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Vor 70 Jahren starb Abtbischof Bonifaz Sauer in koreanischer Haft

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Ufhausen/Pjöngjang - Januar 1877: In einer Bauernfamilie in Oberufhausen kommt Josef Sauer zur Welt. Bei den Missionsbenediktinern bekommt er den Ordensnamen Bonifaz. Der Mann vom Dorf im Hünfelder Land macht in Ostasien eine steile Ordenskarriere. Vor 70 Jahren starb er als Märtyrer in Korea. Am Wochenende gedenken die Menschen in Ufhausen und der Region seiner.

Von unserem Redaktionsmitglied Hartmut Zimmermann

Die Begabung des jungen Josef wurde früh bemerkt – und gefördert. Offenbar setzten die Eltern auf einen Weg in den Benediktinerorden. Und weil das geografisch nähere Kloster in Münsterschwarzach damals noch nicht bestand, kam der junge Mann nach der Gymnasialzeit ins oberbayerische St. Ottilien. Dort legte er mit 23 Jahren seine Profess ab.

Dass damit aus Josef Sauer Bonifaz wurde (er selbst unterschreibt in seinen Briefen meist mit „Bonifacius“), ist für Dechant Markus Blümel doppelt signifikant: „Damit haben die Benediktiner sicher auf seine Herkunft aus dem Fuldaer Land angespielt, auf die Gegend, die besonders mit dem Klostergründer Bonifatius verbunden ist. Aber vielleicht haben sie damit auch die Gaben und die Persönlichkeit des jungen Mönchs beschrieben“, vermutet der Eiterfelder Pfarrer.

Weg nach Korea

Der Weg, den Bonifaz Sauer danach gehen sollte, war unvergleichlich länger als der seines englisch-fuldischen Namenspatrons. Denn der Orden schickte Bonifaz Sauer, der 1903 zum Priester geweiht worden war, 1909 in den wahrlich Fernen Osten: nach Korea. Dort übernahm er die Leitung eines Priorats. Als dieses zur Abtei erhoben wird, heißt der erste Abt Bonifaz Sauer. Zur Weihe reiste er am Vorabend des Ersten Weltkriegs 1913 ins Mutterkloster St. Ottilien. Die Verantwortung wuchs: 1921 wurde er in Seoul zum Bischof geweiht. Nachdem 1920 den Benediktinern große Gebiete im Norden Koreas übertragen worden waren, gab man die Abtei in Seoul auf und gründete eine neue in einem Ort namens Tokwon. Auch hier übernahm Abt Bonifaz die Leitung. Der neue Standort zog viele Menschen an, bildete selbst Priester aus und wurde Zentrum einer Diözese. Unter Abt Bonifaz‘ Leitung gab es eine rege Bau- und Entwicklungstätigkeit: Schulen und Krankenhäuser wurden errichtet. Und immer wieder mal nutzte der Abt bei Reisen zum Mutterkloster in Bayern die Gelegenheit, auch seine Heimat in Hessen zu besuchen.

Dramatische Änderung in 1945

Während die Jahre des 2. Weltkriegs in jener Weltgegend vergleichsweise ruhig verliefen, änderte sich die Situation 1945 dramatisch: Am 10. August erklärten sowjetische Truppen Japan den Krieg und besetzten das bis dahin von Japan beherrschte Areal Koreas. Die Kapitulation Japans nach den amerikanischen Atombombenabwürfen führte zur bis heute andauernden Teilung Koreas: Alle Gebiete nördlich des 38. Breitengrads, dazu gehörte auch Tokwon, fielen an den sowjetisch dominierten Norden. Die kommunistische Regierung ging scharf gegen die Christen vor: Viele von ihnen, darunter auch Abtbischof Bonifaz und viele seiner Mitbrüder, aber auch Ordensfrauen eines benachbarten Klosters, kamen in Haft. Die Bedingungen waren extrem brutal. Insgesamt 36 der Inhaftierten starben an Unterernähung, Krankheiten oder wurden ermordet. Einer von ihnen: Bonifaz Sauer Er starb am 7. Januar 1950 in Pjönjang.

„Nicht ,nur‘ eine Auszeichnung für ein herausragendes Leben“

Dass nun bald ein Christ aus Ufhausen selig gesprochen werden dürfte, ist für Pfarrer Blümel nicht „nur“ eine Auszeichnung für ein herausragendes Leben. „Ich sehe in Bonifaz Sauers Weg auch ein Zeichen für das Priestertum aller Gläubigen“, betont er. Denn alle Getauften seien ja aufgerufen, Jesus nachzufolgen. Bonifaz Sauer habe sich senden lassen. Dass „einer von uns“, dass einer, der hier getauft und herangewachsen sei, solch einen Weg gehen könne, sei ein Mut machendes Zeichen.

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