Landwirt Norbert Krimmel aus Hünfeld hat in der vergangenen Woche mit der Weizenernte im Sachsenfeld in Hünfeld begonnen.
+
Landwirt Norbert Krimmel aus Hünfeld hat in der vergangenen Woche mit der Weizenernte im Sachsenfeld in Hünfeld begonnen.

Trockenheit setzt Feldern zu

Hünfelder Landwirt blickt auf das Erntejahr 2020: „Wir haben wirklich gelitten“

  • Sarah Malkmus
    vonSarah Malkmus
    schließen

Auf den Feldern ist derzeit Hochbetrieb. Aber dennoch: Das Erntejahr 2020 zeigt sich eher unterdurchschnittlich. Der Grund ist die anhaltende Trockenheit. Außerdem hatte es im Mai eine Frostphase gegeben, die sich negativ auf die Gersten-Erträge ausgewirkt hat.

  • Derzeit haben die Landwirte in Osthessen alle Hände voll zu tun: Die Ernte steht an.
  • Aber: Das Erntejahr 2020 ist unterdurchschnittlich, wie ein Hünfelder Landwirt deutlich macht.
  • Trockenheit und später Frost haben sich auf die Gersten-Erträge ausgewirkt.

Hünfeld - Die Wintergersten-Ernte ist bereits abgeschlossen, sagt Sebastian Schramm, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Fulda-Hünfeld. Die Erträge seien bislang unterdurchschnittlich. Der Grund: „Es hat Mitte Mai – zur Blüte der Gerste – Frost gegeben“. Zeitweise hätten die Temperaturen minus fünf Grad betragen. Aufgrund dessen hätten sich die Körner nicht richtig ausbilden können. Viele Ähren blieben deshalb leer.

Das Problem mit der Wintergerste kennt auch Landwirt Norbert Krimmel aus Hünfeld. „Die Gerstenernte war bescheiden, wir haben wirklich gelitten“, sagt Krimmel und fügt hinzu: „Wir hatten bis zu 80 Prozent Verluste.“ Er spricht sogar davon, noch nie so eine schlechte Gerstenernte erlebt zu haben. „So etwas gibt es vielleicht alle 50 Jahre.“

Trockenheit setzt Landwirten zu: Im März und April kaum Regen

Den Grund für die allgemeinen Mindererträge in diesem Jahr sieht Schramm im trockenen Frühjahr. Vor allem der März und der April seien besonders trocken gewesen. „Es hat fast keine Niederschläge gegeben“, sagt er.

Die Trockenheit wirkt sich auf die Erträge aus.

Schramm vergleicht die Erträge aus diesem Jahr mit jenen aus dem vergangenen Jahr. Er stellt fest: „Trotz Trockenheit war es im vergangenen Jahr noch besser als in diesem.“

Lesen Sie hier: Hitze sorgt für Trockenheit - Wasserverbrauch steigt bedrohlich.

Grund zur Hoffnung gibt es wiederum beim Weizen. Die Ernte habe jetzt begonnen. Noch könne man zwar nichts zu den erwarteten Erträgen sagen, doch Schramm ist sicher: „Die Ernte müsste eigentlich durchschnittlich verlaufen.“ Er erwarte normale Erträge, da die Niederschläge im Mai und im Juni ausreichend gewesen seien.

Erntejahr 2020: Hünfelder Landwirt wünscht sich viel Regen für den Mais

Die Rapsernte hingegen laufe indes mittelmäßig, sagt der Geschäftsführer. Ähnlich sieht es beim Mais aus. Zwar habe der früh gesäte Mais ebenfalls Schäden durch den Frost im Mai genommen; bei den Beständen, die später gelegt wurden, sehe es allerdings besser aus. Auch Krimmel bestätigt das.

Der Mais benötige vor allem jetzt zurzeit viel Wasser – etwa 100 bis 150 Liter pro Quadratmeter im Zeitraum Juli und August, erklärt Schramm. Dem schließt sich auch Krimmel an, wenn er sagt: „Wir brauchen Regen ohne Ende, denn gerade jetzt bildet der Mais seinen Kolben aus.“

Beim Grünland habe der erste Schnitt Anfang Mai, der zweite Mitte Juni stattgefunden. Der zweite Schnitt sei „ganz gut“ gewesen, sagt Florian Fröhlich, Landwirt aus Oberaschenbach. Im Mai und im Juni habe es ordentlich Niederschläge gegeben.

Sebastian Schramm, Kreisbauernverband: In den Höhenlagen fällt Ernte meist schlechter aus

Schramms Prognose für den dritten Schnitt ist allerdings durchwachsen. In den Niederungen sei die Situation noch zufriedenstellend, in den Höhenlagen falle die Ernte aber meist schlechter aus. Der Boden dort könne nicht so viel Wasser speichern, wie das an einem „frischen Standort“, etwa einer Aue, der Fall wäre.

Landwirt Fröhlich hat zwar ebenso wie Krimmel in diesem Jahr eher unterdurchschnittliche Erträge erzielt, blickt aber dennoch gelassen auf das Erntejahr 2020. „Ich habe den Vorteil, dass ich relativ viel Fläche und gleichzeitig wenige Tiere habe.“ Er betreibt insgesamt 62 Hektar Fläche und besitzt 44 Tiere – 23 Milchkühe, 20 Tiere aus der weiblichen Nachzucht sowie eine Muttersau.

Weniger optimistisch ist hingegen Landwirt Krimmel aus Hünfeld. Mit vier Tonnen Gerste sei es ihm nicht möglich, seine fixen Kosten zu decken. „Ich müsste eigentlich etwa acht Tonnen erwirtschaften“, betont er. Erst dann erzielt er einen Gewinn.

Lesen Sie hier: Landwirte-Sprecherin über die Folgen anhaltender Trockenheit. Außerdem: Landwirte in Osthessen machen Flashmob. Und: Landwirte demonstrieren gegen Agrarpaket. Sowie: Problem oder nicht? Die Nilgans bevölkert auch den Haselsee

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema