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Spuckattacke, Prügelei und Beleidigungen: 26-Jähriger nach Vorfällen in Hünfelder JVA verurteilt

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Auf einem Innenhof der JVA Hünfeld soll der Angeklagte einen Mithäftling mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben.
Auf einem Innenhof der JVA Hünfeld soll der Angeklagte einen Mithäftling mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. (Archivfoto) © Karl-Heinz Burkhardt

Am Hünfelder Amtsgericht musste sich am Dienstag ein 26-Jähriger wegen Körperverletzung, Beleidigung in drei Fällen und versuchter Nötigung verantworten.

Hünfeld - Die Taten ereigneten sich im Juli und August des vergangenen Jahres, während der aus Fritzlar stammende Angeklagter in der Justizvollzugsanstalt Hünfeld einsaß. Mittlerweile sitzt er in Kassel in U-Haft.

Zunächst soll es Anfang Juli 2021 im Innenhof der JVA Hünfeld während einer Freistunde der Häftlinge zu einer körperlichen Auseinandersetzung mit einem Mitgefangenen gekommen sein. Bei diesem soll der 26-Jährige dem anderen mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben.

Hünfeld: 26-Jähriger nach Vorfällen in JVA zu sieben Monaten verurteilt

Ein Mitinsasse des Angeklagten, der vor Gericht als Zeuge geladen war, verweigerte nachträglich seine Aussage und zog seine bisherige zurück. „Ich soll hier die Wahrheit sagen. Wenn ich das tue, mache ich mich selbst strafbar“, sagte er gestern. (Lesen Sie hier: Geburtstagsparty artet in brutale Schlägerei aus - Trotzdem Freisprüche)

Ein Hünfelder Justizvollzugsbeamter sagte vor Gericht aus, er habe am Tag nach der Tat den mutmaßlichen Täter bei seiner Einzelfreistunde begleitet und auf den Vorfall angesprochen. „Er hat es zugegeben und damit begründet, dass er sich provoziert gefühlt hat“, so der Beamte. So habe sich der Geschädigte an sein Genital gefasst und dem Angeklagten den Weg versperrt. „Das kann man nicht durchgehen lassen“, zitierte der JVA-Beamte den Angeklagten. Ein vor Gericht gezeigtes Video der Überwachungskamera hatte das Geschehen im Innenhof deutlich aufgezeigt.

Am 21. Juli 2021 sei es zudem zu mehreren Fällen der Beleidigung durch den Angeklagten gekommen: Zunächst wurde der in einer Sicherheitszelle mit doppelter Tür Verschlossene von mehreren Beamten und einer Psychologin aufgesucht. Diese bot ihm ein Gespräch an, das er ablehnte. Schließlich legten ihm die Beamten eine Einkaufsbestellliste vor, die der Angeklagte mit den Worten „Schieb sie dir in den Arsch“ kommentierte.

Wenig später griff der 26-Jährige zur Rufanlage, die direkt zum Stationsbüro führt und sagte: „Schick die Schlampe noch mal rein.“ Im Laufe des Tages soll es noch zu weiteren solcher Äußerungen durch den Angeklagten gekommen sein, berichteten JVA-Beamte vor Gericht.

Körperverletzung, Beleidigung und versuchte Nötigung

Der fünfte Tatbestand der Anklage ereignete sich am 9. August des vergangenen Jahres. Beamte hatten den 26-Jährigen in seiner Zelle aufgesucht, da eine Unruhe bemerkt wurde. Der Angeklagte verhielt sich ungehalten, sagte ein Beamter, der das Geschehen per Funk verfolgt hatte, aus. Im Verlauf sei es zu einer Spuckattacke seitens des 26-Jährigen gekommen.

Wenig später verlangte er per Rufanlage seine tägliche Abendmedikation, die eine Krankenschwester in Begleitung von Beamten durch die Essensluke reichen wollte. Der Angeklagte stand nur in Unterhose bekleidet davor und beugte sich mit dem Oberkörper durch das kleine Fenster, schrie und spuckte. In der Folge wurde er von den Beamten in einen besonders gesicherten Haftraum gebracht.

Der 26-Jährige verweigerte vor Gericht jegliche Aussage. Lediglich zu seinem persönlichen Werdegang äußerte er sich. So habe er bereits mit elf Jahren angefangen, Cannabis zu rauchen, später folgten „härtere Drogen“ und ein erhöhter Alkoholkonsum. Sein Vorstrafenregister war ebenfalls bereits gefüllt: gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung, Computerbetrug und Bedrohung.

Ein psychologisches Gutachten aus dem vergangenen Jahr stellte außerdem eine verminderte Schuldfähigkeit in den Raum; es diagnostizierte eine „dissoziale Persönlichkeitsstörung mit einer niedrigen Hemmschwelle zur Gewaltbereitschaft“. „Für mich hat sich der Verdacht der einzelnen Tatbestände durch die Beweisaufnahme und Zeugenaussagen bestätigt“, erklärte Staatsanwältin Reinhard zu Beginn ihres Abschlussplädoyers. So forderte sie eine Gesamtstrafe von acht Monaten.

Angeklagter zu sieben Monaten Freiheitsstrafe verurteilt

Verteidiger Helfried Molthäufl verlangte derweil lediglich eine Geldstrafe für seinen Mandanten: „Der Zeuge, der bei der Auseinandersetzung dabei war und konkrete Aussagen machen könnte, verweigerte diese nachträglich, weil er sich nach eigener Aussage selbst strafbar machen würde. Das sollte uns zu denken geben.“ So blieben seiner Ansicht nach zentrale Fragen ungeklärt. Auch in Bezug auf die anderen Anklagepunkte sei das Verschulden seines Mandanten nicht klar beweisbar und ihm lediglich die Beleidigung zur Last zu legen.

Richter Marc Sattler sah den Sachverhalt der vorsätzlichen Körperverletzung, Beleidigung und Nötigung als gegeben und verurteilte den Angeklagten zu sieben Monaten Freiheitsstrafe. „Eine verminderte Schuldfähigkeit ist nicht auszuschließen“, erklärte er in seiner Urteilsbegründung.

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