Volontärin Celina Lorei hat den Selbsttest gemacht.
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Volontärin Celina Lorei hat den Selbsttest gemacht.

Nachholbedarf in der Kernstadt

Selbsttest: Als Fahrradfahrer in Hünfeld unterwegs - Das sind die Problemzonen

  • Celina Lorei
    vonCelina Lorei
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Viele Länder, wie beispielsweise die Niederlande, machen es vor: Fahrrad statt Auto. Doch auch hierzulande soll den Bikern mehr Aufmerksamkeit zukommen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat zuletzt seinen nationalen Radverkehrsplan vorgestellt.

Hünfeld - Deutschland soll zum Fahrradland werden, bis spätestens zum Ende der 2020er Jahre. Dazu will Scheuer rund 1,5 Milliarden Euro investieren. Sein Plan sieht vor, in den nächsten Jahren mehr Radschnellverbindungen zu schaffen, die Rücksicht auf Lastenräder zu stärken und Fahrradparkplätze auszubauen. Auto- und Fahrradwege sollen möglichst getrennt werden, Kreuzungen radlerfreundlich umgebaut werden. Um das Fahrradfahren auf längeren Strecken zu ermöglichen, sollen der Transport und die Mitnahme von Fahrrädern vereinfacht werden.

Für unsere Volontärin Celina Lorei waren diese Pläne ein Anlass, den Ist-Zustand unter die Lupe zu nehmen und einen Selbsttest zu starten. Wie schaut es in Hünfeld im Landkreis Fulda aus? Wie fühle ich mich als Radfahrer in der Konrad-Zuse-Stadt? Wie steht es um die Erreichbarkeit des Bahnhofs, der Einkaufsmöglichkeiten, des Schulviertels und der Freizeitangebote? Und wie steht es um die Anbindungen an die Ortsteile?

Hünfeld: Als Fahrradfahrer im Selbsttest unterwegs - Nachholbedarf in der Kernstadt

Mein Selbsttest startet auf dem Fahrradweg aus Michelsrombacher Richtung kommend. Dieser verläuft getrennt von der Landstraße nach Hünfeld und ist sehr angenehm zu fahren. Generell ist festzustellen, dass sich die Fahrradwege des Hünfelder Umlands großer Beliebtheit erfreuen und zur Benutzung einladen. Ab dem Nüsttaler Kreisel teilt sich der Fahrradweg eine Fläche mit den Fußgängern. Hier ist rechtzeitiges Klingeln erwünscht. Nicht ganz ungefährlich sind die von rechts einmündenden Querstraßen. An der Kreuzung zur Schillerstraße regelt eine Ampel den Verkehr, bei den darauffolgenden ist höchste Vorsicht geboten. Vor allem deshalb, weil die Autos durch die Abschüssigkeit mit hohem Tempo die Straßen herunterkommen.

An der Kreuzung Klingelstraße stellt sich mir das nächste Problem. Wie erreiche ich am einfachsten die Innenstadt? Die Klingelstraße ist aktuell wegen Bauarbeiten gesperrt, bleibt also der Fuldaer Berg (hier will ich definitiv nicht hochstrampeln) oder die Gartenstraße weiter bis zur Hauptstraße, diese hinauf und schließlich Richtung Rathaus. Vor allem entlang der Hauptstraße fühle ich mich mit meinem Rad auf dem schmalen Streifen für Fahradfahrer sehr unsicher. Fast durchgängig donnern Autos und Lkw an mir vorbei, während ich versuche, so weit wie möglich am Rand zu fahren, ohne mit dem Vorderrad den Bürgersteig zu streifen. Dass das Kopfsteinpflaster in der Innenstadt für Radfahrer höchst ungeeignet ist, wird wohl kein Geheimnis sein. (Lesen Sie hier: Eigentümer erstattet Anzeige nach Streich in der Hexennacht: Mackenzeller wollen ihr Schloss retten).

