Viele Eindrücke hat die Studentin Laura L. von ihrer Zeit in der Justizvollzugsanstalt Hünfeld mitgebracht.
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Viele Eindrücke hat die Studentin Laura L. von ihrer Zeit in der Justizvollzugsanstalt Hünfeld mitgebracht. (Archivbild)

„Freundlicher Umgang“

Einblick in den Gefängnisalltag: Psychologie-Studentin absolviert Praktikum in der JVA Hünfeld

  • Ann-Katrin Hahner
    vonAnn-Katrin Hahner
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Praktikum im Gefängnis? Das ist sicherlich ein besonders ungewöhnlicher Ort. Ein Schülerpraktikum ist in einem Gefängnis wie in Hünfeld oder Fulda nicht möglich, ein Praktikum während des Studiums dagegen schon. Laura L. hat ein solches jetzt absolviert.

Hünfeld - Jura-Studenten und Studierende der Sozialpädagogik, der sozialen Arbeit oder angehende Psychologen und Seelsorger können in der JVA praktische Erfahrungen sammeln. Und so hat die Psychologie-Studentin Laura L. ihr Praktikum in der Justizvollzugsanstalt in Hünfeld angetreten.

Trotz einiger beruflicher Vorerfahrungen wird man als junge Frau mit neuen Eindrücken in der Haftanstalt überhäuft. Von den strikten Sicherheitsvorkehrungen und den Regeln, von den mechanischen Geräuschen der Türen und schwenkenden Kameras oder dem Signalton des Personennotruf-Gerätes (PNG) – um nur einige Besonderheiten hinter den Mauern zu nennen. Als Studentin lernt sie den Alltag hinter Gittern kennen und erhält Einblicke in eine vollkommen andere Welt, die den meisten Menschen verborgen bleibt.

Studentin Laura L über Praktikum in JVA Hünfeld: „Freundlicher und respektvoller Umgang“

In einem Gespräch mit dem Gefängnisseelsorger, Diakon Dr. Meins Coetsier, berichtet sie, dass es ihr wichtig erschien, am Anfang ihres Praktikums zu wissen, wer am anderen Ende der Leitung der Kameras vor den Bildschirmen sitzt. „Denn die Bediensteten in der Zentrale sind keinesfalls eine menschliche Version zur ‚kalten‘ Überwachungskamera. Durch meine Zeit, die ich in der Zentrale verbrachte, habe ich den Eindruck gewonnen, dass der Umgang aller Mitarbeiter untereinander nicht nur freundlich und respektvoll, sondern ebenso kameradschaftlich und familiär ist,“ sagte die wissbegierige Studentin.

Studentin Laura hat ein Praktikum in der Hünfelder JVA absolviert.

In ihrem Erfahrungsbericht über diese ungewöhnliche Praktikumsstelle macht sie deutlich, dass „der Mensch hinter diesem herausfordernden Job in keiner Weise mit den Maschinen zu vergleichen ist, die er kontrolliert.“ Während ihrer Einführungstage wurde ihr deutlich, wie wichtig das reibungslose Drehen eines jeden „Rädchens“ in der JVA zur Gewährleistung der Sicherheit ist. Durch die Videoüberwachung fühlt sie sich als Praktikantin von Tag zu Tag weniger beobachtet und stattdessen immer mehr geschützt.

Einblicke in das Leben der Gefängnisinsassen

„Allgemein bekam ich während meiner kurzen ‚Zeit hinter Gittern‘ einen sehr guten Eindruck vom Miteinander und der Dynamik des Arbeitsalltags“ betonte Laura. „Die Belegschaft der JVA tritt als geschlossene Gemeinschaft auf, die nicht nur den Alltag souverän meistert, sondern auch eine stetige Sicherheit aller Beteiligten gewährleistet.“

Während der vom Anstaltsleiter Lars Streiberger genehmigten Gespräche mit Gefangenen in Lauras letzter Woche in der JVA bekam sie Einblick in deren Eindrücke und persönliche Entwicklung während der Haft in Corona-Zeiten. (Lesen Sie hier: Wie das Coronavirus den Alltag im Gefängnis beeinflusst)Ein denkwürdiges Zitat für sie ist der Satz: „Here, a word can make or end your day.“ Im Gefängnis kann ein Wort tatsächlich den Tag beleben oder beenden. Sie erklärt: „Dieser Satz macht indirekt die Gefangenschaft und die damit verbundene Abhängigkeit vom Strafvollzug deutlich.“

Die Dankbarkeit für das Interesse ihrerseits an Gesprächen mit den Gefangenen und die Unterbrechung ihres Alltages erschien Laura jedenfalls so groß, dass sie keinen Zweifel daran habe, „dass auch bei den Gefangenen die Dankbarkeit für die zurückgewonnene Entscheidungs- und Bewegungsfreiheit nach ihrer Entlassung eine Zeitlang anhalten wird.“ (hw)

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