Fotos: Matthias Müller, Hartmut Zimmermann

Kleiner Vogel, große Rarität: Flussregenpfeifer-Brut führt zu Baustopp

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Hünfeld - Ein Flussregenpfeifer hat im Sommer bei Hünfeld an der Haune gebrütet und Junge großgezogen. Was viele mit einem Achselzucken zur Kenntnis nehmen dürften, ist für Vogelkundler eine kleine Sensation. Vermutlich war es die einzige Brut dieser Art im Landkreis. Und so hat der kleine Vogel mit seiner Entscheidung für Hünfeld ganz nebenbei einen Baustopp ausgelöst.

Von unserem Redaktionsmitglied Hartmut Zimmermann

Bauen wollten die Hünfelder Stadtwerke. Denn die Kläranlage soll um eine Fläche zur Klärschlammtrocknung erweitert werden. Um das ausgewählte Grundstück am Breitzbacher Weg – gleich gegenüber des Hochwald-Klärwerks unweit der B 27 – nutzen zu können, musste der dort fließende Bach, das Weihersflößchen, verlegt werden. Und weil mit der Nutzung der Fläche auch viel an Überschwemmungsraum der Haune verbaut wird, musste auch dafür Ersatz geschaffen werden. Das machte allerhand Erdbewegungen erforderlich – und jetzt kommt der Flussregenpfeifer ins Spiel.

Kies-Ecke wird zum Brutplatz

Denn der kleine Vogel – er ist kaum größer als ein Star – gehört nicht zu den Arten, die alle Jahre wieder an den selben Brutplatz zurückkehren, sondern er mag es wild: Er sucht Kiesbänke und Sandflächen, wie sie an ungebändigten Flüssen mit jedem Hochwasser neu entstehen. Wild und ungebändigt ist die Haune zwar nicht, doch weil durch die Arbeiten zum Verlegen des Weihersflößchens auf dem Ufer-Areal viel Erde ausgehoben wurde, um das Volumen für eventuelle Hochwasser-Rückhaltung zu vergrößern, glich die Fläche einer Mondlandschaft. Das war offenbar genau nach dem Geschmack des Vogels: Ein Flussregenpfeifer-Paar schaute sich die Lage ein paar Tage an – und begann auf irgendeiner Kies-Ecke mit der Brut.

Weil er die Gestaltung der Ausgleichsfläche mit dem neuen Überschwemmungsgebiet und der Verlegung des Bachlaufs in Abstimmung mit der Oberen Naturschutzbehörde zu betreuen hatte, war Matthias Müller jeden Tag auf der Baustelle. So war es klar, dass dem Vorsitzenden des NABU Hünfeld und des Kreisnaturschutzbeirats der seltene Gast ins Auge fiel. Als er dann erspähte, dass die Tiere brüteten, setzte er einen Baustopp für die Erdarbeiten durch.

Schutz vor Hobby-Ornithologen

Für viele Wochen ruhten seit Mitte Mai die Arbeiten. Den Grund hielt Müller geheim – auch um die Tiere vor wohlmeinenden Hobby-Ornithologen zu schützen. „Da gibt es immer wieder Leute, die mit extra langen Teleobjektiven unbedingt ihr Bild machen müssen – das hätte vermutlich das Aus für die Brut bedeutet“, begründet er den Schritt. So schrieb die Zeitung im Mai auch nur lau und flau von „naturschutzfachlichen Gründen“.

Heute kann Müller die Ursache nennen – und begeistert von der Spontanansiedlung berichten. Denn obwohl zwei Hochwasser-Schübe im Juni jeweils ein Gelege vernichteten, legten die Flussregenpfeifer im wahrsten Sinne des Wortes noch ein Mal nach – und konnten im dritten Versuch ihren Nachwuchs großziehen. Inzwischen sind die Zugvögel längst in mildere Gefilde gewichen.

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