Celina Lorei: Es ist festzustellen, dass sich die Fahrradwege rund um Hünfeld großer Beliebtheit erfreuen

Die Durchquerung des Parkes ist gut möglich. Ein separater rotmarkierter Radweg führt mich sicher und fernab der Spaziergänger durch den Bürgerpark. Als ich schließlich beim Haselsee ankomme, stellte sich mir eine Frage: Wo stelle ich mein Fahrrad ab, wenn ich hier länger verweilen möchte? Nach ausgiebiger Suche ist ein kleiner Ständer zu finden, der jedoch zentraler platziert werden könnte. Die schmalen Fahrradstreifen begegneten mir erneut, als ich die Landerneau-Allee hinauf und über die Rasdorfer Straße das Niedertor entlang fahre. Die Einkaufsmöglichkeiten sind mehr oder weniger gut zu erreichen, am Haunecenter gibt es auf beiden Straßenseiten Fahrradwege. Die Fahrradsicherungsmöglichkeiten sind auch hier wieder begrenzt.

Als letztes führte mich mein Weg in das Schulviertel. Dieses ist dank durchgängiger Fahrradstreifen auf dem Gehweg gut zu erreichen. Doch auch hier taucht wieder das Abstellproblem auf: Einige Schüler nutzen gar die umstehenden Bäume zum sicheren Abschließen der Räder.

Als Fahrradfahrer in Hünfeld unterwegs: Das sind die Problemzonen

Bei meiner Tour auf dem Rad durch Hünfeld sind mir mehrere Dinge ins Auge gefallen, bei denen ich Verbesserungsbedarf sehe. Doch natürlich möchte ich nicht kritisieren, ohne konstruktive Vorschläge zu machen. Zunächst einmal halte ich das Erneuern der Fahrradständer für sinnvoll, da sie weder Platz für mehrere Räder noch Sicherheit gegen Diebstähle bieten. Hierzu böte sich die Konstruktion eines umgedrehten „U“ an, welches im Boden verankert ist. Damit verbunden ist das nötige Nachrüsten von Abstellmöglichkeiten im Park, am Haselsee, bei den Kirchen und auf größeren Plätzen wie dem Gänseplatz.

Ein weiteres Anliegen ist mir die Fahrradwegkennzeichnung entlang des Bahnhofs. Rechteckige Platten mit einem weißen Fahrrad darauf und kleine rote Kreise in regelmäßigen Abständen sollen den Weg, eine Mischzone für Fahrradfahrer und Fußgänger, markieren – sind allerdings mehr als unkenntlich. Eine Erneuerung dieses Abschnitts erscheint eher unwahrscheinlich, weshalb ich eine deutliche Beschilderung für Fahrradfahrer und Fußgänger vorschlagen würde.

Helmut Käsmann: Uns ist bewusst, dass Hünfeld außerhalb der Kernstadt gut mit Radwegen ausgestattet ist

Das sagt die Stadt Hünfeld zu den Anregungen und Problemzonen: Der Magistrat der Konrad-Zuse-Stadt hat ein eigenes Radverkehrskonzept bei einem Planungsbüro in Auftrag gegeben. Die Radwege in und rund um Hünfeld entsprechen derzeit noch den rechtlichen Vorgaben der 90er Jahre. „Uns ist bewusst, dass Hünfeld außerhalb der Kernstadt gut mit Radwegen ausgestattet ist, es in der Kernstadt aber Verbesserungspotenzial gibt“, erklärt Helmut Käsmann, Sprecher der Stadt.

Die Anregung, die Anordnung und Anzahl der Fahrradständer im Bereich des Haselsees zu prüfen, wird Gegenstand das Radverkehrskonzeptes sein. Es gib fast überall Radständer, teilweise muss aber der Standort auf den Prüfstand gestellt werden. Die Situation vor dem Bahnhofsgebäude wurde bewusst so geschaffen. Gäbe es dort vor dem Gebäude einen durchgehenden Radweg, würden Radfahrer den Eindruck gewinnen, sie seien hier in jedem Fall gegenüber Fußgängern bevorrechtigt und könnten diesen Bereich zügig befahren.

Magistrat der Konrad-Zuse-Stadt hat ein Radverkehrskonzept bei einem Planungsbüro in Auftrag gegeben

Der Bahnhofsvorplatz weist aber zu unterschiedlichen Tageszeiten ein hohes Fußgängeraufkommen auf, auf das der Radfahrer Rücksicht nehmen muss. Deshalb signalisieren die kleinen Piktogramme auf dem Vorplatz, dass es dahinter mit dem Radweg weitergeht, aber unmittelbar vor dem Gebäude besondere Rücksichtnahme erforderlich ist und der Radfahrer gegebenenfalls sogar absteigen muss. Die sind zwar kein formales Verkehrszeichen, sollen aber auf die besondere Situation aufmerksam machen – sowohl Radfahrer als auch Fußgänger.

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