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Nun bleiben die Gläser im Stadtcafé leer. Daniela und Stefan Baitinger stoßen ein letztes Mal an.

Nach zwölf Jahren

Hünfelder Stadtcafé schließt am Samstag - mit Abschiedstour und Flohmarkt

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Wer ein letztes Mal das Ambiente des Hünfelder Stadtcafés genießen möchte, der sollte sich sputen: Am kommenden Wochenende öffnen letztmals die Türen. Nach zwölf Jahren wird das Kleinod des kulturellen Lebens in der Innenstadt der Vergangenheit angehören.

Hünfeld - „Das ist nicht gerade unser Jahr“, sagen Daniela (40) und Stefan Baitinger (43). Das Hünfelder Betreiber-Ehepaar musste zunächst die bittere Pille namens Kündigung zum 30. Juni schlucken. Wenig später brach die Coronavirus-Pandemie aus und stellte das Leben der Familie noch mehr auf den Kopf.

Sollen die Baitingers über das Aus des Stadtcafés sprechen, sagen sie, „dass wir es einerseits noch immer nicht realisiert haben und andererseits mit jeder Frage danach unsere Gefühle noch mehr beansprucht werden“. Zwar fließen keine Tränen, doch ihre Stimmen sind gedämpft. Deprimierend sei das alles: „Immerhin wurde uns unser Beruf genommen.“

Konzept des Hünfelder Stadtcafés war nur auf fünf Jahre ausgelegt

Ursprünglich sei das Konzept des Stadtcafés auf fünf Jahre ausgelegt gewesen, berichten sie und erläutern, „dass dieser Plan nach und nach über den Haufen geworfen wurde“. Das Stadtcafé entwickelte sich über die zwölf Jahre stets weiter. Nicht nur Kleinkunst, Lesungen und Konzerte fanden dort ihren Platz.

Auch die Back- und Kochkunst der Baitingers sowie Cocktailkurse und Weinverkostungen sorgten für Stammpublikum. Das Konzept mit Kaffee, Kuchen und Essen bis 20 Uhr und anschließendem Barleben mit knalliger Musik funktionierte. Die „spanische Rhön“ etablierte sich zusehends.

Stadtcafé Hünfeld: Baitingers wollen sich auf Catering-Geschäft konzentrieren

Als der Pachtvertrag Anfang des Jahres nicht verlängert wurde, mussten sich die Baitingers damit beschäftigen, wie es ab Juli weitergehen könnte. „So ein Projekt wie das Stadtcafé werden wir nicht mehr angehen“, sagen sie. Das ganze Herzblut könnten sie nicht noch einmal investieren, zumal sie stets mit der Ungewissheit leben müssten, dass es wie jetzt auch nicht mehr weitergehen könnte.

Und so werden sie sich in Zukunft auf das Catering-Geschäft konzentrieren. Dazu wollen sie an unterschiedlichen Standorten Kleinkunst-Events stattfinden lassen – sobald das wieder möglich ist. Erste Locations in der Region seien gefunden, Gespräche mit nahestehenden Künstlern geführt.

Großer Ausverkauf im Hünfelder Stadtcafé

Die Möglichkeit, dass die Gastronomie seit vergangenem Freitag unter Einhaltung gewisser Bestimmungen wieder öffnen darf, nutzen die Baitingers nur kurz – und das nicht mehr für einen regulären Betrieb. „15 Leute dürften hier Platz nehmen, das ergibt keinen Sinn“, sagen sie und haben aus dem Stadtcafé just einen Flohmarkt entwickelt, dessen erste Auflage bereits am vergangenen Wochenende stattfand.

„Eigentlich ist alles zu verkaufen, was hier rumsteht“, erklären sie und zeigen auf Stühle, Tische, Schnaps und die Theke. Dazu werden Drinks und Burger serviert. Am kommenden Freitag und Samstag von jeweils 12 bis 20 Uhr ist endgültig großer Ausverkauf. Danach ist Schluss. Zumindest im Stadtcafé.

Keine Abschiedsparty im Hünfelder Stadtcafé

Durch die Pandemie wird den Baitingers die Möglichkeit einer Abschiedsparty genommen. „Eigentlich wollten wir es noch einmal richtig krachen lassen. Alle Stammgäste einladen, mit 120 Leuten abrocken“, sagen sie und haben sich stattdessen eine Abschiedstournee überlegt. „Sofern ab 5. Juni weitere Lockerungen eintreten, kommen wir mit dem Stadtcafé einfach zu unseren Gästen nach Hause.“

Wieder einmal hat die Not erfinderisch gemacht. Fixpunkte des Konzepts sind: Cocktails und Essen von den Baitingers sowie Musik oder Kleinkunst von einem Künstler. Bis Ende Juni soll die Abschiedstour andauern. Und dann werden sie eines am meisten vermissen: „Das Barleben, das kommt nicht mehr wieder. Sehr traurig.“

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