Stromtrasse Hünfeld Strom
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Sollte die Wechselstromtrasse durch Hünfelder Gemarkung führen, könnten die vorhandenen Maste aufgestockt werden, befürchtet die Stadt.

Maste können 70 Meter hoch werden

Hünfeld sorgt sich um Ausweisung der Wechselstromtrasse

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Während das Hünfelder Stadtgebiet wahrscheinlich nicht von der neuen Stromtrasse Suedlink betroffen sein wird, könnte allerdings nach dem Netzentwicklungsplan des Bundes die geplante 380-Kilovolt-Wechselstromtrasse durch Hünfelder Gemarkungen führen.

Hünfeld - Dies geht aus einer Informationsvorlage zu dem Bundesfachplanverfahren hervor, über die der Bauausschuss der Stadt Hünfeld beraten hat.

Wie Bürgermeister Benjamin Tschesnok (CDU) erklärt, wurde für die in Norddeutschland liegenden Abschnitte bereits mit den Planfeststellungsverfahren begonnen. Die abschließende Festlegung für den Bereich Hessen/Thüringen erfolge mit dem Beginn des Planfeststellungsverfahrens im Sommer. Sollte es bei der bisherigen Planung bleiben, wird die Trasse durch Thüringen verlaufen. Durch das Stadtgebiet von Hünfeld gibt es allerdings eine Planungsalternative.

Diese Alternativtrasse verläuft durch die Gemarkungen von Roßbach, Hünfeld, Sargenzell, Nüst und Mackenzell. Hier lägen allerdings hohe Raumwiderstände vor, betont Tschesnok. Trotzdem bleibe diese Alternativtrasse weiter im Rennen.

In der Gemarkung Nüst sind Wasserschutzgebiete betroffen

Der Suchraum für die Trasse weist eine Breite von rund 1000 Metern auf. Sie verläuft westlich von Roßbach kommend, über Burghaun-Gruben in die Gemarkung Hünfeld und von dort durch die Hauneauen über Sargenzell mit einer Überplanung von bebauten Bereichen weiter in östliche Richtung. In der Gemarkung Nüst sind unter anderem Wasserschutzgebiete betroffen. Westlich von Mackenzell liegen in dem Suchkorridor das FFH-Gebiet Nüsttal, das Waldgebiet „Kling“ sowie das Naturschutzgebiet zwischen Mackenzell und Silges. Deshalb hat der Magistrat mit Hinweis auf die Raumwiderstandsanalyse in seiner Stellungnahme dieser Planung widersprochen.

Nach Intervention ist Alternative raus

Der Magistrat hatte bereits im öffentlichen Antragsverfahren auf die Raumwiderstände eines ursprünglich vorgesehenen weiteren alternativen Trassensegments, welches durch die Bereiche Kirchhasel, Großenbach, Molzbach und Mackenzell verläuft, hingewiesen. Unter anderem waren als Raumwiderstände Wasserschutzgebiete, das Flora-Fauna-Habitat-Gebiet, dass Natura-2000-Gebiet, das Übungsgelände der Bundespolizei und ein Vogelschutzgebiet ins Feld geführt worden. Nach dieser Intervention hatte der Netzwerkbetreiber von dieser Alternativtrasse Abstand genommen.

Sorge um Wechselstromtrasse von Mecklar nach Dipperz

Sorgen bereitet der Stadt allerdings die Ausweisung einer Wechselstromtrasse von Mecklar nach Dipperz, heißt es in einer Mitteilung an die Medien. Von dieser Wechselstromtrasse wäre Hünfeld in jedem Fall stark betroffen. Den Erläuterungen des Netzentwicklungsplans kann entnommen werden, dass im Zuge der Trassenausweisung zwischen Mecklar und Dipperz zwei zusätzliche 380-Kilovolt-Systeme vorgesehen sind. Die Trasse liegt im Bereich der bereits bestehenden Freileitung, die über Stendorf, Kirchhasel, Großenbach, Molzbach und Mackenzell nach Nüsttal verläuft. Diese 110-kV-Wechselstromleitung soll entsprechend verstärkt werden.

Beeinträchtigung von Landschaftsbild befürchtet

Auch dieser Planung hatte der Magistrat bereits bei der Fortschreibung des Netzentwicklungsplanes im Jahr 2017 widersprochen und auf die Raumwiderstände hingewiesen. Insbesondere würde eine solche Planung erhebliche Beeinträchtigungen für die Bewohner der angrenzenden Stadtteile, aber auch auf die Natur mit den FFH-, Natura-2000-, Landschaftsschutz-, Wasserschutz- und Naturschutzgebiete bedeuten. Außerdem befürchtet der Magistrat eine starke Beeinträchtigung des Landschaftsbildes im Landschaftsschutzgebiet Hohe Rhön sowie der Vorderrhön und des Hessischen Kegelspiels. Dies könne nicht akzeptiert werden, so die Stadt.

Hünfeld will Bedenken erneut vortragen

Auch für dieses Vorhaben ist zunächst ein Raumordnungsverfahren notwendig. Eine Erdverkabelung, wie sie Hünfeld in die Diskussion gebracht hatte, ist gegenwärtig nicht vorgesehen. Die Realisierung des Vorhabens könnte, wie der Netzwerkbetreiber Tennet signalisiert hat, durch den Bau einer parallel verlaufenden zweiten Mastreihe oder durch die erhebliche Aufstockung der vorhandenen Masten erfolgen.

Sowohl der Bau einer zweiten Mastreihe als auch die Aufstockung der vorhandenen Maste auf eine Höhe von 35 Metern bis zu 70 Metern würden das Landschaftsbild erheblich belasten, bemängelt Tschesnok. Sobald das Raumordnungsverfahren eröffnet wird, will Hünfeld ihre Bedenken erneut vortragen. Der Magistrat hat bereits jetzt Tennet eine Raumwiderstandsanalyse übersandt.

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