1. Fuldaer Zeitung
  2. Hünfelder Land

„Wir sind erzürnt“: Bürger wollen Abriss der „Villa Kreuzer“ in Hünfeld verhindern

Erstellt:

Von: Harry Wagner

Für das Projekt im Klostergarten soll die „Villa Kreuzer“ (links am Bildrand) weichen.
Für das Projekt im Klostergarten soll die „Villa Kreuzer“ (links am Bildrand) weichen. © Hartmut Zimmermann

Das Klostergarten-Projekt in Hünfeld, das in den nächsten Wochen wieder Gegenstand von Beratungen in der Stadtverordnetenversammlung sein wird, sorgt derzeit im Zusammenhang mit einem Wohnhaus in der Klosterstraße für Gesprächsstoff.

Hünfeld - Dabei geht es um das Schicksal der sogenannten „Villa Kreuzer“, des Gebäudes Klosterstraße 6 in Hünfeld, am westlichen Rand des Planungsareals liegend. Gemäß den Vorstellungen der Investoren des Klostergarten-Projekts – die Provinz der Oblaten und die Mediana Holding GmbH – müsste dieses im Besitz des Klosters befindliche Haus weichen. Ansonsten sei das Klostergarten-Projekt nicht realisierbar.

Dort, wo in früheren Jahren Gemüse geerntet wurde, soll ein Ensemble mit Einkaufsmöglichkeiten, ärztlicher Versorgung und Wohnraum entstehen – darunter auch sozialer Wohnungsbau. Die Investoren streben an, noch 2022 Baurecht zu erhalten und Ende des Jahres mit der Verwirklichung des Projekts beginnen zu können. Die Stadtverordnetenversammlung hat im September 2021 ihre grundsätzliche Zustimmung zu dem Klostergarten-Projekt erteilt.

Hünfeld: „Villa Kreuzer“ soll abgerissen werden - Bürger wollen das verhindern

Einige Bürger scheinen sich allerdings nicht mit einem Abriss der „Villa Kreuzer“ anfreunden zu können. Sie haben eine Unterschriftensammlung für den Erhalt des Hauses initiiert. Die Listen sollen an die Stadt und die Bauherrschaft übergeben werden. Zu den treibenden Kräften der Aktion gehört Nelly LeRoy. Die seit langen Jahren in Hünfeld lebende gebürtige Französin hat sich mit einigen Gleichgesinnten zusammengetan. „Es kommen jeden Tag neue Umschläge mit Unterschriften zurück. Wir haben jetzt ungefähr 250 Personen, die unterzeichnet haben“, sagte sie gestern. Übergeben wolle man die Listen noch vor den nächsten Sitzungen der Stadtverordneten.

In dem den Listen beigefügten Schreiben heißt es: „Wir sind erzürnt und traurig über die Entwicklung, die in der Klosterstraße vorgesehen ist. Finanzstarke Investoren können gemeinsam mit Politikern und Vertretern von Glaubenseinrichtungen große Umgestaltungen in einer Stadt planen und ausführen, ohne die Meinung der Bevölkerung zu berücksichtigen.“ In Hünfeld gebe es im Stadtbild „nur noch wenige schöne ältere Gebäude“. Man bitte die Verantwortlichen, Möglichkeiten zu entwickeln, die den Erhalt der „Villa Kreuzer“ sicherten.

Familie muss „Villa Kreuzer“ verlassen - „erhebliche finanzielle Entschädigung“

Derzeit wohnt in dem Haus eine Familie zur Miete und müsste Ende des Jahres ihr Domizil verlassen. Pater Felix Rehbock OMI bekräftigt, dass die Provinz auf die Mieter zugegangen sei, sobald klar gewesen sei, dass die „Villa Kreuzer“ abgerissen werden muss. Man habe der Familie verschiedene Angebote, unter anderem auch eine „erhebliche finanzielle Entschädigung“, für die Beendigung des Mietverhältnisses unterbreitet. Zudem habe es die Offerte gegeben, zu günstigen Konditionen eine der neu entstehenden Sozialwohnungen auf dem Gelände der ehemaligen Klostergärtnerei beziehen zu können.

Er könne verstehen, sagt Pater Felix, dass einige Bürger es gerne sehen würden, wenn das Haus stehen bliebe. Doch zur Realisierung des Klostergarten-Projekts sei dessen Abbruch notwendig. „Es ist weder denkmalgeschützt noch städtebaulich von besonderer Bedeutung“, erklärt der Ordensmann. Und: „Als Provinzial bin ich verpflichtet, die Zukunft unserer Ordensgemeinschaft im Blick zu halten.“ Die Investitionen in das Klostergarten-Projekt – für Rehbock zudem ein Vorhaben im öffentlichen Interesse – seien ein wesentlicher Beitrag zur nachhaltigen wirtschaftlichen Festigung und zum Erhalt des Bonifatiusklosters, das seit 1895 zu Hünfeld gehöre.

Die Stadt weist in einer Stellungnahme darauf hin, dass es in Hünfeld weiteren Bedarf an Einkaufsmöglichkeiten und an innenstadtnahen Wohnungen gebe – noch dazu, wenn ein großer Teil sozial gefördert werde. Dies gehe aus einem entsprechenden Gutachten hervor. „Die Alternative wäre nur, ein solches Objekt auf der grünen Wiese zu errichten. Das wäre aber weder ökologisch noch städtebaulich sinnvoll“, betont der städtische Sprecher Helmut Käsmann. Die ehemalige Klostergärtnerei sei die einzige innenstadtnahe Fläche für ein solches Vorhaben. Gerade in der Leitbilddiskussion sei immer wieder deutlich geworden, dass sich die Bürger für eine Stärkung der Innenstadt ausgesprochen hätten.

Am 3. März wird die Stadtverordnetenversammlung voraussichtlich über den Bebauungsplan für die Liegenschaft beraten. Dann hätten auch Bürger die Möglichkeit, Anregungen und Bedenken vorzutragen. „Das ist der Moment, wo nachbarschaftliche Hinweise in die Diskussion eingebracht werden können“, empfiehlt die Stadt.

Auch interessant