Zwei Wölfe stehen gemeinsam im Wald.
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Erstmals sind in Hessen zwei Wölfe gleichzeitig nachgewiesen worden. (Symbolfoto)

Es könnte ein Paar sein

Wölfe in Hessen: Erstmals sind bei Ludwigsau zwei Tiere zusammen gesichtet worden

  • Sabine Kohl
    vonSabine Kohl
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Erstmals seit der Rückkehr der Wölfe nach Hessen sind zwei Tiere gleichzeitig gesichtet worden. Eine Wildkamera hat die beiden Wölfe aufgenommen. Um welche Tiere es sich bei dem Paar handelt, lässt sich laut des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) noch nicht sagen.

Ludwigsau - Die beiden Wölfe sind der Wildkamera vor die Linse gekommen, als sie sich gemeinsam an einem Rotwildkadaver satt gefressen haben. Aufgenommen wurden die Bilder bereits am 24. Februar in der Gemeinde Ludwigsau im Kreis Hersfeld-Rotenburg im östlichen Hessen. Wie das Landesamt in einer Pressekonferenz mitteilte, sei das Foto der Kamerafalle sowie weiteres Bildmaterial den Mitarbeitern des HLNUG zur Auswertung vorgelegt worden.

Um welche beiden Individuen es sich bei den Tieren genau handelt, könne anhand des Fotos nicht festgestellt werden, hieß es. Zwar sei es möglich, dass es sich um ein Paar aus der in Osthessen sesshaft gewordenen „Stölzinger Wölfin“ GW1409f sowie dem im Dezember in der Region genetisch nachgewiesenen Rüden GW1939m handele, doch lasse sich dies zum jetzigen Zeitpunkt nicht mit Sicherheit sagen

Wölfe in Hessen gesichtet: Bei den beiden kann es sich um ein Paar handeln

Der Rotwildkadaver, an dem die beiden Tiere fotografiert worden seien, sei im Auftrag des HLNUG umgehend von einem ehrenamtlichen Wolfsberater untersucht worden. Da der Kadaver zwischenzeitlich allerdings starkem Niederschlag ausgesetzt gewesen sei, sei unklar, ob die genetische Analyse weitere Informationen, etwa zur Identität der Wölfe, liefern könne.

Nur einen Tag später will auch ein Autofahrer, der auf der Landesstraße 3254 unterhalb von Schloss Ludwigseck in der Gemeinde Ludwigsau unterwegs war, die Tiere gesehen haben. Sie sollen gemeinsam ein Reh über die Landstraße gejagt haben. „Diese Information haben wir auch erhalten, es fehlt aber ein Fotonachweis oder ein genetischer Beleg“, sagt Franziska Vogt, Pressesprecherin des HLNUG auf Nachfrage.

Wolf-Nachwuchs im Mai ist möglich

Sollte es sich bei den beiden Wölfen tatsächlich um ein Paar handeln, kann es gut sein, dass im Mai in Nordhessen mit Wolfsnachwuchs zu rechnen ist. Paarungszeit für Wölfe ist in der Zeit von Januar bis März, im Mai kommen dann bis zu einem Dutzend Welpen zur Welt. „ Das ist aber derzeit alles Spekulation“, betont Franziska Vogt. „Wir wissen ja noch nicht einmal sicher, ob es sich wirklich um die vermuteten Tiere handelt und falls ja, ob sie auch zusammen bleiben.“

Das Territorium der „Stölzinger Wölfin“ sei mehrere 100 Quadratkilometer groß, so Vogt. Da könne man nicht einfach nachschauen, was die Wölfe so machen. Man müsse sich auf zufällige Beobachtungen oder Entdeckungen von Spuren an zum Beispiel Wildkadavern verlassen.

Nordhessen bietet guten Lebensraum für Wölfe

Die „Stölzinger Wölfin“ ist eine von zwei Wölfinnen, die seit dem Frühjahr 2020 in Hessen sesshaft sind. Im März 2020 berichtete Hessens Umweltministerin Priska Hinz von einer Wölfin, die im Vogelsberg heimisch geworden war. Als standorttreu gelten Wölfe, wenn sie mindestens ein halbes Jahr immer wieder in einer Region gesichtet werden. Laut HLNUG war die Wölfin in der Nähe von Ulrichstein mehrfach genetisch nachgewiesen worden. Die „Ulrichsteiner Wölfin“ trägt das Kürzel GW1166f.

Video: Lebensraum, Beute, Gesetze - Das sollten sie über Wölfe wissen

Große Teile Nordhessens eignen sich gut als Lebensraum für Wolfsrudel. Zu diesem Ergebnis kam im Mai 2020 eine vom Bundesamt für Naturschutz in Auftrag gegebene Studie. Dazu gehört das Stölzinger Gebirge, in dem sich die jetzt mit einem zweiten Wolf gesichtete Wölfin niedergelassen hat. Ebenso eignen sich wie der Reinhardswald und weite Teile von Waldeck-Frankenberg. Sie sind in der Studie mit der höchsten Eignungsstufe für den Wolf beurteilt worden.

Eine Identifizierung eines ganz bestimmten Wolfs, ist nur über die Auswertung von vorhandenem Genmaterial möglich. Die Abkürzungen wie etwa GW1166f sind Laborkürzel und stehen für: Genetic Wolf (GW), die Labornummer des Tieres sowie das Geschlecht, f für weiblich (englisch: female) und m für männlich (englisch: male).

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