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Jürgen Kitzinger ist seit 1. Mai neuer Direktor am Amtsgericht in Hünfeld

Wechsel aus Melsungen

Jürgen Kitzinger ist seit 1. Mai neuer Direktor am Amtsgericht in Hünfeld

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Nach mehr als einem Jahr Vakanz hat das Amtsgericht in Hünfeld wieder einen Direktor: Dr. Jürgen Kitzinger (48) ist von Melsungen an die Behörde in der Haunestadt gewechselt.

Hünfeld - Jürgen Kitzinger muss nur die Doppeltür seines Büros aufschwingen und zwei Schritte nach vorne treten, dann steht er schon am Richterpult im Gerichtssaal – und kann dem Angeklagten direkt in die Augen blicken. Ein Auftritt, der auch bei seinen Vorgängern schon Eindruck geschunden hat.

Momentan ist der Sitzungsbetrieb wegen der Corona-Pandemie aber noch stark zurückgefahren – und Kitzinger hat Zeit, sich einen Überblick über das Amtsgericht in Hünfeld zu verschaffen, das mit dem zentralen Mahngericht und Vollstreckungsgericht des Landes in Hessen eine ganz besondere Behörde ist.

Nur Positives über das Amtsgericht in Hünfeld gehört

Der gebürtige Kasseler war zuletzt sechs Jahre lang Direktor des Amtsgerichts in Melsungen. Nun sei es Zeit gewesen, einen anderen Landgerichtsbezirk kennenzulernen und den „Horizont zu erweitern“, berichtet er. Die freie Stelle in Hünfeld habe sich angeboten.

„Natürlich habe ich mich vorher informiert – und dabei nur Positives über das Gericht in Hünfeld gehört, von einem guten Arbeitsklima und einer großen Arbeitsbereitschaft“, sagt er lächelnd und fügt an: „Ich fühle mich hier schon jetzt sehr gut aufgehoben und sehr wohl.“

Nun Chef von 110 Mitarbeitern

Ab sofort ist er Chef von dreimal mehr Mitarbeitern als in Melsungen: rund 110 sind es nun. Zwar ist Hünfeld mit seinem zweieinhalb Richterstellen das kleinste Gericht in Hessen, hinzu kommen aber das Mahn- und Vollstreckungsgericht.

„Das ist einmalig in Hessen, und daher ist vieles hier neu für mich. Die Eindrücke sind immens, aber sehr spannend“, erklärt Kitzinger. Mittlerweile habe er sich bereits in die Arbeitsabläufe einarbeiten können. Neben der Verwaltungsarbeit wird Kitzinger vor allem für die Betreuungssachen und die Jugendstrafverfahren zuständig sein.

Vorliebe für das Gebot der Neutralität

„Es ist üblich, dass ein Direktor auch als Richter arbeitet – und das ist mir auch sehr wichtig“, betont er. Der Wunsch, Richter zu werden, habe er immer schon im Hinterkopf gehabt. „Und als im Jurastudium auch die Noten stimmten, habe mich auf eine Richterstelle beworben“, erinnert er sich.

An dem Beruf gefalle ihm besonders „die Freiheit zu entscheiden“. Das sei bei Anwälten anders, die die Entscheidungen lediglich mit vorbereiten könnten. Hinzu komme das Gebot der Neutralität: „Objektiv auf die Sachen zu blicken ist etwas, das mir entgegenkommt.“

Richter für klare Ansagen

Er sei jemand, der als Richter gerne deutliche Aussagen macht: „Bei Urteilsverkündungen sage ich ganz klar: ,So sehe ich das und so ist es.‘ Für die Zukunft am Hünfelder Gericht habe er schon einige Ideen, verrät er. Ganz wichtig sei ihm aber, „dass die Mitarbeiter gerne hier arbeiten“. Die allgemeine Arbeitszufriedenheit sei wichtig – auch wenn man es nie allen recht machen könne, betont er.

Zurzeit wird die Arbeit am Amtsgericht von der Pandemie eingeschränkt. Zahlreiche Mitarbeiter befinden sich im Homeoffice: „Das klappt zum Beispiel im Bereich des automatisierten Mahnverfahrens sehr gut“, erklärt Kitzinger. Nur wenige Fälle, vor allem bei denen eine Eilbedürftigkeit vorliegt, werden verhandelt.

„Bald soll der Betrieb wie überall aber wieder hochgefahren werden“, berichtet er. Im Sitzungssaal seien bereits Trennscheiben als Schutz vor dem Virus installiert worden. Er selbst sei bei diesem Thema „nicht panisch, aber vorsichtig“. Kitzinger, das merkt man ihm an, freut sich auf seine neuen Aufgaben.

Zur Person

Jürgen Kitzinger, der in Lohfelden wohnt, wurde am 1972 in Kassel geboren und studierte Rechtswissenschaften an der Uni Göttingen. Danach arbeitete er kurze Zeit in einer Rechtsanwaltskanzlei, bevor er 2002 in den Staatsdienst eintrat.

Nach Stationen als Richter am Amtsgericht Witzenhausen, Korbach, Melsungen sowie am Landgericht Kassel erfolgte die Abordnung an das Oberlandesgericht in Frankfurt. Seit 2014 war er als Direktor des Amtsgerichts Melsungen tätig.

Hünfeld ist ihm nicht unbekannt – Kitzinger hat in der Haunestadt schon Tennis gespielt. Er ist Vorsitzender der Spielgemeinschaft Tennis Lohfelden, deren erste Mannschaft in der Bundesliga spielt.

Er selbst schwingt den Schläger in der Ü 40-Mannschaft, die in der Regionalliga Süd-West spielt – der in dieser Alterskategorie höchsten deutschen Spielklasse. Es ist ein guter Freizeitausgleich für eine Arbeit, bei der es Kitzinger sicher nicht langweilig werden wird.

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