Fotos: Helmut Käsmann

Ein Leben für Tausende Kita-Kinder: Ursel Weppler geht in Ruhestand

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Hünfeld - Sie hat den Hünfelder Kindergarten Heilig Kreuz drei Jahrzehnte lang geprägt und mitunter auch ganz schön umgekrempelt: Zum Ende dieses Jahres ist Kita-Leiterin Ursel Weppler (61) in den Ruhestand verabschiedet worden. Im Gespräch mit unserer Zeitung blickt sie auf eine intensive, aber spannende Zeit zurück.

Von unserem Redaktionsmitglied Sabrina Mehler

Gezählt hat sie nicht, aber es müssen Tausende Mädchen und Jungen gewesen sein, die Ursel Weppler durch die Kindergartenzeit begleitet hat. Die 61-Jährige denkt gerne daran zurück, als sie den Kindergarten Zum Heiligen Kreuz der evangelischen Kirchengemeinde Hünfeld leitete. Nun ist nach fast 30 Jahren Mitarbeit und 21 Jahren Leitung Schluss. Sie gibt ihr Amt an Larissa Hettinger weiter.

Dass sie Erzieherin werden wollte, wusste sie schon ganz früh: „Als ich als Schülerin in den Osterferien ein Praktikum in einem Kindergarten gemacht habe, war mir klar: Das ist mein Ding“, sagt sie. Der 13. August 1990 war schließlich ihr erster Arbeitstag als festangestellte Kraft in Hünfeld, erinnert sie sich. Damals war die gebürtige Kirchheimerin wegen einer beruflichen Veränderung ihres Mannes nach Hünfeld gekommen. Und zufällig wurde eine Stelle im evangelischen Kindergarten frei. „Da dachte ich mir: Das ist deine Chance.“ Ihr Sohn war damals drei, die Tochter ein halbes Jahr alt, und alle besuchten ab sofort Heilig Kreuz: „Und das hat super geklappt.“

Kreativität der Kinder im Mittelpunkt

Lange Jahre war sie Erzieherin in der Marienkäfer-Gruppe, bis 1998 eine erneute Veränderung auf sie zukam: „Im Gespräch mit Pfarrer Gossler habe ich beschlossen, mich für die frei gewordene Stelle als Leiterin zu bewerben.“ Seitdem hat sie die Einrichtung dank vieler Ideen geprägt. „Mir war es immer wichtig, dranzubleiben und nicht in einen Trott hineinzukommen.“

Das hat Ursel Weppler geschafft: Ein großer Einschnitt im Kita-Alltag war 2002 das Konzept für teiloffene Gruppen, das sie angestoßen und mit ihren Mitarbeiterinnen ausgearbeitet hat. Teiloffen bedeutet, dass die Kinder mitbestimmen können, was sie treiben wollen: ob sie sich heute lieber auf dem Spielplatz austoben, mit den Erzieherinnen basteln oder kochen oder vielleicht einfach mal bei Musik im Gruppenraum entspannen. Ursel Weppler setzte immer auf die Kreativität und Selbstverantwortung der Kinder.

„Warum müssen sich denn unbedingt alle um halb eins schlafen legen? Wer nicht müde ist, kann stattdessen spielen“, betont sie. Neu waren damals auch gruppenübergreifende Aktionen: „Zum Beispiel bastelten die Kinder dann Martinslaternen mit Gleichaltrigen“, erinnert sie sich.

Tätigkeit im Büro

Ein weiteres Projekt stieß Ursel Weppler vor acht Jahren an: die Erstellung eines Qualitätsmanagement-Handbuchs. Zwei Jahre hat das gedauert. Dabei ging es darum, die Arbeit systematischer zu erbringen, weiterzuentwickeln und zu sichern: Arbeitsabläufe wurden überdacht, verbessert, an die Moderne angepasst. So gab es beispielsweise eine Umfrage zum Essen: „Dabei kam aber heraus, dass es den meisten Kindern schmeckt“, sagt die Erzieherin lächelnd.

In den letzten Jahren war Ursel Weppler ausschließlich im Büro tätig. Irgendwann hatte sie gemerkt, dass es fast unmöglich ist, gleichzeitig Erzieherin und Kindergartenleiterin zu sein: Die Computerarbeit und die Dokumentationspflichten haben immer mehr zugenommen, sagt sie, die auch in diesem Jahr einen weiteren Einschnitt meistern musste: Die Kita Heilig Kreuz wurde um eine fünfte Gruppe erweitert, weil der Betreuungsbedarf in Hünfeld gestiegen ist. Es war ihre Idee, die Kinder wegen des fehlenden Platzes in Containern unterzubringen – durchaus eine ungewöhnliche, aber wie sich herausstellte, sehr erfolgreiche Lösung.

Zusammenhalt stimmte

„Es ist wichtig, bei solchen Entscheidungen die Mitarbeiterinnen mitzunehmen und nicht einsam etwas zu beschließen“, betont die 61-Jährige. „Aber alles hat immer gut geklappt, bis zum heutigen Tag.“ Sie habe immer tolle Erzieherinnen gehabt: „Der Zusammenhalt hat gestimmt, wir waren eine Einheit.“ Und auch die Zusammenarbeit mit Pfarrer Jürgen Gossler sei immer reibungslos gewesen: „Er hat immer hinter uns gestanden.“

Neue Lebensphase

Jetzt beginnt eine neue Lebensphase für Ursel Weppler. Einen genauen Plan dafür hat die dreifache Großmutter noch nicht: „Ich werde alles auf mich zukommen lassen“, sagt sie lächelnd. Sie freue sich auf den Ruhestand, für den sie sich auch entschieden hat, um ihre Gesundheit zu schonen.

So ganz kann sie sich vom Kindergarten aber noch nicht lösen: Die regelmäßigen Besuche im Altenpflegeheim Bethanien, bei denen die Kleinen mit den Alten spielen und singen – und bei denen Ursel Weppler leidenschaftlich dazu auf dem Akkordeon spielt – will sie vorerst beibehalten.

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