Korn für Korn „übersetzen“ die Frauen um die künstlerische Leiterin Heike Richter die gemalte Vorlage in die Dimension des Früchteteppichs. In diesem Jahr sind besonders die sand- und erdfarbenen Töne in der Palette der Körnerlegerinnen gefragt.
+
Korn für Korn „übersetzen“ die Frauen um die künstlerische Leiterin Heike Richter die gemalte Vorlage in die Dimension des Früchteteppichs. In diesem Jahr sind besonders die sand- und erdfarbenen Töne in der Palette der Körnerlegerinnen gefragt.

Start am 4. September

Die Löwengrube als Bild unserer Zeit: Arbeiten am 33. Früchteteppich schreiten voran

  • Hartmut Zimmermann
    VonHartmut Zimmermann
    schließen

Nach einer Vorlage von Dan Burr sind am 1. Juli die Arbeiten am 33. Früchteteppich in Sargenzell in Hünfeld gestartet. Abgebildet wird die biblische Geschichte „Daniel in der Löwengrube“.

Sargenzell - „Auch wenn wir das nicht vorher gewusst haben: Was wir jetzt zeigen, passt genau in diese Zeit.“ Heike Richter, künstlerische Leiterin des Sargenzeller Früchteteppichs, ist fasziniert, wie die Aussage der Geschichte über „Daniel in der Löwengrube“ die aktuelle Situationen aufnimmt.

Das Bild, das Projekt

Bereits im vergangenen Jahr sollte das Motiv „Daniel in der Löwengrube“ in Anlehnung an eine Illustration des US-Amerikaners Dan Burr gelegt werden. Doch die Corona-Pandemie verhinderte die 2020 Umsetzung. Heike Richter war bei Online-Recherchen auf die Arbeit Burrs gestoßen, die sie zwar zur Grundlage des Früchteteppich-Bilds machte, aber dabei weiter entwickelte und veränderte.

Im E-Mail-Kontakt mit dem im Bundesstaat Idaho lebenden Burr bewegte Brigitte Lindner vom Förderverein Alte Kirche den Illustrator, sein Einverständnis für diese Nutzung und Veränderung zu geben. Burr erbat im Gegenzug Aufnahmen vom Ergebnis der ungewöhnlichen künstlerischen Aktion.

Es sind immer ehrenamtliche Helfer anwesend, die den Besuchern das Bild erklären und Fragen beantworten. Die Aktion, einst entstanden, um die Alte Kirche vor dem Abriss zu bewahren, kommt längst anderen sozialen, karitativen und kulturellen Projekten oder Bedürftigen zu Gute. Alljährlich lockt die Ausstellung „Früchteteppich“ bis zu 50.000 Besucherinnen und Besucher an. (zi)

„Da sind Angst, Einsamkeit, Ungewissheit - und eine große Hoffnung“, fasst sie die Grundgefühle zusammen, die in der biblischen Geschichte aus dem Prophetenbuch Daniel erlebbar werden. Dass es ausgerechnet diese Geschichte wurde, ist Richters Wunsch. „Ich wollte gerne ein Bild mit Tiermotiven.“ Und weil die Gemälde, die beispielsweise Noahs Arche zeigen, durchweg querformatig und damit unpassend für die rund vier mal sechs Meter große Bildfläche des Früchteteppichs sind, landete sie bei Daniel.

Heike Richter (links) und Brigitte Lindner in Sargenzells Alter Kirche, wo ein eingespieltes Team den Früchteteppich entstehen lässt.

Hünfeld: Arbeiten am Früchteteppich schreiten voran - Vorlage von Dan Burr

Dan Burrs Vorlage veränderte und erweiterte sie um weitere Motive. Das so entstandene Bild Richters diente dann für die Platten, die dann aneinandergefügt das vier mal sechs Meter große „Körnerlegebild“ ergeben. Übrigens: Richters kleinformatige Vorlage wird während der Früchteteppich-Zeit ausgestellt und dann an den Meistbietenden abgegeben. Der Erlös fließt in den großen Spendentopf. Im vergangenen Jahr musste der Teppich pandemiebedingt ausfallen.

Die Zeiten

Die Ausstellung in der Alten Kirche ist ab Samstag, 4. September, bis Sonntag, 31. Oktober, täglich von 10.30 bis 16.30 Uhr eröffnet. Bilder und Karten vom Früchteteppich können in diesem Jahr außerhalb des Gebäudes an einem Verkaufsstand im Zelt erworben werden. Gruppen sollten sich unter (0 66 52) 18 01 95 oder 7 93 85 91 anmelden. Wegen der Corona-Pandemie wurde ein Hygiene-Konzept erarbeitet. Es gelten die jeweils aktuellen Corona-Vorschriften des Landes Hessen. Zudem wird darum gebeten, dass Busreisende und Gruppen ab fünf Personen eine Teilnehmerliste mitbringen und dem Einlasspersonal übergeben. Um den Hauptandrang durch Busgruppen zwischen 13 und 15 Uhr zu umgehen, wird Privatbesuchern geraten, andere Zeiten zu wählen. (zi)

Seit dem 1. Juli ist das Team bei der Arbeit. „In diesem Jahr hatte wir schon tatkräftige Hilfe durch Kinder und Jugendliche aus Sargenzell“, berichtet Richter und freut sich, dass das Team auch junge Unterstützer findet. Jetzt, in der Ferienzeit, sind es aber vor allem erfahrene Früchteteppich-Frauen, die im Einsatz sind. Geduld und Ausdauer sind ebenso gefragt wie eine ruhige Hand - beispielsweise, um mit einem kurz in Leim getunkten Zahnstocher ein millimeterkleines Sago-Korn aufzunehmen und dort abzulegen, wo später in einem Löwen-Ohr eine Spur weißes Fell zu sehen sein wird ...

Das könnte Sie auch interessieren