Hünfelder Land: Die Theaterpädagogen Jürgen Clausen (links) und Harald Hahn werben für das Legislative Theater am 30. Oktober in Eiterfeld.
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Die Theaterpädagogen Jürgen Clausen (links) und Harald Hahn werben für das Legislative Theater am 30. Oktober in Eiterfeld.

Am 30. Oktober in Eiterfeld

Mitspielen erwünscht - Legislatives Theater bezieht Publikum ins Thema ein

  • Harry Wagner
    VonHarry Wagner
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Die Verkehrswende wird auch in Eiterfelds politischen Gremien als heißes, weil ortsbezogenes Eisen diskutiert. Der tägliche Fleischkonsum eher nicht. Aber die Theaterbühne kann sich als passendes Forum beiden Themen annehmen

Eiterfeld - Wie das gehen kann, will das Legislative Theater mit einer Aufführung zeigen, die am Samstag, 30. Oktober, um 19.30 Uhr im Bürgerhaus Eiterfeld im Hünfelder Land stattfindet.

Es ist keine Veranstaltung im herkömmlichen Sinn, in der das Publikum sich von den Akteuren auf der Bühne unterhalten lässt. Die Besucher werden mit einbezogen, und im günstigen Fall entwickelt sich eine lebhafte Diskussion. Spielszenen von Laiendarstellern führen zu Beginn des Abends zum Thema hin, ehe ein Moderator das Heft in die Hand nimmt und das Publikum mit einbezieht – getreu dem Motto: „Wie sehen Sie es denn?“ So werden einzelne Zuschauer, die dann auch auf die Bühne gebeten werden, Teil des Legislativen Theaters.

Eiterfeld: Legislatives Theater bezieht Publikum ins Thema ein

Dem Moderator kommt eine wichtige Funktion zu: Er muss geschickt durch die Veranstaltung führen und seinen Teil dazu beitragen, dass ausreichend Leben und konstruktive Debattenkultur in den Abend kommt. Die Spielszenen haben die Teilnehmer eines Workshops einstudiert, der in den vergangenen Tagen auf der Akademie Burg Fürsteneck stattgefunden hat. Als Teil der realen Legislative hat auch Eiterfelds Bürgermeister Hermann-Josef Scheich, der bereits bei der Live-Veranstaltung 2019 mitgewirkt hatte, seine Teilnahme zugesagt. 2020 gab es wegen Corona nur eine Online-Veranstaltung, nun also steht die dritte Folge an – erarbeitet weitgehend von der Gruppe, die schon vor zwei Jahren am Werk war.

Die Fortsetzung heißt folgerichtig „Eiterfeld spricht weiter – Warten auf den Bus. Verkehrswende in Eiterfeld?“ Die Spielszene zum Thema Fleischkonsum ist mit „Drei Männer vom Grill“ überschrieben. Beabsichtigt ist eine anschließende Diskussion über unsere Nahrungsgewohnheiten und welche Konsequenzen daraus erwachsen. (Lesen Sie auch: 50 Veranstaltungen und ein besonders Lied - Das waren die Interkulturellen Wochen)

Legislatives Theater bedeutet in Brasilien „Theater der Unterdrückten“

Von zwölf Kursteilnehmern zu Beginn vor zwei Jahren sind acht geblieben, die sich unter der Leitung der beiden Berliner Theaterpädagogen Jens Clausen und Harald Hahn dem aktuellen Programm angenähert haben.

Das Legislative Theater ist eine Form, die ursprünglich aus Brasilien stammt und dort „Theater der Unterdrückten“ genannt wird. „Wir haben es adaptiert und finden die Methode gerade für den ländlichen Raum spannend“, sagt Harald Hahn. Bürger sollen zu relevanten Themen in einen Dialog, in eine konstruktive Diskussion treten. Hahn: „Letzlich stärkt man auf diese Weise die Demokratie.“

Theaterpädagogen begrüßen Diskussion mit Publikum

Sein Mitstreiter Jens Clausen ist immer wieder überrascht, wie viele Menschen aus dem Publikum sich doch lebhaft an einer Diskussion beteiligen. Zwar werden die Besucher direkt angesprochen, aber nicht dazu genötigt, auf die Bühne zu kommen. Dennoch glaubt Clausen, dass das Umfeld den Diskurs begünstigt und eventuell vorhandene Zurückhaltung der Zuschauer abbauen kann: „In der Atmosphäre von Kunst und Kultur fällt das offenbar leichter.“

Die beiden Berliner Theaterfachleute haben ein eigenes Ensemble, mit dem sie in der Hauptstadt dieses Format pflegen. Ein weiteres festes Legislatives Theater hat sich bundesweit ansonsten noch nicht etabliert – Hahn und Clausen hoffen, dass aus dem jüngsten Workshop etwas entstehen könnte. Doch zunächst einmal freuen sie sich auf den Abend in Eiterfeld – und darauf, dass auch der Bürgermeister wieder an Bord ist. „Die Gemeinde unterstützt dieses Projekt großartig“, betont Hahn. Für den (kostenlosen) Eintritt ins Bürgerhaus gilt am 30. Oktober die 3G-Regel.

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