Auch an der Hausfassade der Hünfelder Zeitung befindet sich ein Kunstwerk, das zum Offenen Buch der Stadt Hünfeld gehört. Hier endet die Stadtrallye.
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Auch an der Hausfassade der Hünfelder Zeitung befindet sich ein Kunstwerk, das zum Offenen Buch der Stadt Hünfeld gehört. Hier endet die Stadtrallye.

Stadtführung in Corona-Zeiten

Auf den Spuren des „Offenen Buches“: Interaktive Stadtrallye durch Hünfeld per App

  • Celina Lorei
    vonCelina Lorei
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Eine Stadtführung durch Hünfeld in Zeiten von Corona - die Actionbound-App macht es möglich. Sie entführt sowohl Einheimische als auch Ortsfremde in die künstlerisch wertvollen Ecken der Konrad-Zuse-Stadt.

Hünfeld - Hünfeld ist meine Geburtsstadt, hier bin ich aufgewachsen. Und bis vor wenigen Tagen dachte ich, mir sei jeder Winkel bekannt. Aber falsch gedacht. Die Hünfelder Stadtrallye, eine Führung durch das Offene Buch der Stadt Hünfeld, hat mir Ecken gezeigt, die mir bislang verborgen geblieben waren.

Das Offene Buch ist ein Projekt des Künstlers Jürgen Blum, der 1990 das Hünfelder Museum Modern Art gründete und noch heute Künstler und Besucher aus ganz Deutschland anlockt. Rund 120 Hausfassaden in Hünfeld sind mit Gedichten oder Wortbildern geschmückt - eine Einzigartigkeit in Deutschland. Gemeinsam mit internationalen Künstlern wie Eugen Gomringer, Franz Mon, Václav Havel sowie Ilse und Pierre Garnier realisierte Blum das Offene Buch von 1996 bis 2015.

Hünfeld: Interaktive Stadtrallye per App - Auf den Spuren des „Offenen Buches“

Mittlerweile befinden sich die Werke nicht nur an öffentlichen Gebäuden. Viele Privatpersonen kamen auf Blum zu und ermöglichten ihm, sich an ihren Hausfassaden zu verewigen. Die Kunstwerke fallen oft ins Auge, doch ihre Bedeutung bleibt für die meisten Menschen ungeklärt. Mit der virtuellen Stadtrallye in Zeiten von Corona ändert sich das, denn sie soll den Interessierten die Kunstwerke näherbringen. (Lesen Sie hier: Windpark bei Wehrda wächst - ab Mai sollen Anlagen Strom liefern).

App

Actionbound kann im Playstore (Android) und App Store (iOS) heruntergeladen werden. Nach dem Öffnen der App auf die große Lupe oben links klicken und „Offenes Buch“ eintippen. Es erscheint die gesuchte Stadtführung, die auszuwählen ist. Anschließend den Vornamen eingeben, das GPS-Signal einschalten und auf Starten klicken. Und schon geht’s los!

Startpunkt für die Entdeckungstour durch Hünfeld ist der Parkplatz des Hallenbades. Dort finden die ersten Aufgaben statt. Diese sind abwechslungsreich und vielfältig gestaltet. Kleine Infotexte mit entsprechenden Bildern geben Hintergrundinformationen zu den Künstlern, ihrem Leben und Schaffen sowie der Bedeutung des Kunstwerkes. Fragen regen zum Nachdenken und Rätseln an, sind aber immer lösbar. Oftmals gibt es mehrere Antwortmöglichkeiten. Kommt man mal nicht auf die Lösung, ist das Überspringen möglich.

Helmut Käsmann: Es wurde nach einer Möglichkeit gesucht, den Menschen Normalität zu ermöglichen

Im Hof der Physiotherapie-Praxis Larbig befinden sich mehrere Wortkunstwerke. Hier soll zum Beispiel ein Foto von dem Schriftzug gemacht werden, der den Betrachtern am besten gefällt. Anschließend gibt es noch weitere Fragen zu beantworten.

Als Belohnung für das Erreichen des nächsten Ortes, das Beantworten der Frage oder Hochladen eines Fotos, können bis zu 100 Punkte erspielt werden. Diese summieren sich am Ende zum Gesamtergebnis. Für Auswärtige sind die fehlenden Ortskenntnisse kein Hindernis: Ein GPS-Pfeil sowie die Anzeige der aktuellen Entfernung machen die Rallye auch für Ortsfremde möglich. „Es wurde nach einer Möglichkeit gesucht, den Menschen zumindest ein bisschen Normalität zu ermöglichen“, erklärt Helmut Käsmann, Pressesprecher der Stadt Hünfeld. Die Rückmeldungen der Teilnehmer seien durchweg positiv. Und ich schließe mich an. Trotz der aktuell kalten Temperaturen bin ich schnell „warmgelaufen“ und konnte es kaum erwarten, den nächsten Ort mit dem nächsten Kunstwerk samt Aufgaben zu erreichen. Fast schon enttäuscht bin ich, als das Ende naht.

Ziel: Alternatives Angebot zu den üblichen Stadtführungen für die Bürger

Entstanden ist die Idee einer interaktiven Stadtrallye per Mobiltelefon in der zuständigen Fachbehörde. Die Umsetzung übernahm eine Mitarbeiterin des Museums. „Unser Ziel ist es, den Bürgern ein alternatives Angebot zu den üblichen Stadtführungen zu bieten“, erklärt Käsmann und fährt fort: „Kunst soll erlebbar sein, aktuell geht das jedoch nur outdoor.“

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