Schön ist dieser Anblick ganz sicher nicht, zugegeben. Aber so sehen die kleinen Katzen nun mal aus, wenn sie vom Tierschutzverein in Hünfeld  in Empfang  genommen werden.
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Schön ist dieser Anblick ganz sicher nicht. Aber so sehen die kleinen Katzen aus, wenn sie vom Tierschutzverein in Hünfeld in Empfang genommen werden.

„Es artet allmählich aus“

Immer mehr streunende Katzen: Hünfelder Tierschützer funken S.O.S.

  • Harry Wagner
    vonHarry Wagner
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Der Tierschutzverein Hünfeld funkt S.O.S. „So schlimm war es die ganzen Jahre nicht. Es artet allmählich aus“, beklagt die Vorsitzende Renate Beutler. Der Verein hat derzeit alle Hände voll zu tun mit der Pflege und der Vermittlung von Fundkatzen.

Hünfeld - Rund 25 Stubentiger werden derzeit von den Vereinsmitgliedern versorgt; dass weitere Neuankömmlinge hinzustoßen, ist nur eine Frage der Zeit.

140 ehrenamtliche Mitglieder hat der Verein. Von deren Beiträgen und von Spenden bestreitet der Verein auch Operationskosten für Eingriffe, die im Einzelfall manchmal einen dreistelligen Euro-Betrag verschlingen können. „Man kann ein junges Tier doch nicht einfach einschläfern lassen, wenn man weiß, dass es nach einer solchen OP noch viel Lebensqualität vor sich hat“, verteidigt Renate Beutler das Engagement der Hünfelder Tierschützer. Und dabei kommen die Pflegefälle längst nicht nur aus dem ländlichen Bereich.

Tierschutz in Hünfeld schlägt Alarm: Immer mehr streunende Katzen im Stadtgebiet

Kürzlich wurde ein acht Wochen altes Kätzchen bei Beutler und ihren Mitstreitern abgeliefert, das in unmittelbarer Nähe eines Hünfelder Schnellrestaurants gefunden wurde: „Gerade im Hünfelder Stadtgebiet werden es immer mehr herrenlose Katzen.“

Dennoch ist ein großer Teil des Problems in Verbindung mit landwirtschaftlichen Anwesen zu sehen. Dort tummeln sich zwischen Scheunen und Stallungen oft viele Katzen. Ob sie einen Besitzer haben und welchen, ist schwierig zu ermitteln. Geduldet werden die Tiere, die sich unter diesen Umständen fleißig vermehren, allerdings nicht ungern, ersparen sie dem Bauern doch die Mäusejagd.

Malin Krieg, Sprecherin des Kreisbauernverbandes Fulda-Hünfeld, kennt die Problematik: „Die meisten Bauern kümmern sich um ihre eigenen Hofkatzen durchaus entsprechend. Aber viele obdachlose Streuner werden dadurch erst angelockt. Sie sehen: Hier gibt es was zu fressen und einen Schlafplatz.“ Keiner wisse, wie lange diese Katzen bleiben. Es sei möglich, dass sie schon nach wenigen Tagen wieder weiterziehen: „Deshalb ist es problematisch, von den Landwirten die Verantwortung für diese Tiere einzufordern.“

Streuner-Problematik in Hünfeld: Rechtlich alles andere als einfach

Das Thema ist komplex. Wer kann, wer muss die Zuständigkeit übernehmen? Wer eine offenbar herrenlose Katze regelmäßig füttert, gilt als deren Besitzer und riskiert die entsprechenden Rechtsansprüche Dritter. Heißt also: Landwirte müssten, um dies zu vermeiden, dafür sorgen, dass „Mitesser“ nicht aus dem Schälchen ihrer eigenen „Hofkatze“ naschen. Diese Umstände werden sich nicht viele machen wollen.

Die Verantwortung für streunende Vierbeiner unterliegt grundsätzlich den Ordnungsbehörden – die sich allerdings auf dünnem Eis bewegen. Sollten sie an einer vermeintlich herrenlosen Fundkatze eine Kastration veranlassen und es sich dabei aber nur um einen „Freigänger“ handeln, dessen Besitzer auftaucht, dann riskiert die Kommune eine Klage. „Die bislang in Hessen bestehenden Rechtsgrundlagen lassen die Einführung einer Kastrationspflicht für Katzen durch kommunales Satzungsrecht nicht zu“, betont der Hünfelder Magistratspressesprecher Helmut Käsmann. Denn von der Katzenpopulation gehe keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung aus.

Streuner in Hünfeld: Kennzeichnungs- und Kastrationspflicht als Lösung?

Das sind alles keine guten Voraussetzungen, um die rasante Vermehrung der kleinen Vierbeiner einzuhegen. Renate Beutler plädiert dennoch neben einer Kennzeichnungspflicht der Samtpfoten, ähnlich wie bei Hunden, auch für eine Kastrationspflicht. „Das Katzenelend muss endlich durch Kastration beendet werden“, fordert sie.

Das Kastrations-Mobil des Landestierschutzbundes ist eine Einrichtung, die dabei hilfreich sein kann. Dieser „rollende OP“ kann vom örtlichen Tierschutzverein gegen eine geringe Kostenpauschale angefordert werden. Die Vereine beginnen am Vorabend oder in der Nacht zum Kastrationstag damit, die Straßen-Katzen einzufangen. Sitzt eine gechippte oder tätowierte Katze in der Falle, wird sie sofort wieder frei gelassen, da dann davon auszugehen ist, dass es sich um eine „Freigänger-Hauskatze“ handelt. Die Tiere werden nicht nur kastriert, sondern auch entwurmt und entfloht – auch Notfalleingriffe können gemacht werden. Die Kosten für die Maßnahmen trägt der Landestierschutzbund.

Und was kann das Veterinäramt beim Landkreis Fulda tun? Die Hygienebehörde könnte lediglich einschreiten, wenn der Verdacht auf nicht tiergerechte Haltung vorliegt – wenn also beispielsweise viele Katzen in einem Haushalt auf engem Raum leben. Oder wenn Tiere mutmaßlich zum Zweck der (illegalen) Züchtung gehalten werden.

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