Donnerstag, 21. Januar, um 11 Uhr beim Rathausplatz in Hünfeld: Niemand befindet sich auf der Straße. Wären nicht etliche Handwerker im und ums Rathaus beschäftigt gewesen, die City hätte fast den Eindruck einer „Geisterstadt“ erweckt.
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Donnerstag, 21. Januar, um 11 Uhr beim Rathausplatz in Hünfeld: Niemand befindet sich auf der Straße. Wären nicht etliche Handwerker im und ums Rathaus beschäftigt gewesen, die City hätte fast den Eindruck einer „Geisterstadt“ erweckt.

Aus der Not eine Tugend machen?

Hünfelder Innenstadt durch Corona-Lockdown wie ausgestorben - City Marketing: „Einzelhandel leidet enorm“

  • Harry Wagner
    vonHarry Wagner
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Der Corona-Lockdown ist verlängert bis Mitte Februar, und das bedeutet auch für den Einzelhandel in der Innenstadt von Hünfeld: Mindestens in den kommenden drei Wochen bleiben die Geschäfte geschlossen. Die Stimmung ist im Sinkflug.

Hünfeld - „Der stationäre Einzelhandel leidet enorm“, weiß Isabel Heller, Geschäftsführerin des Hünfelder City Marketing, das davon berichtet, dass versprochene Corona-Hilfen zu spät kommen und die Anträge zu bürokratisch seien. Rund 40 Geschäfte haben sich in der Innenstadt angesiedelt, die mit Ausnahme von wenigen Läden des täglichen Bedarfs – wie etwa Apotheken und Bäckereien – seit 15. Dezember keine Kunden mehr in ihren Verkaufsräumen empfangen dürfen.

Hünfeld: Innenstadt durch Corona-Lockdown wie ausgestorben - „Der Einzelhandel leidet enorm“

In der Haunestadt wurde, wie bereits anderswo, aus dieser Not eine Tugend entwickelt, indem einige Geschäfte mit den entsprechenden Angeboten (Auswahl telefonisch oder online, Abholung vor dem Geschäft, Lieferung) den Menschen dennoch die Möglichkeiten geben, etwas aus ihrem Warensortiment zu erwerben – kontaktlos eben. Viele Geschäfte haben diesen Service auch in ihren Schaufenstern kenntlich gemacht. „Wer in den Bücherläden unserer Stadt telefonisch etwas bestellt, für den geht das genauso schnell als würde er bei Amazon kaufen“, betont Isabel Heller. Unter anderem auf der Facebookseite des City Marketing hätten die Mitglieder die entsprechenden Service-Informationen hinterlegt.

Die Einzelhändler in Hünfeld seien frustiert, hat Heller beobachtet: „Sie haben ein umfangreiches und lückenloses Hygienekonzept vorgelegt, aber das alles hat ihnen nichts gebracht“. Auch die potenziellen Kunden verhielten sich sehr verantwortungsbewusst: „Viele Menschen sieht man in der Öffentlichkeit mit einer FFP-2-Maske.“

Es sei jetzt wichtig, dass die enorme Flexibilität, die die Händler an den Tag legten, auch von der Kundschaft honoriert werde. Wie lange der Einzelhandel unter diesen Bedingungen noch durchhalten muss, könne schließlich niemand wissen.

Für das „Schmuckatelier am Rathaus“ war der neuerliche Lockdown besonders niederschmetternd. Als frühere Angestellte hatten sich Claudia Herget und Heidrun Giebel mit dem ehemaligen Schmuckgeschäft Sedelmayr selbstständig gemacht. Im Dezember 2020 erfolgte die Neueröffnung. „Doch nach drei Tagen mussten wir bereits wieder schließen“, betonen die beiden Inhaberinnen. Die Corona-Hilfe für Selbstständige kommt bei den beiden Frauen nicht an, denn es kann natürlich weder für November 2020 noch für Dezember 2020 vergleichende Umsatzzahlen aus dem Vorjahr geben.

Isabel Heller vom City Marketing Hünfeld: Wie sollen wir im Moment Veranstaltungen planen?

Im Moment bleiben ihnen nur Reparaturaufträge für Schmuck und Uhren. Trotzdem sind sie sechs Stunden täglich für ihre Kunden erreichbar. „Mit dieser Art von Präsenz wollen wir einfach dafür sorgen, nicht in Vergessenheit zu geraten“, sagen Giebel und Herget. Das Licht im Geschäft brennt also, und das sei darüber hinaus auch wichtig, um dem Eindruck der Verödung der Innenstadt vorzubeugen. Wie lange dieser Zustand noch andauern kann, ohne massiven Schaden zu hinterlassen? Die beiden Schmuckexpertinnen zucken mit den Schultern: „Irgendwie müssen wir da durch.“

Die Parfümerie Akzente GmbH, die in Hünfeld einen Store unterhält, bietet einen Bestell- und Abholservice an, nachdem ihre Kunden telefonisch oder per E-Mail ihr Wunschprodukt bestellt haben. Zu einer vereinbarten Zeit kann es dann vor Ort im Geschäft abgeholt werden. Dabei könnten, wie Unternehmenssprecherin Kristin Knoll betont, alle Hygiene-Regeln eingehalten werden.

Die allgemeine Corona-Situation schlägt sich auch in den Aktivitäten des City Marketings nieder – dahingehend, dass man feststellen muss: Es gibt derzeit keine. „Wie sollen wir im Moment Veranstaltungen planen?“, fragt Isabel Heller. Vorsichtig optimistisch blickt die Geschäftsführerin Richtung Sommer: „Vielleicht lässt sich dann wieder so etwas wie die Landpartie machen“. Im August 2020 hat sich diese Mischung aus gewerblicher Präsentation und Geselligkeit unter Hygienevorschriften durchführen lassen. Es scheint Ewigkeiten her...“

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