Fotos: Sabrina Mehler

Internetcafé für Senioren: Surfen lernen statt Socken stricken

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Leibolz - Computer und Internet haben der Welt fast unendlich viele Möglichkeiten beschert, gerade älteren Menschen auf dem Land kann das digitale Zeitalter den Alltag erleichtern. Doch viele Senioren und Seniorinnen scheuen sich vor der weiten Internetwelt, und die meisten brauchen anfangs Hilfe. Dafür gibt es das mobile Senioren-Internetcafé in Leibolz und Rasdorf.

Von unserem Redaktionsmitglied Sabrina Mehler

„Wir wollen nicht zum alten Eisen gehören“, sagt Angelika Litz klipp und klar. Die 63-jährige Eiterfelderin besucht heute mit ihrer vier Jahre jüngeren Schwester Marie-Luise Heumüller aus Mackenzell das Internetcafé im Leibolzer Generationentreff, um fitter an den technischen Geräten zu werden. Sie macht deutlich: „Ich muss doch nicht zu Hause Socken stricken. Ich will ein Stück lebendig und in der Zeit bleiben.“

Angebot in Leibolz seit fünf Jahren

Dabei hilft das Café, das vom Landkreis Fulda sowie den Gemeinden Eiterfeld und Rasdorf gefördert wird. In Rasdorf besteht das Angebot seit sieben Jahren, in Leibolz seit etwas mehr als fünf Jahren. Seitdem konnten die Betreuer zahlreichen älteren Frauen und Männer auf die Sprünge helfen. Die Motivation, hier teilzunehmen, ist unterschiedlich: Der eine wagt sich ans Online-Banking, der andere will in Kontakt mit den weit weg wohnenden Kindern bleiben: Und da ist eben die Fähigkeit gefragt, E-Mails zu versenden oder mit der Anwendung WhatsApp in Sekundenschnelle Nachrichten und Bilder auf die digitale Reise zu schicken.

Angelika Litz zum Beispiel nutzt das Internet häufig, um Dinge zu bestellen. Heute will sie aber lernen, wie sie die Ordner auf ihrem Laptop strukturieren und in Schuss halten kann. Das Besondere: Im Internetcafé steht niemand vor der Gruppe wie vor einer Schulklasse und erläutert an einer Tafel, wie ein Notebook gestartet wird: Stattdessen bekommt jeder einen Betreuer, mit dem er anschließend gemeinsam an Laptop oder Handy herumtüfteln kann. Die Atmosphäre ist locker, freundlich, herzlich – und Kaffee gibt’s auch. Jeder hat andere Fragen, jeder andere Probleme.

Soziale Medien werden genutzt

Die ehrenamtlichen Betreuer, darunter zum Beispiel der Eiterfelder Friedhelm Waterkamp und die Großentafterin Edeltraud Dehler, helfen gerne – ebenso wie Bruno Müller, der Initiator des Internetcafés ist. Er berichtet, wie sich das Angebot im Laufe der Jahre verändert hat: „Am Anfang kamen viele ältere Menschen zu uns, die noch gar nicht mit dem Rechner umgehen konnten. Heute haben sie meist mehr Kenntnisse.“ Und während vor ein paar Jahren die Menschen nur Laptops hatten, bringen sie nun auch ihre Smartphones und Tablets mit. Ein weiterer Unterschied: Früher war noch der Umgang mit der Videotelefonie-Anwendung Skype gefragt, heute nutzten Ältere stärker soziale Medien wie Facebook.

Regelmäßig nimmt auch Elke Möller an dem Angebot teil. Ihre Kinder haben ihr vor einigen Jahren einen Laptop geschenkt: „Den habe ich aber erst einmal beiseite gestellt“, berichtet sie lachend. Ihr habe zunächst die Zeit gefehlt, sich damit zu beschäftigen. Aber als sie merkte, dass sie oft außen vor war, wenn sich Freunde zu einem Termin verabredeten – „ich war die einzige, die immer angerufen werden musste“ –, änderte sich ihre Meinung. Jetzt findet sie sich immer besser in der Computer- und Internetwelt zurecht. Seit heute weiß sie auch, wie sie ihre Bilder vom Smartphone auf den Laptop überspielen kann – der kundigen Hilfe von Betreuerin Dehler sei Dank.

Internet sei hilfreich

Wegen der Fotos und um E-Mails zu verfassen, hat auch die Langenschwarzerin Margit Reineke beschlossen, im Internetcafé Hilfe zu suchen. „Manchmal sind es kleine Sachen, bei denen man zu Hause alleine nicht weiterkommt“, berichtet sie. Gerade versucht sie, mit Hilfe von Bruno Müller, sich bei einem uralten E-Mail-Account anzumelden, bei dem das Passwort in Vergessenheit geraten ist – gar keine ganz einfache Sache. Das fordert sogar Bruno Müller.

Der 72-Jährige erklärt: „Ich sage nicht zu allen älteren Menschen: Ihr müsst ins Internet.“ Wer kein Interesse daran habe, der brauche es nicht. Aber hilfreich sei es mitunter schon. Müller erinnert daran, als vor einigen Jahren mehrere Bankfilialen in den Orten geschlossen wurden. „Da waren plötzlich viele Menschen mit der Frage konfrontiert, wie eigentlich Online-Banking funktioniert.“

Auf Bedürfnisse eingehen

„Hier kann man all das von der Pike auf lernen“, unterstreicht zum Beispiel auch Betreuer Gerhard Wienert (75), der wie seine Kollegen und Kolleginnen mit viel Freude sein Wissen vermittelt. „Wir können gezielt auf die Bedürfnisse der Senioren eingehen“, ergänzt Friedhelm Waterkamp, der selbst 80 Jahre alt ist. „Und wenn jemand etwas nicht gleich versteht oder wieder vergessen hat, dann fangen wir beim nächsten Mal eben von vorne an.“

Denn ein wenig Geduld ist manchmal gefragt – um die Computerwelt zu verstehen, braucht es eben mehr als einen Vormittag. Aber mit Spaß und Freude, mit netten Menschen und einer Tasse Kaffee funktioniert das im Leibolzer Generationentreff schon recht gut.

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