Pfarrer Peter Borta während der Abschiedsmesse auf dem Kirchplatz von St. Jakobus.
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Pfarrer Peter Borta während der Abschiedsmesse auf dem Kirchplatz von St. Jakobus.

Dank und eine Bitte um Vergebung

Hünfelds Katholiken verabschieden Stadtpfarrer Peter Borta

  • Hartmut Zimmermann
    vonHartmut Zimmermann
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Worte des Dankes haben die Feier geprägt, mit der sich Hünfeld nach 17 Jahren von seinem Stadtpfarrer Peter Borta verabschiedet hat. Eine Messe, die der 70-Jährige auf dem Kirchplatz feierte, hatte die Zusammenkunft eröffnet.

Hünfeld - Borta nutzte seine Ansprache für eine Rückblende und rief Passagen aus seinem Einführungsgottesdienst im August 2003 in Erinnerung, die er damals im Dialog mit seinem verstorbenen Kollegen Alfons Gerhardt gehalten hatte. Das Kirchenbild des 2. Vatikanischen Konzils habe sie geprägt und bis heute vertrete er die Überzeugung, dass Priester von Amts wegen keine Vorrangstellung genössen: „Es gibt keine höhere Würde, als getauft zu sein.“

Stadtpfarrer Peter Borta wurde in Hünfeld verabschiedet

Er habe für ganz viele Erfahrungen zu danken, betonte Borta: für entgegengebrachtes Vertrauen, für Sympathie, für das Mittragen schwieriger Situationen, für Hilfe und Unterstützung, für Begegnungen und Gesundheit.

Es sei eine gute Erfahrung gewesen, in allen Veränderungen auch Menschen mit der Bereitschaft zum Mitarbeiten in der Kirche zu finden. Im 2003 formulierten Appell an die Jugendlichen, die Verbindung zur Kirche zu halten, werde deutlich, dass sich nicht alle Erwartungen eins zu eins erfüllten: „Wer heute als 16-Jähriger Messdiener ist, der ist auch im einst katholischen Hünfeld ein Exot“, stellte Borta nüchtern fest.

In der Messe, die Borta mit Pater Simon und Pater Francis zelebriert hatte, würdigte er auch das gute Miteinander mit dem verhinderten Pater Jerry sowie mit Pfarrer Eugen Kutzka.

Dank vom Pfarrgemeinderat und der Gemeindereferentin

An den Gottesdienst schloss sich ein „Sitzempfang“ an. Regionalkantor Christopher Löbens, der die Messe gemeinsam mit einem Vokalensemble musikalisch gestaltet hatte, steuerte zwischen den einzelnen Redebeiträgen Klavier-Zwischenspiele bei.

Für den gemeinsamen Pfarrgemeinderat von St. Jakobus und St. Ulrich hielten Rita Fennel und Hermann-Josef Reus Rückschau. Das Pfarrer-Duo Borta/Gerhardt sei mit seinem Kirchen- und Gemeindeverständnis sehr fortschrittlich gewesen – und das sei Bortas Haltung bis heute, betonte Reus. Die beiden würdigten Borta als Seelsorger, aber auch als Ideengeber und Macher. „Sie haben uns vermittelt, dass wir Kirche sind“, sagte Fennel. Sie versprach, in diesem Sinne weiter zu machen – „als Laien, aber nicht als Gehorchende“ – auch wenn man diese Erkenntnis in Rom noch nicht erlangt habe.

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Als einen „unkomplizierten, nicht zu hofierenden Chef“ würdigte Gemeindereferentin Elke Jost Pfarrer Borta. Er habe, auch beflügelt durch sein Gemeinde- und Kirchenverständnis, seine Mitarbeiterschaft ermutigt, ihr Talente zu entdecken und zu entwickeln. Sie verschwieg nicht, dass Borta, von schwerem Männerschnupfen befallen, als echter Mann auch durchaus mal trostbedürftig gewesen sei.

„Gutes und ehrliches ökumenisches Miteinander“

Per Audio-Botschaft war der verhinderte Dechant Blümel präsent. Borta habe das Evangelium von Jesus Christus „stets authentisch und klar zu den Menschen gebracht. „Ich wünsche Dir, auch künftig Hoffnungsträger sein zu können“, sagte Blümel.

Für das gute, weil ehrliche ökumenische Miteinander dankte im Namen der evangelischen Kirchengemeinde Pfarrer Jürgen Gossler. Er überreichte, wie viele andere auch, dem bekennenden Radler Borta einen Gutschein für Rad-Zubehör – aber nicht ohne zu betonen, dass Borta alles andere als ein „Radfahrer“ sei: Nicht „buckeln nach oben und treten nach unten“, sondern Geradlinigkeit und aufrechte Haltung prägten ihn.

Borta habe in Hünfeld in Zeiten der Herausforderung gewirkt, betonte Bürgermeister Benjamin Tschesnok (CDU) mit Hinweis auf den Pastoralen Prozess. Er dankte für das gute Miteinander, insbesondere bei den Fragen zur Kinderbetreuung, das auf örtlicher Ebene immer gut gewesen sei. Man werde in Hünfeld Bortas ausgezeichnete Predigten vermissen.

Ein Abschied mit der Bitte um Vergebung

Herzliche Dankesworte sprachen für die Kindergärten von St. Jakobus und St. Ulrich Iris Henkel und Bianca Müller. Für die Wertschätzung, die Borta der Kirchenmusik entgegengebracht habe, dankte Kirchenchor-Leiterin Ludmilla Kout. Dank für Nähe – und für Freiräume – sagte für die Pfadfinder Stammesvorstand Thorsten Heinrich. Auch die Kolpingfamilie und die kfd St. Ulrich würdigten ihren scheidenden geistlichen Begleiter.

Seinen Dank für so viele gute Wünsche verband Borta mit einem Rückblick auf seinen Berufsweg. Er sei nun gespannt, was in der Zeit kommen werde, in der er nicht mehr Pfarrer, aber weiterhin Priester sei. Borta schloss mit einer Bitte: „Wer immer von mir eine Verletzung oder Zurücksetzung erfahren hat, den bitte ich um Vergebung.“

Die Gemeinde verabschiedete ihren Pfarrer mit ausdauerndem, im Stehen gespendeten Applaus.

Gute Wünsche für den angehenden Ruheständler standen am Fuß des vor der St.-Jakobus-Kirche aufgebauten Altars.
Für den „Sitzempfang“ war der Kirchplatz vor St. Jakobus bestuhlt corona-gerecht worden.

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