Zum Hünfelder Archiv gehört auch die Historie der Firma Wella. Margit Stock zeigt Fotos aus der Firmengeschichte.
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Zum Hünfelder Archiv gehört auch die Historie der Firma Wella. Margit Stock zeigt Fotos aus der Firmengeschichte.

Erinnerungen an die Haunestadt

Das Hünfelder Stadtarchiv ist preisgekrönt: Welche Schätze in den Regalen schlummern

  • Hanna Wiehe
    vonHanna Wiehe
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Alles begann mit einem Raum im Hünfelder Rathaus und drei Keller-Abteilen im Bauhof. Heute hat das Stadtarchiv der Haunestadt seinen Sitz im Kegelspielhaus – und ist sogar preisgekrönt.

Hünfeld - „Irgendwann wird aus jedem Leben Archivmaterial. Es kann durch Erzählung und Forschung wiederbelebt werden. Wenn es denn zu finden ist.“ Dieses Heinrich Mann zugeordnete Zitat hängt an der Schranktür hinter Margit Stocks Schreibtisch im ersten Obergeschoss des Kegelspielhauses in Hünfeld. Die 61-Jährige ist Archivarin aus Leidenschaft – und erst über Umwege zu diesem Beruf gekommen. Denn eigentlich ist die gebürtige Wormserin gelernte Industriekauffrau und arbeitete zunächst bei der Wella in Hünfeld. Über eine Anzeige in der Zeitung kam sie zur Stadtverwaltung, wo sie heute – unter anderem und nach diversen Weiterbildungen – die Archivleitung innehat. Sie bringt ihre Tätigkeit so auf den Punkt: „Es ist ein Beruf über die Vergangenheit, der Zukunft hat.“

Das Stadtarchiv umfasst etwa 1,7 Regal-Kilometer. Gegründet wurde es im Jahr 1984 auf Initiative von Berthold Baier. Das Ziel war damals wie heute, alles zu sammeln, was mit der Stadt Hünfeld einschließlich ihrer heutigen Stadtteile in Verbindung steht. Im Archivteam arbeiten neben Margit Stock noch eine Halbtagskraft und zwei geringfügig Beschäftigte.

Archiv-Besucher im ersten Obergeschoss des Kegelspielhauses finden sich zunächst in einer umfassenden Bibliothek wieder – die neben Büchern auch Sammlungsbestand wie Tassen, alte Aha-Flaschen, Schaufeln von Spatenstichen und sogar ein Kuscheltier umfasst, das in Erinnerung an den Hessentag im Jahr 2000 gekauft worden ist. Einer der Schätze, der hier aufbewahrt wird, ist das Goldene Buch der Stadt, in das sich Gäste bei besonderen Terminen eintragen durften. Inzwischen ist das Buch voll, ein neues Exemplar wird verwendet.

Das Archiv hat schon so manchen Umzug „auf dem Buckel“: War das Archivgut zunächst in einem Raum im Rathaus und in drei Keller-Abteilen im Bauhof gelagert, kam es nach drei Umzügen schließlich 2013 im Kegelspielhaus unter. Einer dieser Umzüge war im Jahr 2004 auch Anlass für ein neues Konzept der Stadt: Alle bislang gesammelten Zeitungsausschnitte, Dias, Fotos, Videos sowie Archivalien aus dem Aktenbestand sollten mit einer Software verzeichnet und teilweise digitalisiert werden.

Diese Arbeit war der Grundstein für eine besondere Auszeichnung: Im Jahr 2011 erhielt das Hünfelder Stadtarchiv den Hessischen Archivpreis – auch für den Stand der Digitalisierung. „Bisher wurden etwa 243.000 Archivalien verschiedenster Art digitalisiert“, bilanziert Margit Stock. Dank dieser Verzeichnung ist die Archiv-Nutzung komfortabler geworden, wie sie berichtet – und hat sich in den vergangenen Jahren beständig erhöht. Auch ungewöhnliche Anfragen gibt es: „Wir hatten über einen italienischen Anwalt schon eine Anfrage aus Rio de Janeiro“, berichtet Margit Stock. Auch haben schon Wissenschaftler aus England bei ihr nach Beständen gefragt.

Zu den Schätzen des Archivs zählt sicher auch der Bestand der Firma Wella. „Wir haben hier Archivalien vom Spatenstich des Unternehmens in Hünfeld bis zum Ende des Betriebs“, sagt die Archivleiterin und zeigt verschiedene Fotos – von Labor-Szenen in den 50er Jahren bis hin zu Schnappschüssen von den früher legendären Weihnachtsfeiern.

Ein Motiv jedoch sucht das Stadtarchiv seit Langem: eine Gesamtaufnahme der alten Hünfelder Synagoge. „Das wäre ein echtes Fundstück“, sagt Margit Stock. Apropos: Die Archivleiterin freut sich aber auch über andere Funde – „wenn Menschen zum Beispiel ein Haus ausräumen. Selbst alte Familienbilder können für uns von Interesse sein – schließlich könnten da historische Stadtansichten drauf sein“, betont die 61-Jährige und erklärt: „Die Leute bekommen das auch wieder zurück – wir würden es nur gern digital erfassen.“

Auch über alte Unterlagen, Protokollbücher von Vereinen oder über andere Vereinsunterlagen freue man sich in Hünfeld. „Den umfangreichen Notensatzbestand eines aufgelösten Chores würde das Stadtarchiv hingegen gerne an interessierte Chöre oder Chorleiter abgeben“, erklärt Margit Stock.

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