Nach der Insolvenz beim Autozulieferer Herbert Maschinenbau ist nun der Neustart angesagt.
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Nach der Insolvenz beim Autozulieferer Herbert Maschinenbau ist nun der Neustart angesagt.

Reifenhersteller wieder auf dem Markt

Nach Insolvenz: Herbert Maschinenbau startet neu durch - Geschäftsführer hat Unternehmen zurückgekauft

  • Hartmut Zimmermann
    vonHartmut Zimmermann
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Neustart: Gut ein halbes Jahr, nachdem das Unternehmen Herbert Maschinenbau, Spezialist für Maschinen rund um die Reifenherstellung, seine Zahlungsunfähigkeit anmelden musste, ist die Firma wieder am Markt.

Hünfeld - Geschäftsführer Matthias Walter hat das Unternehmen Herbert Maschinenbau aus der Insolvenz zurückgekauft. Er firmiert derzeit unter dem Dach der in der gesamten Zeit erfolgreich laufenden Schwesterfirma Herbert Maschinen- u. Anlagenbau GmbH & Co.KG.

Die Nachricht vom Februar 2020 aus Hünfeld war ein Schlag ins Kontor: 240 Mitarbeiter standen vor dem Aus, als die Unternehmensleitung Insolvenz anmelden musste (Lesen Sie hier: Immer mehr Insolvenzen in Osthessen). Nun beginnt unter dem alten Chef ein neuer Anfang: Mit rund 140 Mitarbeitern will Matthias Walter das Unternehmen in eine ertragreiche Zukunft führen. „Wir haben viel Ballast abwerfen müssen, um wieder rentabel zu werden“, so der 58-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung.

Geschäftsführer hat Herbert Maschinenbau in Hünfeld zurückgekauft - Weg dorthin sei ein Kraftakt gewesen

Der Rückkauf und der Weg dorthin seien ein Kraftakt gewesen – finanziell, aber auch emotional, betonen Walter und seine Frau Sabine (52), die Gesellschafter der Maschinen- und Anlagenbau-Firma in Hünfeld. „Es war die schlimmste Zeit, die wir bislang durchgemacht haben“, sagt er. Die Fragen um die Zukunft des Unternehmens Herbert Maschinenbau und der Mitarbeiter, aber auch das Suchen nach eigenen Fehlentscheidungen in der Vergangenheit sei quälend gewesen.

Sabine und Matthias Walter haben ein halbes Jahr nach der Insolvenz der Firma Herbert Maschinenbau das Unternehmen zurückgekauft.

Die Gründe für die Insolvenz ließen sich im Rückblick gut ausmachen, erläutert Walter: „Es gab vom Sommer 2019 an einen dramatischen Einbruch bei den Aufträgen.“ Im Normalbetrieb sei es um monatliche Volumina von drei Millionen Euro gegangen – und mit einem Mal sei nur noch eine Million reingekommen. Die Ursachen sieht er in den Strafzöllen der Vereinigten Staaten und zudem in einer großen Verunsicherung der gesamten Autobranche in Anbetracht der Diesel-Diskussionen, aber besonders im massiven Dumping-Angeboten aus China.

Mit 140 Mitarbeitern: Herbert Maschinenbau in Hünfeld ist neu gestartet

Angesichts der Zahlen sei aus der zunächst geplanten Insolvenz in Eigenverwaltung nichts geworden. Die Kasseler Kanzlei Westhelle & Partner habe die Verwaltung übernommen. Die Zusammenarbeit mit Insolvenzverwalterin Sandra Mitter sei aber ebenso eng wie gut gewesen. So habe man die Weichen für einen Rückkauf des Unternehmens Herbert Maschinenbau stellen können.

„Wir hatten im vergangenen Sommer rund 320 Mitarbeiter und haben dann schon versucht zu reduzieren. Am 1. September sind wir dann mit 140 Beschäftigten neu gestartet“, beschreibt Geschäftsführer Walter die Ausgangslage bei Herbert Maschinenbau. Der Neuanfang habe die Möglichkeit geboten, das Unternehmen schlanker und zukunftsorientiert aufzustellen: „Wir haben alles, was wir getan haben, auf den Prüfstand gestellt und nur das, wovon wir uns Gewinn erwarten, ist übrig geblieben.“ Es sei bitter gewesen, so manche Kündigung aussprechen zu müssen, um einen Teil der Arbeitsplätze zu erhalten. Da sei er schon froh, dass zumindest keiner der Auszubildenden habe gehen müssen.

Herbert Maschinenbau in Hünfeld möchte künftig auf Nischenprodukte setzen

Die Zukunft des neu startenden Unternehmens sehe man nicht im Massenmarkt, sondern in der Nische der Produkte, die in kleinerer Stückzahl, dafür aber mit höherem Konstruktionsaufwand gefertigt werden.

Lob gibt es seitens der Firmenleitung auch für die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat. Das Team habe den Neustart stark unterstützt. Man merke den Mitarbeitern von Herbert Maschinenbau an, wie motiviert sie in die neue Phase gingen, betont Walter. Er sei froh, dass sich die Auftragsbücher wieder füllten und er inzwischen Zusagen für rund 40 Prozent des geplanten Jahresumsatzes habe.

Insolvenz in der ersten Corona-Welle - Herbert Maschinenbau in Hünfeld hat sich davon erholt

Auch der Betriebsratsvorsitzende Florian Döring bekräftigt, dass die zurückliegende Zeit sehr schwierig gewesen sei. Dass die Insolvenz von Herbert Maschinenbau mitten in die erste Corona-Welle gefallen sei, habe die Dinge noch weiter erschwert. Um so erfreulicher sei es, dass es inzwischen Neueinstellungen gebe – und auf diesem Wege auch im Zuge der Insolvenz gekündigte Kollegen wieder zurück nach Hünfeld kämen.

Matthias und Sabine Walter ist die Anspannung der vergangenen Monate noch anzumerken. „So richtig haben wir uns über den Neustart noch gar nicht freuen können – da steckt uns noch zu viel in den Knochen“, sagen sie. „Der bequemere Weg wäre es gewesen, eine der Kaufanfragen anzunehmen – was da aus China geboten wurde, war gigantisch.“ Aber mit einer Mischung aus Trotz und Stolz fügen sie hinzu, dass so etwas einfach „nicht gehe“: „Mittelstand“ bedeute eben auch eine enge Verbundenheit mit dem Unternehmen und den dort beschäftigten Menschen.

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