Archivfoto: Karl-Heinz Burkhardt

Klo-Knockout: Zwei Monate für Rangelei in Hünfelder Gefängnis

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Hünfeld - Um eine Körperverletzung infolge eines Streits in der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Hünfeld ging es zuletzt in einer Verhandlung am Hünfelder Amtsgericht.

Von unserem Redaktionsmitglied Linda Hopius

Dass die Staatsanwaltschaft für die Körperverletzung letztlich zwei Monate Freiheitsstrafe forderte und keine Geldstrafe, wie es in ähnlichen Fällen eher üblich ist, hing wahrscheinlich auch mit dem Ort des Geschehens zusammen: Die Prügelei trug sich in einem Toilettenraum der JVA zu.

Wie es zu dem Streit kam, blieb im Prozessverlauf allerdings ungewiss. Der 35-jährige Angeklagte, der seit November 2014 eine Haftstrafe in Hünfeld absitzt, pochte auf Notwehr. Aus Versehen habe er im Vorbeigehen den auf dem Flur stehenden Putzwagen angestoßen. Daraufhin habe ihn der an der späteren Rangelei beteiligte Mitinsasse, der in der Toilette mit Putzen beschäftigt war, beleidigt und diese Beleidigung bei einer Nachfrage wiederholt. Mit dem Faustschlag, so der 35-Jährige, habe er erreichen wollen, dass die Beleidigungen aufhören.

Es könne ihm zugutegehalten werden, dass er den ersten Faustschlag unumwunden einräumt, so Staatsanwalt Stock. Der als Zeuge geladene Geschädigte hatte die Situation etwas anders empfunden. Er habe in dem Anstoßen des Wagens Absicht gesehen, aber daraufhin neutral gefragt „Warum machst du das?“, woraufhin der Angeklagte mit „Was hast du denn, ist das dein Privatauto?“ geantwortet und ihm dann unvermittelt ins Gesicht geschlagen hätte.

Für den handelnden Richter Dr. Szymon Mazur war der Ursprung der Auseinandersetzung auch erst einmal zweitrangig. „Fakt ist, es gab einen Faustschlag“, so Mazur. Auch das Argument der Notwehr ließ der Richter nicht gelten: „Notwehr ist die Abwehr, die notwendig ist. Auf eine Beleidigung direkt mit einem Faustschlag zu reagieren, ist nicht verhältnismäßig.“ Erschwerend komme hinzu, dass sich der ganze Vorfall in der JVA, und damit einem geschützten Raum, zugetragen habe. „Die Leute müssen in der JVA sicher sein und dürfen keine Übergriffe von Mitinsassen befürchten“, so der Richter.

Die Vorgeschichte des Angeklagten bewerteten Staatsanwaltschaft und Richter strafschärfend: Im April vergangenen Jahres war er bereits wegen einer ähnlichen Angelegenheit zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Der Angeklagte hat nun mit einer Haftverlängerung von zwei Monaten zu rechnen. Außerdem hat er bereits, als direkte Reaktion auf den Vorfall, seine Ausbildungsstelle in der Werkstatt der JVA verloren.

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