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Jahrzehntelang auf Hünfelder Dachboden: Schriften entpuppen sich als Torarollen

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Von: Redaktion Fuldaer Zeitung

Fotos: Hartmut Zimmermann
Fotos: Hartmut Zimmermann

Hünfeld - Das Foto einer Buchseite mit hebräischen Schriftzeichen, veröffentlicht auf der Internetseite der Fuldaer Zeitung, hat einen historischen Schatz ans Tageslicht befördert: Teile von drei Torarollen, die jahrzehntelang auf einem Hünfelder Dachboden gelegen haben.

Redakteur und Autor dieses Artikels: Hartmut Zimmermann Pfarrerin Johanna Rau, Ehrenvorsitzende des Heubacher Fördervereins, rät mir, Kontakt zu Dr. Manuel Goldmann aufzunehmen. Der evangelische Theologe ist Beauftragter für die Kontakte zu den jüdischen Gemeinden. Er übernimmt es, den Beauftragten der orthodoxen Rabbinerkonferenz für den Kontakt zu den christlichen Kirchen, Rabbiner Jehoshua Ahrens, über den ungewöhnlichen Fund zu unterrichten. Zuvor hat Goldmann bei einem Treffen in der Hünfelder Redaktion gemeinsam mit Elisabeth Sternberg-Siebert, der Kennerin der jüdischen Geschichte der Region, sowie Margit Stock vom Stadtarchiv Hünfeld und Ute Schneider von Konrad-Zuse-Heimatmuseum die Fundstücke in Augenschein genommen. Die Hoffnung, beispielsweise durch eine Widmung einen Hinweis darauf zu finden, aus welcher Synagoge die Rollen stammen, erfüllt sich nicht. Die Untersuchung brachte aber zumindest Klarheit darüber, dass es sich definitiv um Torarollen handelt.

Leider ist keine der Rollen vollständig: Alle drei sind Fragmente – die Art des Beschreibens zeigt, dass sie nicht von der Hand ein und desselben „Sofers“ (Schreibers) gefertigt wurden. Die Texte brechen willkürlich ab – die Folge der Pergamentbögen, die zu einer Rolle aneinandergenäht werden, endet, weil die Folgebögen abgetrennt wurden. Eine der Rollen ist noch mit einem – abgebrochenen – Stab verbunden. Auf ihr ist das Moses-Buch Genesis – der Anfang der christlichen Bibel – aufgeschrieben, das mit den Worten „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ beginnt und das von den Juden entsprechend danach „Bereschit“ (Im Anfang ...) genannt wird. Diese Rolle endet mit 2. Mose (Buch Exodus) 12, Vers 9. Eine weitere Rolle beginnt vermutlich ebenfalls mit dem Buch Genesis und bricht bei 3. Mose 22, Vers 7, ab. Die letzte Rolle beginnt mit dem 4. Buch Mose (Numeri), 14, Vers 40 und endet mit dem letzten Kapitel des fünften Mose-Buchs (Deuteronomium).

Hinweise darauf, aus welcher Region und welcher Zeit die drei Fundstücke stammen und ob sie nicht doch einen Bezug zum Hünfelder Land oder zur weiteren osthessischen Region haben, kann nur eine wissenschaftliche Untersuchung des Materials klären.

Woher auch immer die Rollen kommen: Beim weiteren Umgang mit ihnen hat künftig des Landesverband der jüdischen Gemeinden in Hessen als Rechtsnachfolger der nicht mehr bestehenden örtlichen jüdischen Gemeinden ein gewichtiges Wort mitzureden.

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