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Hünfelder verliert Cousin beim Erdbeben in der Türkei - jetzt hilft er vor Ort

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Von: Daniela Petersen

Ismail und Ali-Dogan Düsünmez sind am Donnerstag in die Türkei geflogen, um zu helfen. Sie bleiben zunächst vier bis fünf Tage.
Ismail (links) und Ali-Dogan Düsünmez sind am Donnerstag in die Türkei geflogen, um zu helfen. Sie bleiben zunächst vier bis fünf Tage. © privat

Mehr als 20.000 Menschen haben die verheerenden Erdbeben in der Türkei und Syrien nicht überlebt. Unter den Opfern sind auch Verwandte von Ismail Düsünmez. Der 53-Jährige, der in Hünfeld einen Dönerladen betreibt, ist am Donnerstag mit seinem Neffen Ali-Dogan ins Katastrophengebiet geflogen, um zu helfen. 

Hünfeld - Mit Schlafsäcken, Taschenlampen, Isomatten, Batterien und Solarladestationen fürs Handy haben sich Ismail und Ali-Dogan Düsünmez am Donnerstag auf den Weg von Hünfeld in die Türkei gemacht. Sie fliegen nach Adana, danach geht es drei Stunden mit dem Auto in Ismails frühere Heimat, die Provinz Kahramanmaras.

Hünfeld: Dönerladen-Besitzer verliert Cousin bei Erdbeben in der Türkei

Dorthin, wo sich das Epizentrum der schweren Beben befindet, die am Montag mit einer Stärke von 7,7 und 7,6 die Erde im türkisch-syrischen Grenzgebiet erschüttert haben. Einer seiner Cousins hat die Katastrophe nicht überlebt. „Er wurde aus den Trümmern geborgen, ist aber dann im Krankenhaus gestorben“, sagt Ismail.

Auch von der Familie des Cousins, dem Sohn und den Kindern, habe man nichts gehört. „Sie leben in einem Wohnblock in der Hauptstadt mit 200 Menschen, dort ist alles komplett eingestürzt, und es gibt kein Lebenszeichen.“ Viel Hoffnung habe er nicht.

Bevor Ismail Düsünmez 1996 nach Deutschland kam, hat er bis zu seinem 27. Lebensjahr in einem Dorf namens Sögütlü gelebt. Es ist ein kleiner Ort in der Nähe von Pazarcik, gerade einmal 800 Einwohner. Jeder kennt jeden. Von zehn Toten dort haben Ismail und Ali-Dogan bereits gehört.

Über WhatsApp-Gruppen bekommen die beiden immer wieder neue Informationen zur Lage vor Ort. „Ein paar Häuser stehen noch, aber die meisten sind nicht mehr bewohnbar. Momentan liegen die Temperaturen bei zwei bis drei Grad, es ist also richtig kalt. Es fehlt an Wasser, und die Menschen müssen evakuiert werden“, fasst Ali-Dogan zusammen.

Der 34-Jährige ist mitgeflogen, um sich um seine Schwiegereltern zu kümmern, die ebenfalls in der Gegend leben. „Ich bringe ihnen Zelte. Das Haus, in dem sie leben, steht zwar noch, aber die Wände sind brüchig, alles ist marode. Und durch die Nachbeben, die jetzt noch stattfinden, ist es zu gefährlich hineinzugehen.“

Die Verzweiflung sei groß. „Sie haben alles verloren. Alles, was sie sich aufgebaut haben. Da stecken viele Erinnerungen drin.“ Der 34-Jährige will jetzt versuchen, seine Schwiegereltern aus dem Katastrophengebiet zu schaffen und nach Izmir zu bringen, wo Verwandte ein Ferienhaus haben.

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Für Ismail und Ali-Dogan, der ebenfalls seine ersten Jahre in der Region verbracht hat, ist mit den Erdbeben ein Stück Heimat verlorengegangen. „Viele, die überlebt haben, ziehen sicher in Gebiete, die sicherer sind. Ich glaube nicht, dass in der Region noch viel investiert wird.“

Auch in anderen Teilen Osthessens gibt es Menschen, deren Verwandte oder Freunde von den Erdbeben betroffen sind. Entsprechend groß ist die Hilfsbereitschaft. Zahlreiche Initiatoren sammeln Geld- und Sachspenden.

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