Eine Collage aus einem Wolf und einer Wiese, auf der ein totes Kalb gefunden wurde.
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Auf dieser Wiese bei Buchenau ereignete sich der Vorfall. Ob ein Wolf das Kalb gerissen hat, wird jetzt untersucht.

Tiere jetzt im Stall

Totes Kalb bei Buchenau: Besitzer findet nur noch Skelett - Wolfsexperten vor Ort

  • Harry Wagner
    VonHarry Wagner
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Für Stefan Kohlmann war es ein schreckliches Bild: Auf einer Wiese beim Eiterfelder Ortsteil Buchenau, auf dem der Landwirt seine Kühe weiden lässt, lag ein totes, neugeborenes Kälbchen – womöglich gerissen von einem Tier.

Buchenau - Kohlmann und seine Lebensgefährtin Nina Gilbert züchten Limousin-Rinder, eine aus Frankreich stammende Rasse. Etwa 20 Tiere grasen dort, wo sich nun der Vorfall ereignet hat. „Wir haben es nachts mal blöken hören, uns aber nichts dabei gedacht, weil das immer mal passiert, wenn es Junge gibt“, erzählt Nina Gilbert.

Ihr Partner bemerkte dann am Donnerstagvormittag, weshalb es in der Nacht zuvor Unruhe in der Herde gegeben hatte: Von einem Jungtier, nur wenige Stunden alt, fand er im Gras lediglich noch das Skelett. Neugeborene Kälber legen sich offenbar gerne ein wenig abseits des Muttertiers ab und beschwören so Gefahr herauf. Ausgewachsene Limousin-Rinder gelten unterdessen als ausgesprochen wehrhaft.

Hessen: Totes Kalb entdeckt - Hat ein Wolf das Tier gerissen?

Wem das Kalb zum Opfer gefallen ist, muss noch geklärt werden. Ob es beispielsweise ein Wolf war, müssen die Experten im Wolfzentrum des Hessischen Landesamtes für Natur, Umwelt und Geologie (HLNUG) herausfinden. Die Behörde wurde informiert, um einen Rissgutachter zu entsenden, der den Kadaver auf DNA-Spuren untersuchen muss. Dieser sollte gestern am frühen Donnerstagabend im Kreis Fulda eintreffen.

Wie Franz Giebel, Leiter des Hauptamts der Marktgemeinde Eiterfeld, erklärt, soll es im Juni des Jahres 2019 ganz in der Nähe des Ortes, wo jetzt das tote Kalb gefunden wurde, eine Wolfsichtung gegeben haben. Eine Spaziergängerin, die mit ihrem Hund in der Nähe des Bergwerks Buchenau unterwegs war, will zwei Tiere gesehen haben, die in ihre Richtung geblickt hätten.

Dass derzeit ein Wolf durch die Gemeinde streifen könnte, will Giebel zumindest nicht ausschließen: „Es gibt aktuell eine Sichtung von Wölfen in der Gemeinde Ludwigsau im Kreis Hersfeld-Rotenburg. Und man weiß ja, dass Wölfe ein Einzugsgebiet von 350 Quadratkilometern haben.“

Im November 2019 wurde auf dem Zintl-Hof in Leibolz ein Nandu getötet. Auch hier war der Wolf in Verdacht geraten, doch DNA-Untersuchungen an dem südamerikanischen Laufvogel hatten schließlich ergeben, dass er einem Fuchs zum Opfer gefallen war.

Video: Erstmals Nachwuchs bei hessischen Wölfen

Füt Stefan Kohlmann, der am Donnerstag noch auf der Suche nach einem zweiten, verschwundenen Kälbchen war, und seine Lebensgefährtin ergibt sich aus dem Vorfall nun die Konsequenz, dass die freilaufenden Rinder von der Buchenauer Weide zurück in den Stall geholt werden. „Das ist natürlich keine Lösung auf Dauer, denn unsere Tiere sollen möglichst draußen sein. Aber momentan ist die Angst einfach zu groß“, sagt Nina Gilbert.

Schließlich habe derjenige, der hier Beute gemacht hat, registriert, dass es eventuell noch mehr zu holen gibt.

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