Wie geht es weiter mit der teilweise spendenfinanzierten Pfarrstelle in Wehrda-Rhina? Pröpstin Sabine Kropf-Brandau und Dekan Frank Hofmann leiteten die Gemeindeversammlung in Wehrdas Kirche. / Foto: Hartmut Zimmermann

Kirchengemeinde muss über Förderprojekt entscheiden: Weiterhin Spenden für die Pfarrstelle?

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Wehrda - Dass die Kirche im Dorf bleibt, ist in Wehrda keine Frage. Doch wie es mit der Pfarrstelle der Kirchengemeinde Wehrda-Rhina nach dem Jahr 2022 weitergeht, ist offen. Bei einer Gemeindeversammlung wurde am Dienstag darüber gesprochen, ob das gegenwärtige, teilweise auf Spendenbasis laufende Modell fortgesetzt werden kann. Die Zeit drängt: Ende März muss sich der Kirchenvorstand (KV) entscheiden.

Von unserem Redaktionsmitglied Harmut Zimmermann

Die Gemeindeversammlung diente dem Zweck, dem KV die Möglichkeit zu geben, ein Meinungsbild zu bekommen: Letztlich geht es um die Frage, ob sich auch für die kommenden fünf Jahre genügend Spendenzusagen finden, um auch ab 2023 jährlich die 15 000 Euro zusammenzubekommen, die als Gemeindeanteil nötig sind, um Wehrda/Rhina eine Dreiviertel-Pfarrstelle zu erhalten.

Mit Worten des Danks und der Anerkennung hatte Sabine Kropf-Brandau, die Pröpstin des Sprengels Hersfeld-Hanau, den Abend eröffnet: „Die Idee, eine Viertel-Pfarrstelle durch Spenden aus der Gemeinde zu finanzieren, ist hier im Dorf geboren worden – Sie haben da Großes geleistet.“ 2017 hatte die Laufzeit der auf fünf Jahre befristeten Vereinbarung mit der Landeskirche begonnen, über deren Fortschreibung oder Beendigung nun zu entscheiden ist.

Spendenmodell auf den Weg gebracht

Kröpf-Brandau und der Bad Hersfelder Dekan Dr. Frank Hofmann betonten in ihren Erläuterungen, dass die Pfarrstellenversorgung der Gemeinde gesichert sei – nach den geltenden Regeln mit einer halben Stelle. Doch eine halbe Selle ist nicht automatisch mit der „Residenzpflicht“, also der Zusage, dass die Pfarrerin oder der Pfarrer auch im örtlichen Pfarrhaus lebt, verbunden.

„Damit das Licht im Pfarrhaus nicht ausgeht“, hatten die Wehrdaer auf Initiative des Kirchenpatrons Tim von Campenhausen in der Landeskirche neue Wege beschritten und das Spendenmodell auf den Weg gebracht. Von Campenhausen machte sich am Dienstag erneut für das Projekt stark. Weil es auch für das dörfliche Leben prägend sei, eine solche Persönlichkeit im Dorf zu haben, wolle er für die Fortsetzung des Projekts kämpfen.

12.000 Euro von anderen Spendern

Das tat er auch mit einer konkreten Zusage: Er sei bereit, von den jährlich benötigten 15.000 Euro 7000 Euro zu tragen, sagte er. Er verband aber seine Zusage mit der Bedingung, dass gleichzeitig mindestens 12.000 Euro von anderen Spendern aufgebracht würden.

In den Redebeiträgen wurde deutlich, dass durchaus nicht alle Dauerspender ihr Engagement automatisch fortsetzen wollen. Wehrdas früherer Pfarrer Steffen Blum, der inzwischen in Korbach tätig ist, der aber das Spendenprojekt gemeinsam mit von Campenhausen auf den Weg gebracht hatte, betonte, er sei froh, dass dieser Schritt damals gelungen sei.

Fünf Prozent Dauerspender

Aber er bedauere, dass keine Situation entstanden sind, in der viele kleine Spender mit jeweils überschaubaren Beiträgen die Spendensumme zusammenbringen würden, sondern dass eher wenige Großspender das Projekt zum Wohle aller trügen. Da müsse es eine Änderung geben, appellierte er an die Versammlung.

Aktuell sind 37 der insgesamt 764 Gemeindeglieder Dauerspender – rund fünf Prozent. Ein Wert von zehn Prozent sei unbedingt erstrebenswert, betonte Kirchenvorsteherin Martina Weß. Sie unterstrich, dass man darauf setze, für den Kreis der „Kirchenretter“, die sich mit vielerlei Aktionen auch um Spenden für das Pfarrstellen-Projekt bemühen, neue Aktive und damit neuen Schwung zu bekommen. Ob sich bis zum Entscheidungstag, dem 24. März, die Listen, die in der Kircher herumgingen, gefüllt haben werden, bleibt offen.

Kritische Töne aus der Gemeinde

In den Äußerungen aus der Gemeinde gab es auch kritische Töne – nicht zuletzt wegen der „Spendenbelastung“ der Gemeinde: Bei der aufwändigen Renovierung der Kirchen in Rhina und Wehrda hatten die Menschen in den Dörfern rund zehn Prozent der Kosten durch Spenden beigesteuert.

Eine von Kropf-Brandau zum Abschluss angeregte Probeabstimmung gab ein klares Votum für eine Fortführung des Spenden-Projekts. Entscheiden muss jedoch der Kirchenvorstand.

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