Konrad Zuse vor dem Nachbau seines legendären Z-1-Rechners.
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Konrad Zuse vor dem Nachbau seines legendären Z-1-Rechners.

„Vater des Computers“

Konrad Zuse starb vor 25 Jahren - Seine Bedeutung für Hünfeld wuchs stetig

Heute vor 25 Jahren, am 18. Dezember 1995, starb Konrad Zuse in Hünfeld. Er wurde 85 Jahre alt und verbrachte den größten Teil seines schöpferischen Lebens in der Haunestadt – jener Stadt, die heute im so genannten „Amtlichen Verkehr“ seinen Namen trägt: Konrad-Zuse-Stadt Hünfeld.

Hünfeld - Zuse hatte 1949 in Neukirchen die erste kommerzielle Computerfertigung der Welt gegründet und wohnte zunächst in Rhina. Ab 1955 baute er für sich und seine Familie im Hünfelder Haselgrund ein Wohnhaus, an das er später noch ein Atelier anbaute. Zu Weihnachten 1956 zog er mit seiner Familie ein und lebte dort zunächst als Unternehmer bis zur Aufgabe der Zuse KG 1965 und später als Wissenschaftler und Künstler bis zu seinem Tod 1995 als Bürger dieser Stadt. (Lesen Sie hier: Hünfeld würdigt Konrad Zuse mit Ausstellung)

Die Hünfelder kannten ihn als freundlichen, meist in Gedanken versunkenen älteren Herrn, dem man auf Spaziergängen mit seinem meist offen getragenen hellen Trenchcoat begegnen konnte. Er spielte bereits früh eine Rolle im öffentlichen Leben der Stadt. So wurde in den Siebziger Jahren die Berufsschule nach ihm benannt, er gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Jungen Kunstkreises Hünfeld und hielt gelegentlich Vorträge über seine bahnbrechenden Entwicklungen.

Konrad Zuse starb vor 25 Jahren - Seine Bedeutung für Hünfeld wuchs stetig

Hünfeld war ihm wichtig. Das wird allein daran deutlich, dass er persönlich ab 1984 am Aufbau der Konrad-Zuse-Abteilung im damaligen Museum mitwirkte und darauf bestand, dass die Konrad-Zuse-Gesellschaft (KZG), die 1988 gegründet worden war, ihren Sitz in Hünfeld hat. Die KZG hatte sich von Anfang an zum Ziel gesetzt, den wissenschaftlichen und künstlerischen Nachlass des Computerpioniers der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Im Vorfeld des Hessentages 2000 wurde das Museum erweitert und ausgebaut. Seit dieser Zeit trägt es den Namen Konrad-Zuse-Museum mit Stadt- und Kreisgeschichte. Mit Hilfe der Konrad-Zuse-Schule wurde einer der wichtigsten Rechner restauriert und als Dauerleihgabe an das Computer History Center in Mountainview, Kalifornien, gegeben. Ministerpräsident Roland Koch übergab den Hünfeldern am Hessentag eine lebensgroße Skulptur im Bürgerpark, die an den großen Erfinder erinnert. Mit Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen traf die Stiftung des Hünfelder Museums mit Zuse-Sohn Prof. Horst Zuse eine Vereinbarung zum Nachbau des ersten Computers der Welt, der Z3, die heute im Museum für Technik und Verkehr in Berlin zu sehen ist und langfristig nach Hünfeld zurückkehren soll.

Hünfeld benennt Schule, Platz, Hotel, Bahnhof und Stadt nach Konrad Zuse

Die KZG machte es sich außerdem zur Aufgabe, das gesamte künstlerische Schaffen Zuses zu erforschen und zu dokumentieren. Immerhin umfasst das Werk des Computerpioniers mehr als 1400 Gemälde, Zeichnungen, Holzschnitte und Grafiken. Viele dieser Werke sind in öffentlichem Besitz, einige weltweit verstreut und als begehrte Sammlerstücke hoch dotiert.

Durch das unermüdliche Wirken der KZG, aber auch seines ältesten Sohnes Prof. Horst Zuse, ist die Bekanntheit des Schöpfers des ersten programmgesteuerten Binärrechners der Welt mittlerweile nicht nur in Fachkreisen, sondern auch in der Öffentlichkeit präsent. So krönte ihn das ZDF in einer Publikumswahl zu einem der drei bedeutendsten deutschen Erfinder des vergangenen Jahrhunderts. Selbst in den Vereinigten Staaten, die Jahrzehnte lang die Erfindung des Computers für sich reklamierten, ist Zuses Bedeutung anerkannt.

In Hünfeld selbst ist sie in diesen 25 Jahren erheblich gewachsen. So gibt es eine Konrad-Zuse-Straße, einen Konrad-Zuse-Platz, das Zuse-Hotel und mittlerweile auch einen Konrad-Zuse-Bahnhof.

2006 beantragte die Stadt Hünfeld beim Hessischen Innenminister Volker Bouffier die Namensgebung „Konrad Zuse Stadt“, der schließlich stattgegeben wurde. Es bedurfte Anfang der 2000er Jahre das Zutun des damaligen hessischen Wirtschaftsministers Alois Rhiel, dass Zuse und die Konrad-Zuse-Stadt auch auf der Autobahn A7 mit einem touristischen Informationsschild dargestellt wurden. Seinerzeit galten solche Schilder als Ausnahme. Selbst eines der großen Computermagazine trägt heute seinen Namen: „Konrad“. (hw)

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