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Uta Eddeling aus Hünfeld ist Pilz-Expertin - Suche lohnt auch im Winter

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Von: Hartmut Zimmermann

Uta Eddeling ist Pilzsachverständige. Daher weiß sie, dass auch an Wintertagen der Pilzkorb nicht zu Hause bleiben sollte.  Der Gemeine Samtfußrübling (rechts) etwa ist ein genießbarer Speisepilz.
Uta Eddeling ist Pilzsachverständige. Daher weiß sie, dass auch an Wintertagen der Pilzkorb nicht zu Hause bleiben sollte. Der Gemeine Samtfußrübling (rechts) etwa ist ein genießbarer Speisepilz. © Sebastian Eddeling

„Welcher Pilz ist das?“ Um Uta Eddeling mit dieser Frage zu verunsichern, muss man schon auf eine echte Rarität stoßen. Denn die 64-Jährige aus Nüst ist ausgewiesene Expertin. Seit dem Herbst 2021 ist sie geprüfte „Pilzsachverständige“.

Hünfeld - Das Interesse an Pilzen begleitet Eddeling seit Kindertagen: Sie ging schon mit ihren Eltern „in die Pilze“. Und seit sie bei einer Pilztour mit ihrem Partner irrtümlich eine Partie Satansröhrlinge, die sie als Steinpilze angesehen hatte, in der Pfanne gebrutzelt hatte, stand für sie fest. „Ich muss da mehr wissen.“ Damals hatte sie der bittere Geschmack der Pilze vor Schlimmerem bewahrt.

Mit dem Beginn des Ruhestands – die gelernte Bibliothekarin hatte lange Jahre in Fulda als Buchhändlerin gearbeitet – war nun die Zeit des Lernens gekommen. Und auch wenn das von Berufs wegen nahe gelegen hätte: Eddeling beschränkte sich nicht auf Bücher, sondern schaute sich nach intensiveren Fortbildungsmaßnahmen um: „Ich habe eine Reihe mehrtägiger Seminare mit Fachleuten besucht – und ich kann das jedem, der da Interesse hat, weiterempfehlen“, berichtet sie.

Hünfeld: Uta Eddeling ist Pilz-Expertin - Pilzsuche lohnt auch im Winter

Denn durch die Mischung von theoretischem Unterricht und allgemeinen Informationen zur Biologie der Pilze einerseits und den Erfahrungen draußen im Wald andererseits könne man erst das Wissen aufnehmen, das man letztlich als Sachverständige benötige, ist sie sich sicher. „Man muss, um einen Pilz zu kennen, ihn auch mal angefasst und seinen Geruch wahrgenommen haben.“

Das betont Eddeling auch für die Arbeit der Sachverständigen, wenn sie die Speisepilz-Ernte von Sammlern begutachten sollen: „Da ist es nicht mit dem Hin- und Her-Schicken von Fotos getan. Man muss den Pilz vor sich sehen.“ Nicht selten sei es so, dass das Problem darin liege, dass auch an sich genießbare Pilze unbekömmlich würden – einfach, weil sie zu alt und verdorben seien.

Schmackhafte Pilze auch im Winter zu finden

Im Herbst vergangenen Jahres hat Eddeling ihre Ausbildung mit einer Prüfung bei der Deutschen Gesellschaft für Mykologie („das war ganz schön fordernd!“) abgeschlossen. Der Verein hat dafür ein bundesweit einheitliches Anforderungsprofil entwickelt. Auch eine „Pilzberatung“ war Teil dieses Abschlusses, für den aber auch umfassendes Wissen in den Bereichen Naturschutz, Recht und nicht zuletzt der Pilzarten gefordert war.

Wer als Pilzsammler künftig Eddelings Rat in Anspruch nehmen möchte, der kann sich über den Internetauftritt der Gesellschaft für Mykologie kundig machen: In der dort hinterlegten Datenbank werden ihre Kontaktdaten in der nächsten Zeit eingepflegt.

Übrigens: Wer meint, dass das Pilzesammeln lediglich im Spätsommer und Herbst interessant sei, wenn Steinpilz, Maronen und Pfifferlinge locken, der kann bei Eddeling lernen, dass auch im Winter schmackhafte Speisepilze im Wald zu finden sind: Sowohl der fast aprikosenfarben leuchtende Samtrübling als auch der Austern-Seitling, die beide an Bäumen und Baumstümpfen gedeihen, wachsen im Winter und überstehen auch Tage mit Frost.

Pilze halten Naturkreislauf in Bewegung

Sie leisteten, so Eddeling, ebenso wie zig für Laien kaum bestimmbare verwandte Arten einen unverzichtbaren Beitrag dazu, dass der Naturkreislauf in Bewegung bleibt: Die Pilze zerlegen das abgestorbene organische Material vom Laub bis zu den Stämmen mächtiger Bäume so, dass die Bausteine wieder für neue Lebensformen verfügbar werden.

Experten finden

Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie ist ein Verein, in dem sich Pilzfreunde und -kenner zusammengeschlossen haben. Über die Eingabe der Postleitzahl kann man online die Kontaktdaten der nächstgelegenen Pilzsachverständigen finden und Kontakt zu den ehrenamtlich tätigen Fachleuten aufnehmen. Deren Aufgabenschwerpunkt liegt im Erkennen ungenießbarer oder gar giftiger Pilze. Die Pilz-Experten betonen, dass eine exakte Bestimmung nach Fotos nicht möglich ist: Die Pilz-Ernte muss in natura begutachtet werden.

dgfm-ev.de/service/pilzsachverstaendige

Dabei ist das, was wir gemeinhin „Pilz“ nennen, lediglich der Fruchtkörper eines viel größeren Organismus‘, der über sein Wurzelgeflecht (Myzel) auf noch längst nicht hinreichend erforschte Weise Kontakte und Zusammenarbeit zu gegenseitigem Nutzen mit den ihn umgebenden Pflanzen und Bäumen pflegt.

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