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Neues von der Strom-Autobahn: Hünfelder Land stark betroffen

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Von: Harry Wagner

Wo und wie soll künftig der Strom im Zuge der Fulda-Main-Leitung fließen? Der Netzbetreiber will am 10. Mai mit weiteren Informationen an die Öffentlichkeit gehen. Die Veranstaltung findet in der Stadthalle Kolpinghaus in Hünfeld statt.
Wo und wie soll künftig der Strom im Zuge der Fulda-Main-Leitung fließen? Der Netzbetreiber will am 10. Mai mit weiteren Informationen an die Öffentlichkeit gehen. Die Veranstaltung findet in der Stadthalle Kolpinghaus in Hünfeld statt. © Archivfoto Stadt Hünfeld

Die vorgesehene Wechselstromtrasse Fulda-Main-Leitung, auch bekannt als P 43, sorgt in den betroffenen Kommunen für Unruhe. Stark betroffen wären von dem Großprojekt auch die Gemeinden des Altkreises Hünfeld.  

Hünfeld - Der Netzbetreiber Tennet möchte dieses Vorhaben zur Energieversorgung bis zum Jahr 2031 verwirklicht sehen und hat bereits einen Antrag auf Bundesfachplanung gestellt. Es geht um eine 380-Kilovolt-Wechselstromfernleitung (Fulda-Main-Leitung), die Osthessen betreffend von Ludwigsau-Mecklar zum Umspannwerk nach Dipperz führen soll.

Hünfelder Land: Gemeinden im Haunetal stark von Fulda-Main-Leitung betroffen

Für diese Leitung sind derzeit noch drei Trassenkorridore im Rennen, die allesamt die Stadt Hünfeld sowie die Gemeinden Burghaun, Eiterfeld und Nüsttal tangieren. Über den bisherigen Planungsstand möchte Tennet am Dienstag, 10. Mai, ab 16 Uhr, die Öffentlichkeit bei einem so genannten Infomarkt in der Stadthalle Kolpinghaus in Hünfeld informieren. Vier Stunden sind dafür anberaumt worden. Bei einem Termin in Petersberg äußerten bereits zahlreiche Bürgerinnen und Bürger ihre Bedenken bezüglich des Projekts.

Mit breiter Zustimmung für seine Pläne sollte der Netzbetreiber also besser nicht rechnen. So hat die Stadt Hünfeld die drei von Tennet ins Spiel gebrachten Trassenkorridore bereits als ungeeignet definiert. „Sie scheiden aufgrund der sehr hohen Raumwiderstände allesamt aus“, betont Magistratspressesprecher Helmut Käsmann.

Zu diesem Schluss seien Magistrat wie auch Stadtverordnetenversammlung gekommen. Hünfeld fordert, über weitere Alternativen nachzudenken und macht selbst einen Trassenvorschlag, der eine Leitungsführung westlich der Gemarkung Michelsrombach vorsieht. Tennet halte jedoch, so die Stadt, an den bisherigen drei Trassenvarianten fest – Ost, Mitte, West.

Mittlerer Korridor als Favorit

Tennet bevorzugt den mittleren Korridor. Dieser führt von Norden kommend über Roßbach und Gruben ins Haunetal, das nach Meinung vieler ohnehin bereits an einer Überbündelung durch diverse Leitungen, Fernstraßen und Eisenbahnlinien leidet. Über die Gemarkungen Hünfeld und Sargenzell soll die Trasse zwischen Nüst und Rückers weiter verlaufen, in Richtung Mackenzell.

Dabei tangiert sie auch Dammersbacher Gemarkung. Schließlich würde sie das Gebiet der Gemeinde Nüsttal erreichen und dort auf die Bestandsleitung treffen. Auf Teilstrecken soll die Leitung unterirdisch laufen, dazu gibt es allerdings noch keine konkreten Informationen.

West- oder Ost-Strang als Alternativen?

Der Ost-Strang für den Bau einer neuen Leitung ist gleichbedeutend mit dem Verlauf der bestehenden Leitung, die das Hünfelder Stadtgebiet bei Stendorf erreicht und über Kirchhasel, Großenbach, Mackenzell und Molzbach ins Nüsttal führt. Aber eigentlich ist die Ost-Trasse schon gar keine Alternative mehr. Im Zuge der Planungen der SuedLink-Gleichstromtrasse, die jetzt durch Thüringen verlaufen soll, hat Tennet selbst eingeräumt, aus Gründen des Raumwiderstands und des Natur- und Wasserschutzes im Osten Hünfelds keine neue Stromtrasse legen zu können.

Der West-Strang würde von Norden kommend zunächst an der A7 entlang führen, bei Burghaun in östliche Richtung abknicken und im Haunetal den Weg nach Süden über Sargenzell und Marbach in Richtung Dipperz nehmen.

Kritik richtet sich gegen zu hohe Strommasten

Gegner der Fulda-Main-Leitung beschweren sich unter anderem über die Dimensionen der geplanten Strommasten, die mit einer Höhe von 65 bis 70 Metern aus dem Boden ragen sollen. Nicht zuletzt deshalb gibt es zahlreiche Befürworter einer Erdverkabelung. Wenn SuedLink, so die Argumentation, weitgehend unterirdisch verlaufe, so müsse dies bei der Fulda-Main-Leitung auch möglich sein.

Bei einer nur teilweise Verkabelung unter der Oberfläche müssen allerdings Umsetzer gebaut werden – Vorrichtungen, die die im Boden verlaufende Leitung wieder an die Freileitung anschließen. Sie erfordern einen großen Flächenverbrauch – Experten gehen davon aus, dass eine von diesen Anlagen einen Raumverbrauch von der Größe eines Fußballfeldes hat.

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