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Reisebüros in der Region leiden

Stornierungen und keine Nachfrage nach Urlaubsreisen

  • Harry Wagner
    vonHarry Wagner
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Der Sommer rückt näher – aber auch der Sommerurlaub? Die Reisebüros der Region befinden sich ebenso im Ungewissen, ob und welche touristischen Aktivitäten in den nächsten Monaten einerseits möglich, andererseits gewünscht sind. Wie verhalten sich die Kunden?

„Wir sind derzeit hauptsächlich mit Rückabwicklungen beschäftigt“, sagt Andrea Findeis vom Alltours Reisebüro in der Hünfelder Töpferstraße. Die Kunden, die bereits eine Reise gebucht haben, können wählen: Erstattung des Kaufpreises oder Gutschein. Die Mehrzahl, diese Erfahrung macht Andrea Findeis, möchte ihr Geld zurückhaben – was ihrer Einschätzung nach auch damit zu tun haben könnte, dass Insolvenzen großer Reiseveranstalter wie zuletzt bei Thomas Cook befürchtet werden. Die Einnahmeverluste für das in einer Vermittlerrolle befindliche Reisebüro beschränken sich auf Provisionszahlungen, die ein Reiseveranstalter für jede Buchung eines Gastes überweist. Sie fließen selbstverständlich bei Stornos nicht.

Reisebüros unter Druck: Nachfrage nach Urlaubsreisen verschwindend gering

Die Nachfrage nach Urlaubsreisen, ob innerhalb Europas oder interkontinental, sei derzeit verschwindend gering; die Unsicherheit ist einfach noch zu groß. Insofern könnte der 15. Juni, an dem das Bundesaußenministerium offenbar plant, die EU-weiten Reisebeschränkungen aufzuheben, „ein Lichtstreif am Horizont“ (Findeis) bringen. Aber es gibt mehr Fragezeichen als Antworten und Lösungen. Urlaub in Deutschland, in der Region? Sich in den Hotels weitere Kontingente zu sichern, sei wegen der Kontaktbeschränkungen und der Abstandsregeln nicht möglich. Und die Vermietung von Ferienhäusern laufe häufig nicht über Reiseagenturen, sondern über die private Schiene.

Vereinsausflüge an Palmenstrände – wie hier beim Musikzug Arzell – gehören zunächst der Vergangenheit an.

Nicht zu beneiden ist auch die August Kiel Reisebüro GmbH aus Eiterfeld-Arzell. „Unsere Flotte steht und erleidet dabei einen extremen Wertverlust, ist praktisch unverkäuflich geworden. Wer will derzeit schon einen Bus?“, sagt Geschäftsführer Thomas Fongar, dessen Unternehmen sich inzwischen auf Busreisen spezialisiert hat – und zumindest bis zum Beginn der Corona-Krise hoffen durfte, den Unberechenbarkeiten der anderen Tourismuszweige leichter entgehen zu können.

Bustourismus ist komplett weggebrochen

Doch das Geschäftsmodell von Kiel ist komplett weggebrochen, und so wird sich auch das Arzeller Unternehmen an der für heute in Wiesbaden geplanten Demonstration des Landesverbandes Hessischer Omnibusunternehmer beteiligen. Gefordert wird unter anderem eine längerfristige Senkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent.

Ungeachtet der Corona-Krise gebe es durchaus Menschen, die gerne mit dem Bus verreisen würden. „Wir haben schon auch Anfragen von Kunden, die sagen: ‚Uns schert das alles nicht.‘ Aber man darf nicht vergessen, dass zu unserer Klientel auch viele ältere Menschen, also Angehörige der Risikogruppen, zählen.“

In Wiesbaden demonstrieren heute hessische Busunternehmen. Im Korso wird sich auch die August Kiel Reisen GmbH befinden.

Vereinsausflüge, Klassenfahrten, Messebesuche, Städtetouren – alles gestrichen. Die Frage, die Fongar und seine Kollegen umtreibt: Wann kann und darf es wieder Bustourismus geben? Und kommen die Kunden dann auch zurück? „Wir werden nur Fuß fassen, wenn wir sehr viel Geld in die Werbung stecken.“ Zumal sich den Reisewilligen derzeit keine attraktiven Rahmenbedingungen bieten, wie auch Fongar weiß. Wer trage auf der Fahrt schon gerne eine Schutzmaske, wer unterwirft sich am Bestimmungsort freimütig diversen Auflagen: „Da kommt doch wirklich kein Urlaubsfeeling auf.“

Trotzdem: Zum Herbst hin könnten, glaubt Fongar, Busreisen wieder möglich sein, wenn auch längst nicht im gewohnten Maß „und wohl nur mit 25 statt 50 Passagieren.“ Dennoch sei ein halbvoll fahrender Bus besser als einer, der überhaupt nicht fährt.

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