Der Klostergarten (Blick aus südlicher Richtung, direkt hinter den Baumreihen gelegen) steht im Mittelpunkt städtebaulicher Planung.
+
Der Klostergarten (Blick aus südlicher Richtung, direkt hinter den Baumreihen gelegen) steht im Mittelpunkt städtebaulicher Planung.

Zustimmung im Bauausschuss

Klostergarten in Hünfeld soll bebaut werden - Wohnungen, Einzelhandel und Arztpraxen vorgesehen 

  • Harry Wagner
    vonHarry Wagner
    schließen

Auf dem Gelände des Klostergartens soll ein Objekt mit großflächigem Einzelhandel, bis zu 36 Wohnungen und einem ärztlichen Versorgungsangebot entstehen. Das Vorhaben wurde am Dienstag dem Hünfelder Bauausschuss vorgestellt, dessen Mitglieder grünes Licht für eine weitere Untersuchung des Standorts gaben. 

Hünfeld - Die Fläche, um die es geht, umfasst rund 13.000 Quadratmeter und ist gelegen zwischen Klosterstraße und Großenbacher Straße in Hünfeld. Der nicht mehr genutzte Klostergarten im Besitz der Oblaten stellt den Löwenanteil dar, hinzu kommen im Eigentum der Stadtwerke befindliche Flächen, die derzeit als Parkplätze genutzt werden.

Vorgesehen ist, dass die Mitteleuropäische Provinz der Oblaten M.I. das Vorhaben gemeinsam mit einem Projektierer realisiert und dann auch in Eigentümergemeinschaft betreibt. Entsprechende Vorgespräche seien bereits geführt worden, betont der Magistrat. Die Erträge sollen so unter anderem auch der Finanzierung des Klosters Hünfeld zugute kommen. Gerade im letzten Jahr ist es dort wegen der Corona-Pandemie zu einem eklatanten Einbruch bei Seminaren und Übernachtungen gekommen.

Hünfeld: Klostergarten soll bebaut werden - Sicht aufs Kloster soll aber bleiben

Zur Vorgeschichte: Ein Textbebauungsplan aus dem Jahr 2012 regelt den Schutz der Hünfelder Innenstadt als zentralem Versorgungsbereich und hat bis dato außerhalb dieses Kerns keine Supermärkte auf der „grünen Wiese“ zugelassen. In jenem definierten, auch interkommunal abgestimmten zentralen Bereich liegt die „Klostergarten“-Fläche allerdings nicht – was bedeuten würde, dass dort normalerweise ein großflächiger Einzelhandel nicht realisierbar wäre. Immerhin ist von einer maximalen Verkaufsfläche von 2500 Quadratmetern die Rede. Der Magistrat vertritt jedoch die Auffassung, dass der Standort aufgrund seiner unmittelbar angrenzenden Lage zur Innenstadt als „integriert“ gelten kann. Ein Einzelhandelsangebot dort werde als zusätzlicher Frequenzbringer den stationären Einzelhandel in der Hünfelder Innenstadt eher stärken. Zudem scheint die Stadt der Überzeugung zu sein, dass sich in den letzten Jahren ein zusätzlicher Bedarf an Einzelhandelsangeboten entwickelt hat.

Allerdings kommt der unmittelbar zur geplanten Baufläche benachbarten historischen Klosterkulisse eine beachtliche städtebauliche Bedeutung zu. Das geplante Projekt solle diesem Umstand Rechnung tragen, wenn es um die Entwicklung des Quartiers und die Bebaubarkeit der Fläche gehe, versichert der Magistrat, der dies auch in der Bauleitplanung berücksichtigen will. Hünfelds Bürgermeister Benjamin Tschesnok (CDU) hält es für selbstverständlich, dass auch nach einer Bebauung die Sichtachsen aufs Kloster bestehen bleiben.

Platz für Arztpraxen im Klostergarten - Ärztliche Versorgung ist wichtiger Aspekt für Hünfelds Bürgermeister

Ein Teil der Fläche ist für ärztliche Versorgung vorgesehen. Diesen Aspekt hält Tschesnok für wichtig. Zwar sei man am Gesundheitsstandort Hünfeld noch gut aufgestellt, doch bedürfe es aufgrund anstehender Generationswechsel in der Ärzteschaft eines Angebots an die Mediziner. „Es wäre schön, wenn wir neue Fachbereiche ansiedeln könnten. Es wäre aber auch schon ein Erfolg, wenn wir den Bestand halten könnten“, sagt Tschesnok.

Zudem muss die Stadt Hünfeld auch daran denken, eine Entwicklung am Klostergarten in der Fortschreibung des Generalverkehrsplanes zu berücksichtigen: Zusätzliche Einkaufsmöglichkeiten bringen zusätzliches Verkehrsaufkommen mit sich.

Zustimmung für das Projekt im Bauausschuss - „Ein Bekenntnis von Hünfeld zum Kloster

Nun sollen sich zunächst einmal Gutachter zu einer Standortuntersuchung ans Werk machen. Sie haben die Fragestellung des integrierten Standorts zu klären und ob für zusätzliche Verkaufsflächen des Einzelhandels in Hünfeld Bedarf besteht. Konkrete Planungs- oder gar Bautermine sind in diesem frühen Stadium noch nicht fixiert.

Im Bauausschuss gab es fraktionsübergreifend Zustimmung für das vorgestellte Konzept. FDP-Vertreter Dieter Steinacker findet, „dass man dazu ja wohl nicht Nein sagen kann.“ Für CDU-Fraktionschef Steffen Diegmüller stellt das Konzept „ein Bekenntnis von Hünfeld zum Kloster“ dar.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema