Das Landgericht in Fulda / Foto: Fuldaer Zeitung

Zu kräftig für Sitzungssaal: Prozess musste von Hünfeld nach Fulda verlegt werden

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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FULDA/HÜNFELD - Ein „Auswärtsspiel“ hatte der Hünfelder Richter Dr. Szymon Mazur: Das Amtsgericht tagte am Montag in den Räumen des Fuldaer Landgerichts. Ursache für den Ortswechsel war nicht die Schwere des Falles, sondern das Gewicht eines der Angeklagten: In Hünfelds engem Gerichtsgebäude hätte man den auf den Rollstuhl angewiesenen Mann nicht in den Sitzungssaal bekommen.

Zwei Insassen des Gefängnisses Hünfeld mussten sich wegen Körperverletzung verantworten. Staatsanwalt Andreas Hellmich warf dem 40-jährigen Häftling E. vor, einen Mitgefangenen ins Gesicht geschlagen zu haben. In einem weiteren Fall ging es um eine Auseinandersetzung zwischen den beiden Angeklagten. Dabei wurde der 40-Jähriger beschuldigt, seinem 56 Jahre alten Mithäftling M. einen Schlag aufs Auge versetzt zu haben. Im Gegenzug erhob der 40-Jährige den Vorwurf, der im Rollstuhl sitzende M. sei mit einem Besen oder Schrubber auf ihn losgegangen und habe ihn damit im Gesicht verletzt.

Nachdem das Gericht den Ausführungen der Angeklagten eine ganze Weile seine Aufmerksamkeit geschenkt hatte, regte Marcus Mauermann, der Verteidiger des Angeklagten E. An, über eine Einstellung der Verfahren nachzudenken. Denn auf seinen Mandanten warte in absehbarer Zeit ein „umfangreicheres Verfahren“ vor dem Amtsgericht in Frankfurt, vor dem er sich wegen einer Diebstahlserie verantworten müsse.

Was für ein Kinderkram

Nach einer kurzen Sitzungsunterbrechung war klar: Auch die übrigen Prozessbeteiligten stimmten diesem Vorgehen zu. Richter Mazur verkündete dann die Einstellung der zusammengefassten Verfahren aufgrund der Regelungen der Paragrafen 153 und 154 der Strafprozessordnung.

Mazur entließ die beiden verfeindeten JVA-Insassen aber nicht ohne eine dringende Ermahnung: „Sie sind nicht nur körperlich, sondern auch im strafrechtlichen Sinne mit einem blauen Auge davongekommen. Nutzen Sie diese Chance um zu lernen, künftig ihre Emotionen im Griff zu haben. Es lohnt sich nicht, wegen solchem Kinderkram noch länger in der JVA zu sitzen.“ / zi

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