Konrad Zuse mit seinen Schülern.
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Seine Schüler lauschen Konrad Zuse aufmerksam.

Ingenieur, Tüftler, Künstler

Konrad Zuse wurde vor 110 Jahren geboren: Hünfeld würdigt „Vater des Computers“ mit Ausstellung

  • Hartmut Zimmermann
    vonHartmut Zimmermann
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Seit 2006 führt Hünfeld den Computer-Erfinder Konrad Zuse als offiziellen Namenszusatz. Am heutigen Montag würde der Mann, der mit vollem Namen Konrad Ernst Otto Zuse hieß, 110 Jahre alt. Die Stadt Hünfeld würdigt ihn mit einer Ausstellung. 

Hünfeld - Die Ausstellung findet im Konrad-Zuse-Museum in Hünfeld statt. Und wer etwas über den „Vater des Computers“ erfahren möchte, der ist in dem Haus genau an der richtigen Stelle. Das Haus zeichnet den Weg des Erfinders nach, und ein Team mit Prof. Horst Zuse, dem Sohn des Erfinders, hat auch einen Nachbau des Rechners „Z 3“, der ein Herzstück der Sammlung ist, wieder zum Leben erweckt. 1941 hatte Zuse mit dem Gerät eine neue Epoche der „Rechenmaschinen“ eingeläutet.

Konrad Zuses 110. Geburtstag: Ausstellung in Hünfeld

Doch zum 110. Geburtstag des Ehrenbürgers zeigen die Hünfelder Museumsmacher, dass der Namensgeber ihres Hauses mehr ist als Ingenieur und Erfinder: Sie lenken den Blick gleichermaßen auf Konrad Zuse und auf Kuno See. Mit diesem Künstlernamen signierte Zuse zahlreiche seiner Bilder.

Ausstellung im Zuse-Museum

„Kuno See – Konrad Zuse 110. Geburtstag eines Künstlers und Genies“, so nennt sich die Ausstellung im Konrad-Zuse-Museum am Kirchplatz in Hünfeld (Dienstag, Mittwoch, Freitag, Sonntag, jeweils 15 bis 17 Uhr). Zum Ehrentag des berühmtesten Bürgers der Stadt ist das Museum auch am Montag von 15 bis 17 Uhr geöffnet. 

Denn der geniale Bauingenieur, Computererfinder und Technik-Mensch war auch musisch weit überdurchschnittlich begabt. Gerade das Malen war für ihn eine wichtige Möglichkeit, sich auszudrücken. Bis zum Ende seines Lebens schuf Zuse immer wieder Bilder, die meist einen stark expressionistischen Charakter haben. Sein Sohn Horst Zuse verglich seinen Vater als Maler einmal im Gespräch mit unserer Zeitung mit Vincent van Gogh: „Er war vielleicht nicht so verrückt, aber ebenso besessen wie dieser.“ Noch drei Tage vor seinem Tod habe er das letzte Bild gemalt.

1934 begann Konrad Zuse mit Arbeiten an programmgestützten Rechenmaschinen. Die mechanisch arbeitende „Z1“ wurde 1938 fertiggestellt.

Das künstlerische Schaffen hat Konrad Zuse Zeit seines Lebens begleitet: Aus seiner Schulzeit in Hoyerswerda sind Mappen mit Zeichnungen und Karikaturen überliefert, die ganz nebenbei Dokumente des damaligen Schulalltags sind.

Konrad Zuse malte Alpen-Panoramen für US-Soldaten

Einen besonderen Reiz übte die Werbegrafik auf Zuse aus. Das dokumentiert ein Plakat, das er Mitte der 1920er Jahre für die Ford-Werke schuf, die sich damals in Berlin niedergelassen hatten. Irgendwann war aber klar, dass der berufliche Schwerpunkt im Ingenieurwesen liegen würde. Nur in der unmittelbaren Nachkriegszeit diente das Malen auch dem Broterwerb: Zuse produzierte für US-Besatzungssoldaten Alpen-Panoramen. Doch die Weiterentwicklung seiner Rechner und schließlich die Gründung der Zuse-KG mit Sitz in Neukirchen und später in Bad Hersfeld traten rasch wieder in den Vordergrund. In jenen Jahren, als der Name Zuse eng mit der Rechner-Herstellung verknüpft war, signierte der Maler seine Bilder als „Kuno See“, einem Spitznamen aus Studentenzeiten. Seine Schaffenskraft war enorm – vermutlich malte er eine vierstellige Zahl von Bildern.

Zu seinem 85. Geburtstag benannte Hünfeld eine Straße nach Konrad Zuse. Das Foto zeigt ihn mit seiner Frau Gisela und Bürgermeister Dr. Eberhard Fennel.

Die Arbeiten sind heute nicht nur ob ihrer Ausdruckskraft begehrt – sie sind auch von materiellem Wert und selten auf dem Markt. Wer sich damit trösten mag: Drei Kunstdrucke von Zuse-Gemälden – Kalenderblätter aus den 1990er Jahren – werden gerade bei ebay für 190 Euro angeboten. Das ist nicht unbedingt billig, aber im Vergleich zu einem nachträglich mit einem Autogramm versehenen Postkartendruck eines Zuse-Bildes für 88 Euro geradezu ein Schnäppchen.

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