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Mit Nistkästen dem Eichenprozessionsspinner an den Kragen?

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Haarige Angelegenheit: ein Eichenprozessionsspinner.
Haarige Angelegenheit: ein Eichenprozessionsspinner. © Peter Roggenthin/dpa

Nistkästen im Kampf gegen Eichenprozessionsspinner – kann das funktionieren? In der Marktgemeinde Haunetal hat man es versucht. Und auch wenn es fürs Erste keinen durchschlagenden Erfolg gegeben hat: Man versucht es weiter.

Haunetal - Riesig war das Interesse der Öffentlichkeit an einer Bastelaktion, die im Frühjahr 2021 vom Mehrgenerationenhaus initiiert wurde: Nistkästen wurden gebaut, um Vögeln Brutstätten zu bieten. Hintergrund:

Die Raupen des schmerzhafte Hautreizungen auslösenden Eichenprozessionsspinners, die zur Nahrung von Meisen und Rotkehlchen zählen, sollten auf diese natürliche Weise dezimiert werden – ohne Einsatz von Chemie. Das Problem war vor allem im Ortsteil Schletzenrod akut, wo knapp 30 Eichen von der Raupe befallen waren.

27 Nistkästen wurden in Schletzenrod aufgehängt. „Das Angebot wird angenommen. Nur vier Kästen waren am Ende nicht besiedelt“, weiß Nadine Heinz. Sie wohnt mit ihrer Familie auf einem Bauernhof, der unmittelbar an die Eichenallee grenzt, wo die lästigen Raupen des Schmetterlings gehäuft vorkamen. „Ich habe das jetzt so organisiert, dass meine Pferde nicht mehr mit den Raupen in Berührung kommen. Aber hier gehen ja immer noch viele Leute spazieren“, sagt Heinz.

Hünfeld: Kampf gegen Eichenprozessionsspinner - Nistkästen sollen helfen

Ob tatsächlich viele Raupen dem Appetit der dort jetzt nistenden Vogelschar zum Opfer gefallen sind, lässt sich schwer abschätzen. Fest steht nur, dass es im ersten Jahr ohne chemische Keule doch nicht funktioniert hat. (Lesen Sie auch: Mehr als 3000 Bäume betroffen - Stadt Fulda muss Eichenprozessionsspinner bekämpfen)

„Es waren an einem Baum so viele Raupen, dass am Ende doch ein Absaugen nötig war. Vielleicht haben wir zu spät mit dem Aufhängen der Nistkästen angefangen“, sagt Martina Allmeroth-Akien vom Mehrgenerationenhaus in Haunetal. Also mussten die Mitarbeiter der Gemeinde mit ihren Schutzanzügen anrücken. Die chemische Bekämpfung ist nur bis Mitte, Ende Mai wirksam.

Jetzt, wo die tierischen Bruthilfen hängen, gibt es zumindest keinen Grund, sie wieder abzuhängen – zumal ja wenigstens der Vogelwelt Gutes damit getan wird. „Wir haben ausgeräumt und saubergemacht. Wenn die Zahl der Eichenprozessionsspinner abnimmt, dann liegt es ja auf lange Sicht vielleicht doch an unseren Nistkästen“, sagt Heinz, in deren Bekanntenkreis eine Person mit den die Reizungen auslösenden Haaren des Insekts in Berührung kam: „Die Haut sieht danach so aus, als wäre sie verbrüht worden.“

Dezimieren Vögel den Eichenprozessionsspinner?

Ob die Haunetaler Initiative Erfolg hat, muss sich zeigen. Aus anderen Regionen Deutschlands wurde zuletzt eher Gegenteiliges gemeldet. Im Münsterland etwa gab es Meldungen, wonach sogar häufig große Nester voller Raupen rund um den Nistkasten gesponnen waren. Denn Meisen meiden Kästen an befallenen Eichen, und die Raupen lieben die Ecken und Kanten der Kästen. Diese Beobachtung machten Mitarbeiter des NABU.

Deren Empfehlung: „Wenn schon Nistkästen, dann bitte nicht an befallenen Bäumen aufhängen.“ Zudem fressen die Vögel die Raupen offenbar nur, wenn deren Brennhaare noch nicht ausgebildet sind, wie Naturschützer betonen. Seien die Brennhaare da, meiden die Vögel die Raupen. Nur vereinzelt beobachte man mal eine Meise, die eine solche Raupe verfüttert.

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