Pater Modenbach während seiner Lesung in St. Ulrich.
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Pater Modenbach während seiner Lesung in St. Ulrich.

Lesung in Hünfeld

Pater Siegfried Modenbach: Kirche muss Sexualität aus der Dunkelkammer herausholen

  • Hartmut Zimmermann
    vonHartmut Zimmermann
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Der Umgang mit Homosexualität, sexuelle Gewalt auch in der Kirche, die Frage nach der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare – an schwierigen Themen fehlte es nicht bei der Veranstaltung mit Pater Siegfried Modenbach. Rund 60 Personen waren der Einladung der Kolping-Familie zur Lesung und Diskussion in die St.-Ulrich-Kirche gefolgt.  

Hünfeld - „Liebe hat viele Gesichter“ lautet der Titel des jetzt in zweiter Auflage erschienen Buches, aus dem der Pallottinerpater las. Dabei ging der 62-jährige Theologe zunächst auf die aus seiner Sicht falsche, von der Bibel her nicht zu begründende Verurteilung der Homosexualität durch die Kirche ein. Zuletzt stand Pater Siegfried Modenbach in der Öffentlichkeit, weil er einem lesbischen Paar den kirchlichen Segen erteilt hatte.

Pater Modenbach liest in Hünfeld aus seinem neuen Buch „Liebe hat viele Gesichter“

Es gelte, von der Vorstellung Abstand zu nehmen, dass Sexualität nur auf Fortpflanzung hin ausgerichtet sei. Vielmehr sei ihre Bedeutung für Partnerschaft und Lust groß – und durchaus als Gottesgabe zu begreifen. Die biblische Ablehnung der Homosexualität blicke einschränkend nur auf den Sexualakt. Die Dimension einer tiefen menschlichen Beziehung, die auch Treue und Dauer einschließe, bleibe außen vor. Doch Homosexualität sei eben, anders als Paulus es sehe, keine Neigung, für oder gegen die sich der Mensch entscheiden könne, sondern eine dem von Gott geschaffenen Menschen mitgegebene Eigenschaft. Daher müssten Christen und die Kirche auch helfen, gleichgeschlechtliche Partnerschaften gut zu begleiten und diese anzuerkennen.

Sophia Mann (links) und ihre Partnerin Franziska Mann bei der Segensfeier mit Pater Siegfried Modenbach in der Hünfelder St.-Ulrich-Kirche.

In diesem Zusammenhang sei es schlimm, dass bis in die junge Vergangenheit die Missbrauchsfälle in der Kirche mit Homosexualität in Verbindung gebracht worden seien – zum Beispiel noch 2010 von Kardinal Tarcisio Bertone. Dabei betreffe das Thema Homosexualität die katholische Kirche selbst in besonderer Weise, unterstrich Modenbach. Aufgrund seiner eigenen Erfahrung als Verantwortlicher für die Priesterausbildung im Pallottinerorden gehe er davon aus, dass bis zu 50 Prozent der katholischen Priester schwul seien. Auch der langjährige Leiter des Recollectio-Hauses der Abtei Münsterschwarzach, Wunibald Müller, schätze den Anteil der Homosexuellen unter den Priestern auf 20 bis 50 Prozent. Das sei in keiner Weise „schlimm“, so der Pater. Denn sie könnten ja ebenso einfühlsame, den Menschen zugewandte Seelsorger sein wie heterosexuelle Männer.

Pater Siegfried Modenbach kämpft für Akzeptanz von Homosexulität in der Kirche

Die Kirche müsse Sexualität aus der „Dunkelkammer“ herausholen und deren Dämonisierung beenden. Das bedeute auch, sich vom Verbot des Sex vor der Ehe zu verabschieden, das aus ganz anderen Entwicklungsumständen stamme.

Gerade mit Blick auf gleichgeschlechtliche Paare müsse, so Modenbach, Kirche eine andere Haltung einnehmen: „Wenn zwei Frauen oder zwei Männer als Christen den Segen für ihre Beziehung erbitten – wer sind wir, dass wir ihn verweigern könnten?“, fragte er. Sowohl die Äußerungen einiger Bischöfe wie auch die Gespräche des „Synodalen Wegs“ zwischen den Bischöfen und den Laien ließen ihn hoffen, dass Bewegung möglich sei.

„Wir sind Menschen dieser Zeit“ – mit diesem Vers aus einem Kolping-Lied hatte Irene Gutberlet die Teilnehmer der Veranstaltung in St. Ulrich willkommen geheißen und unterstrichen, als Menschen unserer Zeit müsse man auch die Fragen dieser Zeit stellen. Damit liege die Kolping-Familie ganz in der Tradition ihres Begründers.

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