Wahlkampf in der Wigbertschule
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PoWi-Lehrer Thorsten Lobe (rechts) mit den fünf Kandidatinnen und Kandidaten der Bundestagsparteien. Es sind (von links) Gianina Zimmermann (Grüne), Birgit Kömpel (SPD), Jürgen Lenders (FDP), Michael Brand (CDU) sowie Martin Hohmann (AfD).

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Im Zeichen des Wahlkampfs: Direktkandidaten für den Bundestag debattierten in Wigbertschule

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    VonHartmut Zimmermann
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Vom Mindestlohn bis zum Kohleausstieg: In der Wigbertschule stand unlängst alles im Zeichen des Wahlkampfs. Die Direktkandidaten von CDU, SPD, AfD, Grünen und FDP erläuterten während einer Podiumsdiskussion ihre Vorstellungen.

Hünfeld - Eingeladen hatte die Fachschaft Politik und Wirtschaft, um im Vorfeld der Bundestagswahl mit allen Direktbewerberinnen und -bewerber im Wahlkreis Fulda zu diskutieren. Bis auf die erkrankte Nuha Sharif Ali (Die Linke) waren alle der Einladung gefolgt. Um die knapp 90 Minuten nicht zu überfrachten, blieben außenpolitische Themen – sei es Afghanistan, Nato, China oder Europa – außen vor. Das war klug, denn schon die beiden Themenblöcke „Arbeit und Soziales“ sowie „Klima und Umwelt“ füllten die Zeit gut.

„Ist ein Mindestlohn von zwölf Euro sozial und wirtschaftlich gerechtfertigt?“, frage Gesprächsleiter Thorsten Lobe zum Start. Die Diskutierenden griffen den Ball auf und bald ging es nicht nur um die Frage, ob es einen per Gesetz anzupassenden Mindestlohn geben solle (dafür: Birgit Kömpel für die SPD und Gianina Zimmermann für die Grünen) oder ob eine Kommission mit Vertretern der Tarifparteien hier die Regeln setzen solle (Jürgen Lenders, FDP, und Michael Brand, CDU). (Lesen sie hier: Bundestagswahl: Grünen-Chef Habeck wirbt in Fulda um Stimmen - Kritik an Bundesregierung)

Hünfeld: Direktkandidaten der Bundestagsparteien debattierten in Wigbertschule

Rasch sprang die Debatte ins Grundsätzliche der Steuerfragen (Martin Hohmann: „Wir sind ein Hochsteuerland!“). Interessant, dass im Streit um Sinn (Brand: „Das stärkt die Familien.“) oder Unsinn der Besteuerung von Eheleuten (Zimmermann: „Das ist von vorgestern und benachteiligt die Frauen.“) der steuerliche Begriff des „Ehegattensplittings“ von CDU-Mann Brand zum „Familiensplitting“ umgetauft wurde. Klar für „mehr Netto vom Brutto“ positionierte sich Jürgen Lenders und warb für Vereinfachungen beim Steuerrecht.

Vor Steuererhöhungen warnte Brand, der aber auch betonte, dass er für Senkungen der Abgaben keinen Spielraum sehe. Kömpel und Zimmermann warben dafür bei hohen Einkommen auch höhere Beiträge für die Gesellschaft zu verlangen.

Die Zuhörerschaft saß nicht nur in der Aula der Schule: Aus Corona-Gründen wurde die Diskussion per Stream auch in die Räume einiger Q-Klassen übertragen.

Ein parteiübergreifendes Loblied auf den deutschen Erfinder- und Innovationsgeist erklang, als es um die richtigen Schritte für den Klimaschutz ging. Mit hörbarem Staunen quittierte das Publikum die Meinung von AfD-Mann Hohmann, der ein Fragezeichen hinter die Aussage machte, es gebe einen vom Menschen verursachten Klimawandel und den Schülern vorhielt, sie seien letztlich alle bereits durch die Medien indoktriniert und nicht mehr objektiv. Das verlockte Michael Brand dazu, Hohmann zu raten, auch gleich noch zu behaupten, die Erde sei eine Scheibe.

Wahlkampf in Hünfeld: Direktkandidaten erläutern bei Podiumsdiskussion ihre Vorstellungen

Zimmermann unterstrich, die Grünen seien von Anfang an „Klimaschutzpartei“, Brand erinnerte an den christlichen Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung. Uneins waren die Parteileute darin, ob der Kohleausstieg im Jahr 2038 „herausfordernd“ sei oder ob er, wie Zimmermann fordert, früher erfolgen müsse. Lenders regte an, beim langfristigen Forschen auch die Kernkraft – aber mit Blick auf die Fusionstechnik – nicht außer Acht zu lassen.

Um auszudiskutieren, wie der von allen gewünschte nachhaltig produzierte Strom erzeugt und dann auch verteilt und gespeichert werden könnte und welche Rolle beispielsweise die Wasserstofftechnik dabei übernehmen kann, waren aber die beiden Schulstunden zu kurz.

Hinweis: In einer ersten Fassung des Artikels war fälschlicherweise berichtet worden, FDP-Kandidat Jürgen Lenders habe dem AfD-Bundestagskandidaten Martin Hohmann den ironischen Rat gegeben, angesichts seiner Verneinung des vom Menschen beeinflussten Klimawandels, dann auch zu behaupten, die Erde sei eine Scheibe.

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