Zum letzten Mal bereitet Marita Ritz eine Currywurst mit ihrer Spezialsoße für einen Stammkunden im Grilltreff vor.
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Zum letzten Mal bereitet Marita Ritz eine Currywurst mit ihrer Spezialsoße für einen Stammkunden im Grilltreff vor.

Nach 21 Jahren

Der „Renner“ war die Currywurst - Marita Ritz schließt ihren „Grilltreff“

„Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist“ – Getreu diesem Motto hört Marita Ritz, die gute Seele des Grilltreffs Hünfeld auf dem Parkplatz des Siebert Baumarktes, nun auf.

Hünfeld - Angela Merkel, Claus Kleber und nun Marita Ritz: Großartige Menschen legen in diesem Jahr ihre Arbeit nieder. Und für ihre Kunden darf Marita mit genau diesen Größen aufgezählt werden. Denn für sie ist die 61-jährige Besitzerin des Grilltreffs Hünfeld in Hessen eine wahre Frohnatur, die sie nach 21 Jahren nun an ihren wohlverdienten Ruhestand „verlieren“.

„Ich habe in den 21 Jahren nicht einen Tag an der Arbeit gefehlt, nicht einmal wegen Krankheit – abgesehen von meinem allerersten Arbeitstag am 1. Juni 2000“, erzählte Marita Ritz. Den Imbiss hatte sie von ihrer Schwester gekauft und kurz vor ihrem Debüt eine Pilgerfahrt nach Belgien gemacht.

„Um die Aufgabe, die auf mich zukommt, gut meistern zu können. Dass mich die Kunden gut annehmen und ich Erfolg damit habe.“ Ob es an der Pilgerfahrt lag, oder ganz einfach an Marita selbst: Mit ihr am Grill wurde der Imbiss ein Erfolg – nur durch die Mundpropaganda ihrer treuen Kunden. „Ich habe keinen Kunden, bei dem ich mir gedacht habe, den möchte ich lieber nur von hinten sehen und das Vertrauen untereinander wurde nie missbraucht.“ (Lesen Sie auch hier: Nach 88 Jahren ist Schluss: Hünfelds letzte Backstube macht dicht)

Hessen: Marita Ritz schließt ihren „Grilltreff“ in Hünfeld nach 21 Jahren

Bis auf die Zeit während der Corona-Pandemie hatte Marita ihren Grilltreff das gesamte Jahr über geöffnet. Nur von Weihnachten bis ins neue Jahr hinein hatte Marita Urlaub. Von montags bis freitags hat sie von zehn bis 18 Uhr Würstchen und Steaks gegrillt, Kaffee gekocht. „Wir haben hier schöne Weihnachtsfeiern gehalten oder im Sommer bis in den Abend zusammengesessen und ganz viel gelacht.“

Seit fünf Jahren ist der Mittwoch zum Ruhetag geworden. „Das bedeutet aber nicht, dass ich dann frei hatte. Mittwochs ist Groma-Tag, da wird eingekauft, da werden Bestellungen und allerlei Termine erledigt wie Steuerbüro, Arzt und Friseur. Da blieb keine Zeit zum Ausruhen.“

Der „Renner“ war die Currywurst, für die Marita eine Soße individuell verfeinerte, dicht gefolgt von den Steaks mit selbst zubereiteten Zwiebeln und dem eigens hergestellten Tsatsiki. Es kam auch vor, dass Mütter mit großen Schüsseln vorbeikamen, um für einen Kindergeburtstag Maritas leckere Pommes abzuholen.

„Grilltreff“ schließt - Nachricht überrascht die Stammkunden

„Auch Schüler, die damals zur Musikschule gegenüber gegangen sind, kommen heute noch vorbei. Mit dem Auto“, lacht Marita. Sie hat viele Kinder aufwachsen sehen, kennt Familiengeschichten und weiß, bei wem der Schuh drückt. Sie freut und leidet mit ihren Gästen mit und nimmt Anteil am Leben der Anderen.

Für viele ihrer Stammkunden kam die Nachricht von der Schließung zum Jahresende plötzlich. „Die Entscheidung fiel vor sechs Wochen. Ich wusste in diesem Sommer noch nicht, dass das mein letztes Jahr sein wird.“

Durch die vielen neuen Regeln und Auflagen, die sich ständig für sie selbst und ihre Kunden änderten, machte es ihr einfach nicht mehr so viel Spaß. „Und wann ist schon ein guter Zeitpunkt zum Aufhören? Wenn ich aus gesundheitlichen Gründen muss? Das wäre kein schönes Ende“, findet sie.

Marita Ritz hört nach 21 Jahren auf - Nachfolgerin bereits gefunden

„Ich möchte noch ein paar schöne Jahre verleben können, doch was Freizeit bedeutet, muss ich jetzt erst lernen“, lacht sie. Sie freut sich auf Zeit, die sie in ihrem großen Garten verbringen kann, auf neue Hobbys und auf ein E-Bike. „Und viel Besuch“, ergänzt ein Kunde, während er seine letzte Currywurst bestellt.

Denn der Grilltreff ist für viele eine zweite Familie geworden und aus dieser Familie erwartete Marita zu Hause viel Besuch. „Ich habe so tolle Kunden, die sind für mich sogar nach Mackenzell gefahren, um Würstchen zu holen, wenn ich hier keine mehr hatte“, erinnert sie sich.

Aus dem Stand aufhören wird sie aber nicht: „Es gibt eine Nachfolgerin aus Fulda, die selbst schon einen Imbiss hat. Die werde ich in der ersten Zeit unterstützen und ich hoffe, dass meine Kundschaft ihr auch die Treue hält.“ (Von Alisa Kim Göbel)

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