Foto: Hartmut Zimmermann

In Hünfeld kämpfen Senioren singend gegen die Demenz

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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HÜNFELD - Oft verlieren Menschen, die an einer Demenzerkrankung leiden, nicht nur nach und nach ihr Erinnerungsvermögen, sondern auch ihre Sprache. Gegen diese Entwicklung singt man im Hünfelder Altenheim Haus Bethanien fröhlich an.

„Man müsste noch mal 20 sein, und so verliebt wie damals ...“ Der alte Schlager schallt aus dem Andachtsraum des Hünfelder Altenheims Haus Bethanien. Und zwischen den Strophen, die Michael Wissenbach mit seiner voluminösen Bassstimme vorträgt, singen oder summen seine betagten Zuhörer mit: „Man müsste noch mal 20 sein ...“

Einmal in der Woche kommt Wissenbach, ausgebildeter Sänger und Musikpädagoge mit vielfältiger Erfahrung, in die Senioreneinrichtung. „Über das Singen und die Musik werden ganz andere Bereiche in einem Menschen angesprochen“, erläutert Betreuungskraft Ramona Weidenbörner, die besonders für den Umgang mit Demenzkranken geschult ist.

Entspannung und Frohsinn

“Mamatschi, schenk mir ein Pferdchen!“ gibt Wissenbach vor. Von Kinderstar Heintje Ende der 1960er Jahre berühmt gemacht, ist der hinreichend schmalzige Schlager offenbar noch so manchem vertraut. Die Beteiligung der Sänger und vor allem der Sängerinnen beim Kehrvers ist zumindest deutlich größer als bei der von Wissenbach zum Festjahr 2000 für Hünfeld geschriebenen „Hessentags-Hymne“.

„Die Volkslieder wecken weit in der Vergangenheit liegende Erinnerungen. Und manchmal sind Bewohner, die aufgrund ihrer Demenz kaum noch oder gar nicht mehr sprechen, mit dabei und singen die Texte mit“, berichtet Weidenbörner. Es sei nachzuspüren, wie diese Erfahrung sie entspannt und fröhlich mache.

Russische Kindheitserinnerung

„Es geht nicht nur darum, durch das Singen das Hören und Sprechen zu schulen und zu trainieren“, ergänzt Wissenbach: Die Möglichkeit zur emotionalen Teilhabe sei mindestens genauso wichtig.

Eine 85-jährige Bewohnerin zeigt, dass auch Solisten-Talente nicht fehlen. Von Wissenbach ein wenig ermutigt, stimmt sie ein Lied an, das sie aus ihrer Kindheit kennt. Und weil Rosalinde Domke in Weißrussland aufgewachsen ist, singt sie es natürlich in Russisch. / zi

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