Muehlrad
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Soll erhalten bleiben: das Mühlrad am Großenbacher Tor.

Zu hohe Kosten

Ende für den Mühlgraben in Hünfeld: Stadtverordnete entscheiden sich für Rückbau

  • Harry Wagner
    VonHarry Wagner
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Dass Klimaschutz und Umweltschutz nicht immer vereinbar sind, zeigt der Mühlgraben Großenbach-Hünfeld. Und wenn dann noch ökonomische Zwänge mitspielen, dann kann dies das Todesurteil für ein historisches Bauwerk sein. Dieses Schicksal ereilte jetzt den künstlichen, sich aus der Hasel speisenden Wasserlauf.

Hünfeld - Denn der geschätzt bereits im 9. Jahrhundert angelegte und inzwischen in der Kernstadt zum Großteil verrohrte Mühlgraben ist stark sanierungsbedürftig. Kurz vor Weihnachten 2020 ließ die Stadt eine TV-Untersuchung des Kanals durchführen – mit dem Ergebnis, dass 112 Schäden festgestellt wurden (Risse, Einstürze, Rohrbrüche).

Die daraus resultierende Kostenermittlung ergab gemäß der Unterlagen des Hünfelder Magistrats: 3,16 Millionen Euro für einen kompletten Neubau des Kanals, 415.000 Euro für den Rückbau beziehungsweise die Verdämmung, 195.000 Euro für eine Sanierung – wobei es laut Magistrat Berechnungen gibt, nach denen sich die Sanierungskosten binnen zehn Jahren verdoppeln.

Ende für den Mühlgraben in Großenbach-Hünfeld: Magistrat entscheidet sich für Rückbau

Der Haupt- und Finanzausschuss (HFA) der Stadtverordnetenversammlung in Hünfeld (Kreis Fulda), der sich in seiner jüngsten Sitzung des Themas angenommen hatte, entschied sich für die mittlere Variante: Mehrheitlich mit einer Gegenstimme (Dr. Gunther Mertens von den Grünen) beschloss man, dass der Mühlgraben zurückgebaut wird. „Manchen wird das Herz brechen, wenn sie die Historie betrachten. Manchen sagt der Mühlgraben allerdings gar nichts. Und ökonomisch wie auch ökologisch ist der Rückbau sinnvoll“, sagt Hünfelds Bürgermeister Benjamin Tschesnok (CDU).

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Städtebauliche Gründe: Mühlrad am Großenbacher Tor soll erhalten bleiben

Alle Mühlenberechtigten haben, wie seitens des Magistrats betont wird, inzwischen auf ihr Wasserrecht am Mühlgraben verzichtet, wären also beim Unterhalt des Kanals nicht mehr zu belangen. Dieser würde komplett zulasten des Stadtsäckels gehen. Und würde eine Sanierung einen anschließend weiterlaufenden Betrieb der Mühlen ermöglichen, hieße dies, eine teils kommerziellen Zwecken dienende Stromerzeugung auch mit Steuermitteln zu alimentieren. Und dann wäre da auch noch die europäische Wasser-Rahmenrichtlinie, die bis spätestens zum Jahr 2027 einen ökologisch guten Zustand der Gewässer einfordert. Dies macht eine Wasserentnahme aus der Hasel, zumal in trockenen Jahreszeiten, zunehmend problematisch.

Aus städtebaulichen Gründen soll das Mühlrad am Großenbacher Tor erhalten bleiben, obwohl seine eigentliche Funktion beim Rückbau erloschen sein wird. Ebenso wird erwogen, den offenen Gewässerlauf im Stiftsbezirk als gestalterisches Element beizubehalten. Für den Rückbau des Grabens sind Fördermittel in Aussicht gestellt, für eine Sanierung nicht, da dieses Vorhaben laut Bürgermeister Tschesnok den Vorgaben der europäischen Wasser-Rahmenrichtlinie zuwider laufen würde.

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