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„Humor hinter Gittern“: Gefängnisseelsorger aus Hünfeld geben Knast-Witzebuch heraus

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Hünfeld/Fulda - Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Zwei Gefängnisseelsorger aus Hünfeld haben den Witzen hinter schwedischen Gardinen nachgespürt. Häftlinge und Vollzugsbeamte haben ihre besten Gags beigesteuert.

Sagt der Richter zum Angeklagten: „Sie können wählen zwischen 10 Tagen Gefängnis und 1000 Euro.“ Antwort des Angeklagten: „Dann nehme ich das Geld.“

Menschen reißen oft und gern Witze über das Gefängnis. Dass aber auch Häftlinge sich Witze erzählen, ist eher wenigen Leuten bewusst. Seelsorger der Justizvollzugsanstalt im hessischen Hünfeld haben nun – wie wir bereits im Dezember in der gedruckten Ausgabe unserer Zeitung berichteten – Gags aus dem Knast gesammelt und in dem Buch „Humor hinter Gittern“ zusammengestellt. Die treffende Unterzeile: „Der hat gesessen!“

Einer, der auch seinen Spaß mit dem Buch hat, ist Rainer Kaufmann (Name auf Wunsch des Häftlings geändert). Er sitzt seit fast zwei Jahren wegen Betrugs in Haft – und hat noch einige Jahre vor sich in seiner Elf-Quadratmeter-Zelle. Der 66-Jährige aus dem nahen Fulda sagt: „Anfangs vergeht einem das Lachen, wenn man hier reinkommt. Aber ich habe mir vorgenommen, mir meine Fröhlichkeit nicht nehmen zu lassen. Humor kann die Haft ungemein erleichtern. Wenn man herzhaft lachen kann, hilft das aus emotionalen Tiefs. Man muss auch zusehen, dass man seine Zeit hier sinnvoll und angenehm gestaltet.“

Der katholische Seelsorger Meins Coetsier ist einer der zwei Initiatoren des Buchprojekts. Dass viele hier nichts zu lachen haben, will er nicht verharmlosen: „Natürlich sind die Zeiten hinter Gittern ernst und schwer mit vielen Problemen, psychisch auffälligen Momenten, Gewaltakten und Langeweile.“ Aber Humor könne Spannungen abbauen, sagt sein evangelischer Amtskollege und Mitherausgeber Andreas Leipold. Coetsier findet auch: „Witze und gute Laune tragen zur Seelen-Hygiene bei.“ Zudem könnten sich die Inhaftierten kreativ betätigen.

Das hessische Justizministerium begrüßt die Arbeit der Seelsorger. Sie unterstützten die Arbeit der Justiz-Beamten im Strafvollzug enorm, indem sie sich in Projekten für die Gefangenen engagierten. Ein Justizsprecher sagte: „Die Themen für diese Projekte suchen sie sich frei aus und orientieren sich dabei häufig an den Bedürfnissen und Wünschen der Inhaftierten.“ Damit leisteten sie einen wichtigen Beitrag zur Resozialisierung der Gefangenen, lobt das Ministerium.

Ein Bauer wurde zu 60 Tagen Gefängnis verurteilt. Seine Frau schrieb ihm wütend einen Brief: „Jetzt, wo Du im Loch sitzt, erwartest Du wohl von mir, dass ich das Feld umgrabe und Kartoffeln setze? Aber nein, das werde ich nicht tun!“ Sie bekam als Antwort: „Trau’ dich bloß nicht, das Feld anzurühren, dort habe ich das Geld und die Waffen versteckt!“ Eine Woche später schreibt sie ihm erneut einen Brief: „Jemand im Gefängnis muss deinen Brief gelesen haben. Die Polizei war hier und hat das ganze Feld umgegraben, ohne was zu finden.“ Die Antwort ihres Mannes: „So, jetzt kannst Du die Kartoffeln setzen.“

Die Themen der Witze seien in der Justizvollzugsanstalt ähnlich wie außerhalb, sagt Leipold. „Es wird aber auch die System-Hierarchie im Gefängnis infrage gestellt.“ Pointen auf Kosten der Vollzugsbeamten hätten es nicht ins Buch geschafft. „Natürlich gibt es Tabus, etwa wenn auf Kosten von Minderheiten, über die sexuelle Orientierung oder Religion gescherzt wird. Über den Islam zum Beispiel sollten keine Witze gemacht werden. Das würde die Stimmung nur belasten.“

Die Witze wurden von der Anstaltsleitung wohlwollend auf ihre Allgemein-Verträglichkeit geprüft, bevor sie in Druck gingen, wie Leipold sagt. „Aber bei einigen Witzen bin ich positiv überrascht, dass sie gedruckt werden durften, obwohl sie durchaus systemkritisch sind“, merkt der Pfarrer an. Er findet, dass in der hessischen Justiz mehr Humor herrsche, als man denke. „Dass wir als Weihnachtsgeschenk aus dem Ministerium einen Foto-Kalender mit hessischen Gefängnissen bekommen, finde ich zum Beispiel sehr komisch.“

Mit Buchprojekten im Gefängnis kennen sich die Seelsorger aus. Im Mai 2017 erschien bereits ein Kochbuch „Kit(t)chen Cooking“. Mehr als 60 Rezepte kamen zusammen, von „Nudeln mit Tomaten à la Susi“ bis hin zum „Somalischen Knastkuchen“. Wer ihre Witze-Sammlung lesen möchte, bekommt sie nicht im Handel. Verschickt wird nur auf E-Mail-Anfrage (an: a.leipold@t-online.de) für 10 Euro plus Versandkosten. „Damit decken wir dann gerade einmal die Druckkosten“, sagt Leipold. Im Buch steht auch zu lesen, wie der hier ausgeht:

Zwei Gefangene wollen ausbrechen. Sagt der eine: „Ich habe eine Taschenlampe. Du kannst an dem Strahl hochklettern.“ Erwidert der andere: „Ich bin doch nicht blöd, wenn Du die Lampe ausmachst, falle ich runter.“

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