Auch bei der neuen Trasse Fulda-Gerstungen soll Bad Hersfeld über einen ICE-Halt verfügen. Dafür haben sich Kommunalpolitik und Wirtschaft starkgemacht. (Archivfoto)
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Auch bei der neuen Trasse Fulda-Gerstungen soll Bad Hersfeld über einen ICE-Halt verfügen. Dafür haben sich Kommunalpolitik und Wirtschaft stark gemacht. (Archivfoto)

Keine Unterstützung aus Burghaun

Bahntrasse Fulda-Gerstungen: Klares Votum für ICE-Halt in Bad Hersfeld

Die Frist bis zur nächsten Zusammenkunft des Beteiligungsforums für die Bahntrasse Fulda-Gerstungen am 2. Juli wird kürzer. Vertreter von Politik, Wirtschaft und Bürgerinitiativen haben sich erneut für einen ICE-Halt in Bad Hersfeld stark gemacht und eine gemeinsame Erklärung verabschiedet.

Bad Hersfeld - Bei einer Veranstaltung im „wortreich“, die der Sprecher der Bürgermeister des Kreises, Harald Preßmann aus Hauneck, und der Sprecher des Aktivbündnisses Waldhessen Paul Niewerth organisiert haben, wurde die Bedeutung des ICE-Bahnhofs für die ganze Region unterstrichen. Parallel betonen aber auch Bebra und seine Nachbarkommunen, dass sie eine neue Trasse über den traditionsreichen Bahnknotenpunkt Bebra befürworten.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Roth warb um Vertrauen zur Bahn und dem Beteiligungsforum, das ernstzunehmen sei und dem man nicht vorgreifen sollte. Klar sei aber, „dass die neue Bahntrasse Fulda-Gerstungen einen Mehrwert für die Region haben muss“. Mit Blick auf lange Planungsprozesse sagte Roth: „Wir müssen auf die Tube drücken“. Er sprach sich für den Fortbestand des ICE-Halts in Bad Hersfeld aus, zeigte aber auch Verständnis für den Nordkreis, der angesichts der langen Bahntradition von Bebra, einen ICE-Halt dort favorisiert. Roth äußerte jedoch auch die Befürchtung, dass eine Streckenführung über Bebra nicht den gewünschten Zeitgewinn für die Bahn bringen würde.

Hessen: Bei Bahntrasse Fulda-Gerstungen gibt es klares Votum für ICE-Halt in Bad Hersfeld

Roth unterstrich, dass der neue „Deutschlandtakt“ der Bahn künftig eine stündliche statt der bisher zweistündigen ICE-Anbindung bringen würde – eine deutliche Verbesserung für die Region. Zudem machte Roth deutlich, dass die Arbeit von K+S im Werratal durch den Verlauf der neuen Schnellbahnstrecke nicht gefährdet werden dürfe.

Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling warb nicht nur für den ICE-Halt, sondern auch für die sogenannte Hersfeld-Variante der Bahntrasse, die von Langenschwarz weitestgehend in Tunneln im Höhenzug zwischen den Tälern von Haune und Fulda über Bad Hersfeld nach Gerstungen geführt würde. Diese Streckenführung sei schneller umsetzbar und weniger risikobehaftet, was etwaige Mehrkosten kompensieren würde. „Die Bahn ist in Bad Hersfeld willkommen“, sagte Fehling.

Im Hersfelder Kreisteil herrscht große Einigkeit, dass auch in Zukunft die Intercity-Züge in Bad Hersfeld halten sollen. So steht es auch in einer gemeinsamen Erklärung von Bürgermeistern, Politikern und Wirtschaftsvertretern, die an die DB Netz AG und die verantwortlichen Entscheider für das Trassenbauprojekt Fulda-Gerstungen in Bund und Land adressiert ist.

Bahntrasse Fulda-Gerstungen: Zur Trassenführung ins Werratal gibt es noch offene Fragen

Obwohl Fehling intensiv für die sogenannte Hersfeld-Variante geworben hatte, wollten sich die Teilnehmer der Veranstaltung im „wortreich“ noch nicht auf diese Variante festlegen. Während der Verlauf bis Bad Hersfeld recht klar sei, gebe es speziell zur Trassenführung ins Werratal noch offene Fragen – so etwa bei K+S mit den bekannten Raumwiderständen und geologischen Besonderheiten. Gleichwohl sei die neue Trasse eine Chance für die Region wie Werksleiter Martin Ebeling und Betriebsratschef André Bahn betonten.

Keine Unterstützung aus Burghaun

Im Rathaus von Burghaun findet die Hersfeld-Anbindung keine Unterstützung: Bürgermeister Dieter Hornung bekräftigte seine Haltung, dass man seitens Burghauns eine weiter nördlich von der bisherigen Schnellbahntrasse abzweigende Streckenvariante wünsche. Die Burghauner begründen diese damit, dass die an vielen Verkehrs- und Infrastruktur-Achsen gelegene Kommune von vielen Projekten betroffen sei, ohne unmittelbar Nutzen daraus ziehen zu können. Hornung macht sich für Burghaun dafür stark, eine Koordinierungsstelle einzurichten, um zu verhindern, dass einzelne Regionen über das Maß hinaus belastet würden.

Unabhängig davon, so Hornung, sei die Bebra-Strecke die bedeutend wirtschaftlichere. Die Planer müssten auch volkswirtschaftlichen Mehrwert mit den Kosten gegenrechnen, die etwa ein zehn Kilometer langer Tunnel verursache, so der Bürgermeister. „Wenn man dies mit der gebotenen Sorgfalt macht, kann nur die Bebra-Strecke als Ergebnis feststehen, zumal darüber hinaus volkswirtschaftlich völlig andere Wachstumsmöglichkeiten für Bebra und Rotenburg daraus resultieren“ argumentiert Hornung. (zi)

Außerdem könnte auf eine Variante eine Vorfestlegung am Beteiligungsforum der Bahn vorbei rechtlich anfechtbar sein, warnte Ludwigsaus Altbürgermeister Thomas Baumann, der als Mitglied des Kreisausschusses den Landrat vertrat. „Es gibt einen Halt in Bad Hersfeld, und den wollen wir behalten. Wie der Zug dahin kommt, ist eine andere Frage“, sagte er. Friedewalds Bürgermeister Dirk Noll und die Grüne Landtagsabgeordnete Kaya Kinkel wollten sich ebenfalls noch nicht auf eine Trassenvariante festlegen. Kinkel sagte, die Streckenführung in Richtung Osten sei noch nicht ausreichend diskutiert. Für die BI Wehrda in Haunetal sprach sich Heinz Billing für die Hersfeld-Variante aus. Er fürchtet aber, dass andere Varianten auch noch „heiß sind“. Die BI wendet sich gegen eine mögliche Streckenführung durch das „Wehrdaer Moor“.

Jetzt soll zunächst das Beteiligungsforum der Bahn am 2. Juli abgewartet werden. Mit Vorschlägen der Bahn für mögliche Trassenkorridore wird ohnehin erst nach der Bundestagswahl gerechnet. (Von Kai Strutthof)

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