Im Schaufenster des 100 Jahre alten Salons Dietz kann man derzeit unter eine altehrwürdige Wella-Haube kommen. Oder auf den Kinderstuhl aus den Anfangsjahren des Betriebs.
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Im Schaufenster des 100 Jahre alten Salons Dietz kann man derzeit unter eine altehrwürdige Wella-Haube kommen. Oder auf den Kinderstuhl aus den Anfangsjahren des Betriebs.

Traditionsreicher Betrieb

Hünfelder Friseursalon Dietz wird 100: Wo sich Zuse das Haar schneiden ließ

Ein Stück Hünfelder Handwerksgeschichte dokumentieren derzeit die Schaufenster des Friseursalons Dietz am Niedertor in Hünfeld: Dauerwellengeräte, Lederriemen zum Abziehen des Rasiermessers, eine betagte Wella-Haube und ein 100 Jahre alter Kinder-Friseurstuhl belegen, dass hier ein traditionsreicher Betrieb zu Hause ist. Seit 100 Jahren gibt es an diesem Standort den Friseursalon Adolf Dietz. 

Hünfeld - Der jetzige Chef heißt wie der Gründer: Der 63-jährige Adolf Dietz führt den Friseursalon in Hünfeld jetzt in der dritten Generation. Seit 1980, als sein Vater Rudolph plötzlich starb, ist er der Chef. Gemeinsam mit seiner Frau Hannelore betreibt er das Geschäft. Nach vielen Jahren mit einem größeren Team – insgesamt bildete er zehn Lehrlinge aus – arbeitet er inzwischen allein.

Im Vergleich zu den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg, als sein Großvater als junger Meister den Salon gründete, hat sich vieles geändert. Der liebevoll-leicht verschnörkelte Meisterbrief weist den Gründer, Jahrgang 1894, als Meister im „Handwerk der Friseure“ aus. Das war damals reine Männersache, berichtet der Enkel. Neben dem Haare schneiden sei das Rasieren vor allem zum Wochenende ein ganz wichtiger Arbeitsbereich gewesen.

Hünfeld: Salon Dietz besteht seit 100 Jahren

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Das ist längst anders geworden. Verändert hat sich auch der Umgang mit der Zeit: „Früher kam man, hat sich hingesetzt und gewartet, bis man dran war“, erinnert sich Dietz. Das habe auch niemanden wirklich gestört, weil es immer Neues zu erfahren gab. „Manchmal haben die Leute auch den nächsten vorgelassen, weil sie noch nicht fertig ,geschwätzt’ hatten.“

Philipp Zuschlag von der Handwerkskammer Kassel (links) überreichte Meister Adolf Dietz und dessen Frau Hannelore die Urkunde zum 100-jährigen Bestehen des Salons.

Adolf Dietz junior lernte seinen Beruf in Bad Hersfeld – selbstverständlich mit Zuständigkeit für Damen und Herren. Und weil der Ausbildungssalon bei den Festspiel-Schauspielern einen guten Namen hatte, kam der junge Adolf Dietz schon in den Genuss, dem Schauspieler und Kabarettisten Klaus Havenstein, aber auch dem Schauspieler-Ehepaar Nadja Tiller und Walter Giller die Frisur bühnengerecht zu machen.

Eigentlich wollte Adolf Dietz, der neben seiner Anstellung auch als „Stylist“ bei der Haarpflege-Firma Goldwell tätig war, in der Friseur-Weiterbildung arbeiten. Doch der frühe Tod seines Vaters gab den Plänen eine andere Richtung.

Älteste Stammkundin im Salon Dietz ist 104 Jahre alt

Sogar Fernseh-Erfahrung konnten Hannelore und Adolf Dietz sammeln, als der Hessische Rundfunk einen Beitrag über die Wella drehte. Überhaupt habe es eine Reihe öffentlicher Aktionen gegeben, erinnert sich Dietz. Regelmäßig habe es auf einer Bühne vor dem Hünfelder Rathaus Modenschauen mit den Textilfirmen Hartmann und Vogt gegeben. Hier war der Salon Dietz dafür zuständig, dass bei den Profi-Models nicht nur die Kleidung, sondern auch die Frisur bestens saß.

Das waren Jahre, als es, von der „Wella“ ausgerichtet, noch eigene Branchen-Sportwettbewerbe gab. Und weil Adolf Dietz ein vielseitig talentierter Hobbysportler ist, konnte er dort Titel als Deutscher Meister im Halbmarathon, aber auch im Riesenslalom einsammeln.

Doch auch in Hünfeld gab es reichlich zu tun – und die Umstellung auf neue Moden und Trends sorgte immer für Abwechslung. Doch zu einem alteingesessenen Friseursalon gehören Stammkunden. Beim Salon Dietz waren auch „Promis“ dabei: Die Eheleute Gisela und Horst Zuse. Doch was wirkliche Kundentreue ist, beweist Rosel Link, die heute im Mediana St. Ulrich lebt: Für die Frisur der 104-Jährigen ist von Anfang an der Salon Dietz zuständig.

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