klebe, Emanuel Oppenheim, Jette Oppenheim und Else Oppenheim (Im Unterland 9). Sally Klebe, Julchen Klebe und Rudi Klebe (Wehrdaer Str. 1). Lina Klebe, Frieda Klebe, Josef Klebe, Miriam Klebe, Senta Klebe und Herbert Klebe (Wehrdaer Str. 2). Bernhard Katz und Emma Katz (Wetzloser Str. 31). Moritz Victor und Karoline Victor (Wetzloser Str. 40). Leopold Katz, Bertha Katz und Fredy Katz (Im Oberland 1). Sie alle wurden im Jahr 1941 mit verschiedenen Transporten in von Nazideutschland besetzte Gebiete im Osten deportiert und ermordet. 

Von 1860 bis 1905 war Rhina der einzige Ort im gesamten Land Preußen, in dem die Mehrheit der Bevölkerung jüdisch war. Zum 1. März 1939 erklärten die NSDAP-Verantwortlichen Rhina für „judenfrei“. Vermutlich wurden 49 jüdische Menschen aus Rhina in der NS-Zeit ermordet. (zi)

Das könnte Sie auch interessieren