Ministerpräsident Volker Bouffier ehrte am Mittwoch Berthold Jost (mittig) und Eberhard Fennel (rechts).
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Ministerpräsident Volker Bouffier ehrte am Mittwoch Berthold Jost (mittig) und Eberhard Fennel (rechts).

Roland Koch nimmt an Ehrung teil

Hessischer Verdienstorden für Alt-Bürgermeister: Bouffier ehrt Eberhard Fennel und Berthold Jost

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Große Ehre für Dr. Eberhard Fennel und Berthold Jost: Die Alt-Bürgermeister von Hünfeld sowie von Rasdorf und Eiterfeld haben am Mittwoch den Hessischen Verdienstorden erhalten. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) würdigte die beiden mit der hohen Landesauszeichnung im Wiesbadener Schloss Biebrich.

Wiesbaden - Die Verleihung fand in feierlichem Rahmen in der pompösen Rotunde des Schlosses unter Einhaltung der Coronaregeln und daher mit weniger Gästen als üblich statt. Dennoch hatte Eberhard Fennel Angehörige, darunter die drei kleinen Enkel, mitgebracht. Und auch ein weiterer hoher Zuhörer war zugegen, den sowohl Fennel als auch Jost noch gut aus ihrer aktiven Zeit kennen dürften: der frühere Ministerpräsident Roland Koch (CDU).

Zwischen den beiden Alt-Bürgermeistern: Ex-Ministerpräsident Roland Koch (mittig)

In sehr persönlichen und launigen Worten wandte sich Volker Bouffier an die zwei Ordensträger: „Hünfeld ist Ihr Schicksal, Ihre Heimat“, sagte er zu Fennel und erinnerte an einige gemeinsame Erlebnisse. So seien beide vor vielen Jahren bei einer Feuerwehrübung im Hünfelder Rathaus in schwindelerregender Höhe und mit schlotternden Knien über eine Drehleiter „gerettet“ worden. Bouffier zählte aber auch besondere Wegmarken in Fennels Zeit auf, etwa die Entstehung der ersten teilprivatisierten Justizvollzugsanstalt Deutschlands in Hünfeld: „Damals haben Sie Mut und Rückgrat bewiesen.“

Lob von Bouffier für Fennel und Jost: Großer Einsatz der früheren Hünfelder Bürgermeister

Fennel sei stets nicht nur sehr einsatzfreudig, sondern auch streitbar gewesen: „Sie haben nie gezögert, Position zu beziehen.“ Die Verbindung zum Land Hessen habe er intensiv genutzt: „Ich habe selten jemanden erlebt, der so fachkundig und beharrlich für die Verteidigung der kommunalen Selbstverwaltung eingetreten ist.“ Bouffier erinnert auch an zahlreiche weitere Verdienste des 71-Jährigen, darunter seine bislang 39 Jahre währende Tätigkeit als Präsident des DKR-Kreisverbands Hünfeld. Zuletzt habe er als ehrenamtlicher Geschäftsführer für die Point Alpha Stiftung Verantwortung übernommen: „Das war ein unglaublicher Einsatz mit außerordentlichen Herausforderungen.“

Der frühere Ministerpräsident Roland Koch (links) und der aktuelle Ministerpräsident Volker Bouffier (rechts) gehörten zu den Gratulanten.

Die Aufgabe bei der Stiftung hatte Fennel vor mehr als zwei Jahren gemeinsam mit einem weiteren Geehrten des Tages, mit Berthold Jost, übernommen. Der Ministerpräsident zeigte sich sicher: „Ohne Sie beide gäbe es Point Alpha nicht mehr so, wie wir es kennen.“ Jost habe bereits bei der Gründung des Fördervereins für die Gedenkstätte mitgewirkt, blickte Bouffier zurück und lobte: „Sie haben stets Leidenschaft für die Sache, Erfahrung, Kompetenz und Hilfsbereitschaft bewiesen.“

Zur Person

Eberhard Fennel

Der 71-Jährige war 36 Jahre lang, von 1978 bis 2014, Bürgermeister von Hünfeld. Besondere Erfolge waren etwa der Erhalt des Bundespolizeistandorts, der Neubau des Krankenhauses und der Bau der JVA. Nach Eintritt in den Ruhestand endete Fennels Engagement für Stadt und Land nicht: Er ist Mitglied in zahlreichen Verbänden und Vereinen, unter anderem ist er Präsident des DRK-Kreisverbands Hünfeld. 2018 hatte er sich von der Point Alpha Stiftung in die Pflicht nehmen lassen und war dort als ehrenamtlicher Geschäftsführer tätig.

Berthold Jost

Im Alter von 25 Jahren wurde Jost 1973 jüngster Bürgermeister in der Bundesrepublik. Der gebürtige Soisdorfer war 21 Jahre lang Rathauschef in Rasdorf und erlebte hier die intensive Zeit der Wende mit. Danach war er sechs Jahre Bürgermeister von Eiterfeld. Jost gründete den Förderverein Point Alpha mit und begann wie Fennel 2018 seine Arbeit als ehrenamtlicher Geschäftsführer auf Point Alpha, die er bis heute weiterführt. Lange Jahre war er zudem Landesgeschäftsführer der Mittelstandsvereinigung.

Bouffier: Nach dem Mauerfall zur Gemeinschaftsbildung beigetragen

Auch bei Jost wählte der hessische Landesvater sehr persönliche Worte. Er erinnerte etwa an die gemeinsame Zeit in der Jungen Union und daran, als JU-Mitglieder am Point Alpha ein Birkenkreuz in Gedenken an eine Flucht aus der DDR aufgestellt haben. Dass Jost 1973 schließlich in Rasdorf jüngster Bürgermeister Deutschlands geworden sei, habe die Junge Union mit viel Stolz erfüllt. Als Gemeindeoberhaupt habe er sich immer besonders darum bemüht, allen das Leben an der ehemaligen Zonenrandgrenze zu erleichtern. Jost habe nach dem Mauerfall dazu beigetragen, dass sich zwischen Ost und West eine Gemeinschaft entwickelt habe „und dass beide Teile Deutschlands eine Einheit wurden“. Zudem erwähnte der Ministerpräsident Josts langjährige Tätigkeit als Landesgeschäftsführer der Mittelstandsvereinigung.

Ministerpräsident Volker Bouffier fand gab den Festreden eine persönliche Note.

Sowohl Jost als auch Fennel – und ebenso die frühere Kultusministerin Karin Wolff (CDU), die ebenfalls mit dem Verdienstorden geehrt wurde – seien „Vorbilder für eine Gesellschaft, von der wir spüren, dass sie auseinandergeht“, sagte Bouffier und ergänzte: „Genau solche Vorbilder brauchen wir heute.“

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